buble arrow26

Die Angst vor der Social Media Öffentlichkeit

Unbemerkt von vielen Entscheidern entsteht langsam im Verborgenen eine neue Unternehmenskultur, die für das Ende vieler Gewissheiten sorgt. Wissen Sie denn wirklich wie viele Ihrer Mitarbeiter sich selbst über Facebook Profile und Gruppen organisieren? Wie tauschen sich Ihre Kollegen über Informationen aus? Woher beziehen Sie diese? Das statische Intranet gehört in innovativen Unternehmen längst der Vergangenheit an.

Interne Transparenz macht Mitarbeiter sichtbar

In immer mehr Firmen wird intern Social Media eingeführt, um das unternehmensinterne Wissen besser nutzen zu können. Das hat für die Unternehmenskultur insgesamt Konsequenzen. Denn im neuen Enterprise 2.0 fällt es schwer, sich zu verstecken. Wer nicht aktiv am Social Media Leben teilnimmt und stattdessen lieber unsichtbar bleibt, spielt keine Rolle mehr oder verliert diese sogar.

Enterprise 2.0 und Social Media passen so gar nicht zu einer Philosophie der Mittelmäßigkeit, in der jeder unauffällig und scheinbar risikolos seinen Weg gehen kann. Durch die neuen Entwicklungen werden wir alle in unserem Schaffen sichtbarer. Diese Transparenz wirkt sich auf alle Bereiche in den Unternehmen aus und verändert diese langsam.

Mitarbeiter werden zu Markenbotschafter

Aber im Umgang mit den Kunden verändert sich einiges. Immer mehr Mitarbeiter gehen ihren Aufgaben in Marketing, PR, Kundenservice und Human Ressources öffentlich nach. Sie erhalten eine Rolle als Markenbotschafter, in der von ihnen erwartet wird, sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einzubringen.

Konnte man sich in der Vergangenheit noch selbst darüber entscheiden, wie öffentlich man ist und auf eine digitale Präsenz verzichten, steigt der Druck inzwischen auf Mitarbeiter, sich aufgrund ihrer Tätigkeit selbst mit Gesicht und Profil online zu präsentieren. Das fällt jedoch einigen schwer, wenn das eigene Unternehmen in der Kritik steht. Wie soll man dann mit dem Ansinnen des Unternehmens umgehen, wenn eine öffentliche, persönliche Positionierung erwünscht ist? Arbeitsrechtlich gibt es Möglichkeiten, sich gegen derlei Ansprüche zu wehren. Doch in der Folge werden eben nur noch Mitarbeiter in bestimmten Unternehmensbereichen eingestellt, die sich darauf einlassen.

CEO’s unter öffentlichem Druck

Entscheider verzichten oftmals auf eine aktive Social Media Nutzung, weil dieses Gedöns ihnen Angst macht. Denn in einem Social Network wie Facebook gibt man sich selbst direkt zu erkennen und macht sich dabei auch ein Stück weit angreifbar. Sobald eine Führungskraft in Social Media aktiv wird, muss sie damit rechnen, auch mit unliebsamen Fragen konfrontiert zu werden. Das erfordert vom Einzelnen viel Mut und eine klare Haltung. Social Media basiert auf Kommunikation mit Menschen. Diese verhalten sich nicht immer logisch und nachvollziehbar. Diese Unberechenbarkeit und gleichzeitige Dialogoffenheit macht Social Media nicht besonders attraktiv für CEO’s.

Angst macht vielen CEO’s auch die Vermischung privater und beruflicher Inhalte. Viele wollen ihre Privatsphäre schützen und ihre Familien daraus halten. Das ist verständlich, aber auch wirklichkeitsfremd. Denn dieses liegt nicht in der eigenen Entscheidungsgewalt. Jeder kann über Sie einen Online-Artikel veröffentlichen. So kann ich jederzeit bspw. über einen CEO etwas im PR-Blogger schreiben, darüber auf Google+ oder Facebook schreiben und ihn somit in die Kritik bringen, ohne dass der Entscheider darauf unmittelbar reagieren kann, wenn er über keinen Social Media Zugang verfügt.

Ausbau der Kundenbeziehungen durch persönliche Social Media Kommunikation

Die Führungskräfte sind angewiesen auf ihre Glaubwürdigkeit. Um jene ist es schlecht bestellt, wenn sie nicht bereit sind, mit ihren Kunden zu sprechen. Je weniger Bereitschaft an einem Kundendialog besteht, desto drastischer wirkt sich das auf die Reputation aus. Man kann nicht einerseits von einer Kundenorientiertheit seines Unternehmens sprechen und sich gleichzeitig persönlich der Social Media Kommunikation verweigern. Bislang nutzen erst wenige Organisationen Social Media für die Entwicklung einer guten Kundenbeziehung. Meistens reduzieren Unternehmen Social Media auf ein reines Facebook Marketing, welches gar nicht auf die Kundenbedürfnisse eingeht.

Angstfreie Social Media Nutzung

Niemand sollte eine persönliche Social Media Kommunikaton unterschätzen. Für einen Neuling ist es äußerst hart, sich offen auf das Neue einzulassen. Social Media lässt sich nicht wirklich kontrollieren. Die Reaktionen der Onliner sind oft nicht abschätzbar und behalten auch unangenehme Überraschungen bereit. Am schwierigsten ist immer der Anfang, den Umgang auf den unterschiedlichen Plattformen richtig einzuschätzen. Was mache ich, wenn jemand mir eine Kontaktanfrage schickt oder mir etwas Kritisches auf meinem Facebook-Profil hinterlässt? Wie gehe ich mit kritischen Blogkommentaren um? Es ist anfangs nicht leicht, das Feedback auszuhalten. Doch mit der Zeit gewinnt man als Nutzer sehr viel Gelassenheit und lernt die unterschiedlichen Reaktionen richtig einzuordnen.

Letztlich bedürfen alle Mitarbeiter einer Ermutigung, Social Media im Auftrag des Unternehmens zu nutzen. Von selbst entsteht eine solche angstfreie Kultur jedoch nicht. Es bedarf geschützter Räume in der Transparenzgesellschaft, in denen auch die eigenen Ängste vor dem negativen Feedback angesprochen werden müssen.

Wie haben Sie den Mut gefunden, sich auf Social Media einzulassen? Welche Tipps haben Sie?

>> Interview mit Klaus Eck auf Doschu: Social Media & German Angst vor dem “Shitstorm”

Quelle: Fotos: Fotolia