buble arrow13

Pressefreiheit: Teure Blog-Interviews

In Weblogs gibt es jede Menge Interviews, auch im PR Blogger. Wer andere zitiert oder online auf seiner Plattform zu Wort kommen lässt, muss nach einem Urteil der Zivilkammer 24 des Hamburger Landgerichts manchmal mit erheblichen Kosten rechnen. Denn die Richter legten in ihrer jüngsten umstrittenen Entscheidung fest, dass Medien (vermutlich auch Blogs) für die Wahrheit von
Interviewäußerungen Dritter voll und ganz haften. Sie seien demnach in einer sogenannten "Verbreiterhaftung", selbst wenn sie keine bewussten Falschbehauptungen aufgestellt haben. Erst nach einer klaren Distanzierung vom Gesagten, solle die Verbreiterhaftung entfallen.

Das LG Hamburg gab in seinem Urteil der "Saarbrücker Zeitung" als medialen Verbreiter eine Mitverantwortung, weil sie ein Interview mit Roger Willemsen veröffentlicht hatte. Darin hatte der Bestseller-Autor und TV-Moderator den Chefredakteur des "Focus" Helmut Markwort bezichtigt, ein Interview mit Ernst Jünger gar nicht selbst geführt, sondern von jemand anderen kopiert zu haben. Diese Behauptung erwies sich eindeutig als falsch.

Für Blogger und Online-Medien ist es nur ein schwacher Trost, dass andere Landgerichte liberaler urteilen. Schließlich kann der Klagende bei einer Online-Verbreitung der Inhalte jedes Gericht seiner Wahl anrufen. Somit auch das Hamburger Landgericht. Es dürfte spannend zu beobachten sein, wie sich das Recht künftig entwickelt und ob wir hierzulande weiterhin von einer weitgefassten Pressefreiheit reden können. Jedenfalls sollte jeder Blogger seine eigenen Interview- und Zitier-Praktiken überdenken, will er derlei juristische Auseinandersetzungen vermeiden.

Was halten Sie von dieser Entwicklung der Pressefreiheit? Sollten Blogger und Journalisten alles grundsätzlicher hinterfragen, weniger zitieren, interviewen oder gar kopieren? Dadurch könnte es immerhin auch spannendere Inhalte geben, die sich vom Copy & Paste-Journalismus unterscheiden oder?

>> Telagonsichelputzer: Kein Interview
>> Spiegel Online: PRESSEFREIHEIT IN GEFAHR. Das Ende des Interviews?

Klaus Eck