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Web 2.0 Mittelstandskonferenz

Wo könnten mittelständische Unternehmer besser einen Einblick in die Funktionen und Funktionsweisen des Web 2.0 erhalten als auf einer Konferenz, bei der sich Vordenker, Web 2.0-Praktiker und Interessierte treffen und austauschen? Diese Frage haben sich vermutlich die Organisatoren der gestrigen Web 2.0 Mittelstandskonferenz  gestellt und kamen zu dem Schluss: nirgends.

Und der Name war Programm. Die zahlreich erschienenden Unternehmensvertreter wurden zunächst an die Thematik herangeführt und mit Begriffen wie Weblog, Wiki, Widget oder Social Bookmarking vertraut gemacht. Danach stellte Prof. Manfred Leisenberg, Organisator der Veranstaltung, den Anwesenden in seinem Vortrag erste Anwendungsbereiche für Web 2.0 Applikationen vor; von E-Recruiting über internes Knowledge Management bis hin zur externen Unternehmenskommunikation.

Beleuchtet wurden auch rechtliche Fragestellungen, die durch das Mitmach-Internet aufgeworfen werden. Etwa der Umgang mit Urheberrechten im Netz oder die Haftungsfragen bei User Generated Content – in welchem Fall sowohl der Betreiber der Plattform wie auch der User belangt werden können.

Die Unternehmer bekamen außerdem einige Tipps mit auf den Weg zur Frage, wann ein Unternehmen richtig aufgestellt für einen Schritt ins zweite Netzzeitalter sei. Als wichtigste und grundlegende Bedingung nannte Prof. Leisenberg die Bereitschaft, Prozesse transparent zu gestalten und nach außen wesentlich durchsichtiger zu agieren. Ebenso brauche es Kompetenzen und Erfahrung im Umgang mit dem Web 2.0. Wenn diese nicht im Unternehmen selbst vorhanden sind, müssen sie im Zweifel extern ins Boot geholt werden. Zuletzt müssen Management und Investoren hinter den Plänen stehen und eine entsprechende Philosophie vorleben.

Was auf den Ein oder Anderen vielleicht zunächst abschreckend gewirkt haben mochte, wurde von Leisenberg dann aber unter dem Motto "Wer Kommunikation beeinflussen will, muss Teil von ihr werden" ins Gegenteil verkehrt: Am besten in Chancen, die sich Unternehmen bieten,um brachliegende Potentiale zu nutzen.

Natürlich durfte das Thema Second Life nicht auf der Agenda fehlen. Dazu stellte Prof. Stefan Bieletzke in seinem Vortrag zunächst die eigenen Erfahrungen der gastgebenden FHM mit der virtuellen Welt vor und zeigte anschließend einige weitere Nutzungsmöglichkeiten. Spannend beispielsweise: Der Ansatz, als Architekt eine virtuelle Häuserausstellung anzulegen, sie in SL vorzuführen, die Häuser ggf. gemeinsam mit den Interessenten zu modifizeren und schließlich im Real Life das Haus zu bauen. Im v2r (virtual to real) Bereich liegen seiner Meinung nach die größten Entwicklungschancen für fruchtbare Geschäftsmodelle. Außerdem hielt Michael Domsalla einen Impulsvortrag zur Frage: Braucht der Mittelstand Second Life?. Nachlesen kann man diesen auf seinem eigenen Blog.

Abgeschlossen wurden die Veranstaltung dann von einigen Rednern, die Web 2.0-Elemente bereits erfolgreich in ihrem Unternehmen nutzen. Frederic Hahn von der Synaxon AG, die nahezu ihre gesamte interne Kommunikation mit Hilfe eines Wikis handhabt und ein Blog betreibt, zog ein rundum positives Feedback: Der Informationsfluss hat sich extrem verbessert und das E-Mail-Aufkommen drastisch reduziert, seitdem Informationen nun selektiv gesucht und relevante Kanäle abonniert werden können. Lästige Mails über Massenverteiler wurden damit überflüssig. Positiv hat sich das kooperative Arbeiten im Wiki auf die Redundanz der Informationen ausgewirkt, da nunmehr doppelte und dreifache Arbeit zum selben Thema vermieden wird. Auch die Kooperation und Abstimmung zwischen den verschiedenen Abteilungen hat sich merklich verbessert, da nun jeder Mitarbeiter wesentlich bessere Einblicke in das Treiben der Anderen hat.

Ebenso Interessantes wusste Jan Westerbarkey von Westaflex über die Erfahrung des Unternehmens mit seinem Blog zu berichten. Ihnen sei es gelungen, intensivere Beziehungen mit ihren Kunden aufzubauen und diese produktiv zu nutzen. Im Social Web sieht er vor allem das Potential, das eigene Markenimage zu pflegen und die Menschen hinter dem Unternehmen greifbarer zu machen.

Natürlich wurde auch diskutiert und das Web 2.0 kritisch beäugt und hinterfragt. Wer die ganzen, im Netz anfallenden Informationen denn lesen und selektieren solle, wurde ebenso diskutiert, wie die Frage, ob Blogs Tummelplätze von nur ungenügend qualifizierten Hobby-Autoren seien. Eben jene Diskussionen, die aktuell im und ums Medium Internet stattfinden. Eines jedoch hat die Konferenz sicherlich geschafft: Sie hat den Anwesenden das Web 2.0 nähergebracht und die Chancen und Möglichkeiten denjenigen vermittelt, die, richtig genutzt, am meisten profitieren können. Den Unternehmen.

Thomas Euler