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III. Social-Media-Check Wahl 2009: Team Deutschland Blog

Für den heutigen Social-Media-Check Wahl 2009 haben wir uns das "teAM Deutschland"-Blog der sogenannten "Freiwilligenkampagne" der CDU angeguckt. Es ist das einzige offizielle Blog das den Unions-Wahlkampf auf Bundesebene unterstützen soll. 

 

1. Zuhören: Das Blog besitzt zwar eine Kommentarfunktion, die allerdings ist Mitgliedern der Freiwilligenkampagne vorbehalten. Die Konsequenz ist, dass Kritik auf dem Team Deutschland-Blog quasi nicht stattfindet. Munter wird die Kanzlerin gelobt oder die Konkurrenz gescholten. 

TeamdeMitglied

Dies mag zwar zum Konzept des Blogs insoweit passen, als dass seine primäre Funktion wohl in der Motivation der Supporter und deren Versorgung mit neuen Wahlkampfideen und Materialien besteht, allerdings muss dann die Frage gestellt werden: Warum ist das Blog nicht gleich nur für Mitglieder zugänglich? In dem Moment nämlich, in dem alle Beiträge öffentlich sind, wird es zu einem externen Wahlkampfinstrument. Dort dann potentiell kritische Stimmen einfach auszusperren, signalisiert wenig Dialogbereitschaft und eine geringe Social Media-Reife. 

2. Überzeugen: Inhaltlich bleibt es im Großen und Ganzen belanglos, man erfährt, dass Uschi Glas Angela Merkel unterstützt, kann der Kanzlerin dabei zuschauen, wie sie am Simulator Eisenbahn fährt und wird auf neue TV-Auftritte von Frau Merkel hingewiesen. Auch an sich gut gedachte Formate wie "Wofür wir stehen", in denen Unions-Politiker angeblich einzelne Schwerpunkte des Wahlprogramms erklären, bleiben derart oberflächlich, dass man die Frage nach dem real existierenden Mehrwert nur schwerlich positiv beantworten kann.

Auch beim 'Wie?' wird leider längst nicht alles richtig gemacht. Größtes Manko: Das Blog ist kein Stück personalisiert. Als Leser erfährt man nichts darüber, wer zum Autorenkreis gehört oder gar wer einen konkreten Beitrag verfasst hat. Es entsteht das Gefühl nur den erweiterten Output des Pressebüros zu lesen. Echte Bindungen können so nicht entstehen.

3. Ansprechen: In Punkto Zielgruppenansprache schneidet das Team Deutschland Blog etwas besser ab. Denn seine angedachte Zielgruppe – freiwillige Unterstützer des Union-Wahlkampfs – werden durchaus mit für sie relevanten Inhalten versorgt, sei es durch Hinweise auf neue Wahlkampfmaterialien, die Vorstellung des Wahlkampfteams der Woche oder die immer wiederkehrende Bekräftigung "Du bist nicht alleine da draußen" in Form von Statements prominenter Unterstützer. 

Allerdings handelt es sich eben nicht um ein internes Blog nur für Unterstützer, sondern um einen öffentlichen Kanal. Dort hätte man mit Hilfe eines Blog natürlich die Möglichkeit, speziell Themen anzugehen, Positionen verständlich zu erklären und vieles anderes umzusetzen, das für einen unentschlossenen Wähler interessant wäre.

4. Mobilisieren: Die Mobilisierung zumindest der ohnehin bereits aktiven Wahlkampfhelfer – der Hauptzweck der Blogs – wird recht passabel gelöst. Vor allem die Onlineaktivität im Rahmen des Wahlkampfes wird durch verschiedene Anreize verstärkt. So gibt es beispielsweise Buttons unter allen Beiträgen, um diese auf gängigen Social Media-Kanälen einzustellen. Außerdem wurde eine Aktion ausgeschrieben, die die aktivsten Blogger und Twitterer belohnt, indem sie zur offiziellen Wahlparty im Konrad-Adenauer-Haus eingeladen werden. Auch die Hinweise auf neue Wahlkampf-Gimmicks wie neue Banner oder ein Editor zum Einfügen eines CDU-Banners in eigene Profilbilder sind keine schlechten Maßnahmen. 

Die Aktivität im echten Leben wird ebenfalls belohnt, so erhalten besonders aktive Wahlkampfgruppen die Chance als "teAM der Woche" vorgestellt werden. Allerdings gäbe es hier noch Ausbaupotential. Nur ein Beispiel wären etwa tipplastige Beiträge mit hilfreichen Ideen für Wahlkampfaktionen.

Die Schulnoten-Bewertung im Einzelnen*

teAM Deutschland Blog
Zuhören 4
Überzeugen 4
Ansprechen 3
Mobilisieren 3
Gesamtnote 3,5

*Eine genaue Erklärung der einzelnen Kriterien finden Sie hier.

Resümee: 

Besonders im grundlegenden Bereich werden auf dem teAM Deutschland-Blog einige Fehler gemacht. Dies beeinträchtigt die Effektivität der teilweise guten Ansätze bei der Zielgruppenansprache und Mobilisierung, da potentielle Leser durch fehlende Persönlichkeit und oberflächliche Inhalte früh verschreckt werden. Hätte man sich konzeptionell für ein geschlossenes Blog nur für Unterstützer entschieden, wäre die Gesamtnote vermutlich besser ausgefallen. So allerdings scheint ein Teil der möglichen Leserschaft einfach nicht bedacht worden zu sein. Fehlende Dialogmöglichkeiten fallen ebenfalls negativ ins Gewicht und wirken alles andere als "Social Media ready".

>> PR-Blogger: II. Social-Media-Check Wahl 2009: Die Blogs der LINKEN 
>> PR Blogger: I. Social-Media-Check Wahl 2009: Die Facebook-Fanpages der Spitzenkandidaten

>> PR Blogger: Startschuss zum Social-Media-Check Wahl 2009 im PR-Blogger

Thomas Euler