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Influencer sprechen über Personal Branding: Sascha Pallenberg

Als Influencer bezeichnet sich Sascha Pallenberg selbst nicht. Ihm ist der Begriff Blogger viel lieber. Als solcher hat er sein Medium Mobile Geeks mit einem Team Gleichgesinnter zum Erfolg geführt. Er verbringt die meiste Zeit des Jahres in Taiwan oder berichtet von Tech-Konferenzen. Ende 2016 ist der Techblogger bei Daimler in die Unternehmenskommunikation eingestiegen und arbeitet seither als Head of Digital Content für den Automobilkonzern.

Warum gibt es so wenige Influencer, die sich als Lobbyisten für die gute Sache engagieren? Das fragt Sascha Pallenberg in unserem Personal-Branding-Interview. Die meisten Mega-Influencer scheinen nur auf der Suche nach dem großen Geld zu sein. Demgegenüber schlägt Sascha vor, dass sich mehr Influencer für die digitale Transformation, regenerative Energie oder eine Verbesserung unseres Bildungssystems einsetzen sollten. In diesen Bereichen gibt es sicherlich einige Menschen, die sich dafür engagieren. Sie erhalten bislang allerdings zu wenig Aufmerksamkeit.

Wie ist es für Dich, als Personenmarke in der Öffentlichkeit zu stehen?

Ich bin ganz ehrlich froh, dass ich einen Schritt zurückgehen durfte und dies nicht mehr so stark erlebe wie zu meiner Zeit als Blogger. Persönlich finde ich es viel angenehmer, wenn Resultate zählen und nicht weil diese von Person XYZ erzielt wurden. Durch meinen Wechsel sind auf einmal ganz andere Medien und Veranstaltungen auf mich aufmerksam geworden. Auch das ist Öffentlichkeit, vielleicht sogar noch einmal ein wenig internationaler, gerade in Asien. Wenn du dich selber als Kommunikator definierst, dann ist es genau das, was du benötigst, um deine Statements, deine Ideen zu platzieren.

Was hat sich für Dich durch die Aufmerksamkeit am meisten verändert?

Ich bin in den letzten Jahren definitiv ruhiger und diplomatischer geworden. Laut zu sein heißt nicht automatisch, Recht zu haben. Aufmerksamkeit heißt aber auch nicht, dass jede meiner Äußerungen vorher viermal geprüft wird. Bei mir gibt es nach wie vor eine direkte Verbindung zwischen dem Herzen, dem Mundwerk und den Fingerkuppen. Aber mit einer starken zweiten Spur, die direkt durchs Hirn führt!

Nicht jeder Influencer mag es, wenn andere über ihn schreiben oder sprechen. Wie ist es für Dich, wenn andere das öffentlich tun und manchmal auch Kritik über Deine Person äußern? Oder spielt das keine Rolle?

Berechtigte und sachliche Kritik ist wichtig. Während meiner größten “Online-Aufreger” fehlte diese jedoch zum größten Teil. Ich stelle mich jeder Diskussion und setze mich mit jedem Kritiker auf ein Panel. Umgehend! Es ist nun einmal ein riesiger Unterschied zwischen einer direkten Konfrontation und dem, was uns das Netz als kontroverse Diskussionsplattform vorgaukelt.

In meinen wichtigsten Analysen und Enthüllungen während meiner Zeit als Blogger lag ich faktisch richtig. Die Themen wurden aber zum Teil so emotionalisiert, dass viele die Sachebene verließen. Aber auch damit muss man leben können.

Was hat Dich zum Influencer gemacht?

Keine Ahnung. Ich bin kein Influencer. Ich bin Blogger, Geschichtenerzähler und sogar Kommunikator. Da musst Du diejenigen fragen, die mich in diese Schublade stecken.

Welche Tipps hast Du für diejenigen, die davon träumen, Influencer zu werden?

Sie sollten sich die Frage stellen, ob sie Lobbyist sein wollen: Lobbyist für Produkte, Ideen, Strategien. Warum sollte jemand nicht Influencer für die digitale Transformation oder die Verbesserung des Bildungssystems werden? Oder Influencer für regenerative Energien!

Wer einfach nur Produkte in die Kamera halten will: Macht euch einen Instagram/Youtube-Kanal auf, erklärt allen wie toll das neue Shampoo XY ist und hofft, dass ihr eine Fanbase findet. Nur haben diese Idee schon tausende da draussen.

Ich wünsche mir Influencer und Lobbyisten mit Geschichten. Mit einer Mission. Influencer gegen Plastikbesteck, die dann neueste Messer aus Solingen oder Japan auf ihrem Kanal vorstellen. Lobbyisten für ökologisches Reisen und gegen Massentourismus, die zeigen wie man mit dem Rad Deutschland/Europa, die Welt ganz anders entdecken kann.

Werbung zu machen ist so einfach. Sich dadurch einfach nur als Produktpüppchen zu offenbaren, leider auch. Träumt davon, die Welt zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen und versucht andere davon zu überzeugen, dass dies möglich ist.

DAS wären Influencer, von denen wir viel mehr benötigen!

Vielen Dank für das Interview, lieber Palle.

Sascha Pallenberg Influencer

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Bildquellen: Sascha Pallenberg, Stephanie Kowalski