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Banken und Social Media (Teil 3): Die Revolution hat längst begonnen

Während der traditionelle Finanzsektor die PIN zum Aussuchen für Geldautomaten als Innovation feiert, formiert sich außerhalb seiner Branche eine Armada an Unternehmen zum Angriff auf die etablierten Banken. Überspitzt formuliert, pocht die “Generation Y” oder die “Digital Natives” an das dicke Tor der Finanzwelt.

Sie treffen auf eine Bankwelt, die sich hinsichtlich ihrer Social Media Fähigkeit in drei Kategorien einteilen lässt:

  1. Klassische Banken, die Social Media allmählich für sich entdecken,
  2. Junge Dienstleister, die neue Formen von Finanzdienstleistungen entwickeln und
  3. Banken, die gar nichts tun und im Status Quo verharren.

Die dritte Kategorie bildet immer noch die große Mehrheit. Viele Institute machen ohne Social Media und Next Banking weiterhin ausgezeichnete Geschäfte und verdienen gut. Es ist weder klar, ob und wie mit Social Media Geld verdient oder Kunden gebunden werden können, oder wie viel Geld die neuen Dienstleister damit verdienen.

Dennoch wird sich die Branche tiefgreifend verändern. Noch hat die unter dem staatlichen Artenschutz der Bankregulierung stehende Finanzbranche diese Entwicklungen nicht wirklich zur Kenntnis genommen. Das ist erstaunlich, denn mittlerweile versammeln Telekom- und Internetkonzerne gemeinsam mit pfiffigen Start-Ups ihre Truppen, um die letzte Bastion der 1.0-Welt zu knacken.

Sehr weit gehen etwa die Entwicklungen im Zahlungsverkehr und im Mobile Banking. Hier formieren sich vor allem große Internet- und Telekommunikationskonzerne, um sich mit neuen Angeboten ein großes Stück vom lukrativen Zahlungsverkehr zu sichern. Unternehmen wie Google, die Deutsche Telekom oder eBay versuchen, den Online-Zahlungsverkehr und sogar den klassischen PointofSale im Ladengeschäft über Smartphones zu erobern.

Banken halten hier bisher nur halbherzig dagegen mit dem kontaktlosen Bezahlen über Karten. Innovationen für den Zahlungsverkehr, wie Zahlungsanweisungen via Twitter, findet man nur bei sehr jungen Instituten wie der Fidor Bank.

Im Geldanlagesektor steigen die Angebote für alternative Geld- und Kapitalanlagen über Kreditbörsen oder über Crowd Investing. Während die schwerfälligen Oldies der Investmentfondsbranche die Abkehr der Privatanleger ideenlos beklagen, preschen Newcomer mit Fonds vor, bei denen Communities oder Kunden über den Kauf von Anteilen entscheiden – wie bei Investtor, die Deutschlands ersten “Mitmachfonds” auf den Markt brachten.

Selbst im sonst eher diskret wirkenden Finanzierungsbereich blühen zahlreiche Biotope auf. Das Angebot reicht von Kreditmarktplätzen via Peer2Peer-Krediten (Beispiel Smava) über Plattformen, mit denen Forderungen verkauft werden (Beispiel Debitos) bis hin zu Crowd-Funding-Plattformen wie Innovestment und Seedmatch. Diese Angebote ersetzen die klassische Vermittlungsfunktion von Banken durch den direkten Kontakt der Kunden.
Das Angebot ist bereits jetzt bunt und vielfältig, das zeigt die Übersicht in der Mindmap des Next Banking und Finance des Blick Log. Manche Start-Ups wirken noch sehr verspielt. Und zweifellos werden sich auch nicht alle Geschäftsmodelle durchsetzen.

Aber die Entwicklung zeigt einen immensen Veränderungsbedarf in der Finanzbranche. Diese Veränderungen finden bislang weitgehend außerhalb des klassischen Banksektors statt, beschränken sich aber keineswegs auf den B2C-Bereich. Anbieter wie Debitos, investiere.ch oder finpoint adressieren vor allem auch B2B-Segmente.

Morgen werden wir im vierten Beitrag der Artikelserie die Chancen für wirkliche Veränderungen im Finanzsektor beleuchten.

Die Autoren: Dirk Elsner ist Ökonom, arbeitet für die Unternehmensberatung Innovecs. Er ist mit seinem privaten Blog Blick Log einer der einflussreichsten Wirtschaftsblogger im deutschsprachigen Internet. Dirk und unser Autor Florian Semle werfen in einer vierteiligen Blogreihe gemeinsam einen Blick auf den Stand der Social Media im Bankwesen und den Perspektiven für die Zukunft. Im zweiten Teil der Reihe zeigen sie die neuralgischen Punkte klassischer Banken im Umgang mit Social Media.