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Videos II: Unternehmen und US-Politiker in der Videokritik

In der Krise fällt es Unternehmen oftmals schwer, adäquat auf die Kritik zu reagieren. Es wird erst recht kompliziert, wenn es sich um kritische Videos handelt. Wie soll eine Organisation auf kritische Issues reagieren, wenn diese via Youtube stattfinden? In ihrem "Terminal 5 Song" kritisieren die Musiker von Roguetune die
Pannen-Orgie bei der Eröffnung des neuen Terminal 5 des Londoner
Flughafens Heathrows. Das ist nur eines von vielen Videos, die sich mit den Problemen der Londoner Flughafengesellschaft beschäftigen. In ihrem Youtube-Video zeigt die Band, wie sich das Chaos konkret für die Passagiere auswirkte. Der Sänger läuft mit Unterwäsche durch die Gegend, versucht zu überleben und singt: "Mein
Koffer ist immer noch im Terminal 5".

Die beste Antwort, die Unternehmen auf derlei virale Videos geben können, sollte auf derselben Plattform stattfinden und die Kritik ernst nehmen, selbst wenn sie mit typisch britischen Humor vorgetragen wird.

In den USA müssen die Präsidentschaftskandiaten mit den Amateurwahlkämpfern herumschlagen, über die sie längst keine Kontrolle mehr haben. So wurde Barack Obama von seinen Kritikern angegriffen, weil das "Obama Girl" leicht bekleidet in ihren Songs dem US-Demokraten ihre Liebe gestanden habe und im Hintergrund eines anderen Videos sogar einmal eine
Flagge von Che Guevara auftauchte. Generell ist es Barack Obama immer auf sehr überzeugende Weise gelungen, auf kritische Situationen einzuwirken. Der „schwarze Kennedy“ hatte in seinem Wahlkampf im März enorme Probleme, als auf Youtube Videoclips seines ehemaligen Pastors Jeremiah Wright auftauchten, in denen dieser seiner Trinity-Gemeinde riet, die USA zu „verdammen“. Die Videos fanden sofort ihr Publikum und erregten eine große mediale Aufmerksamkeit, weil der Verschwörungstheoretiker darin sogar meinte, Amerika habe die Krankheit Aids in die Welt gebracht und selbst Schuld an der Katastrophe des 11. September 2001. Der Prediger malte ein klares Feindbild: Schwarz gegen Weiß.

Deshalb musste der farbige US-Präsidentschaftskandidat, der mehr als 20 Jahre der Kirche des Predigers angehörte, sofort mit einer Rede reagieren, in der in seinem Vorwahlkampf erstmals die Probleme zwischen Schwarz und Weiß deutlich ansprach. Das tat er: "Im Gegensatz zu den Behauptungen meiner Kritiker,
schwarz und weiß, war ich nie so naiv zu Glauben dass wir unsere
Rassenkonflikte in einer einzigen Wahl überwinden können, oder mit
einer einzigen Kandidatur – vor allem mit einer so unvollkommenen wie
meiner."

Zu seinem Glück war sein Vortrag auch auf der Videoplattform enorm erfolgreich und erzielt bislang mehr als 4 Millionen Aufrufe:

 

Letztlich haben es die Politiker und Organisationen online nicht leicht, meint Obamas Chefstratege David
Axelrod gegenüber dem Musikmagazin Rolling Stone: "Das Internet hat eine Kehrseite. Hässliche, ungefilterte Dinge
zirkulieren da in unserem Namen im Netz. Und wir müssen mit den Folgen
leben."

>> Spiegel Online: Heathrow-Desaster – weitere Videos
>> Der Westen: Barack Obama und die Rede seines Lebens
>> Süddeutsche Zeitung: US-Wahlkampf im Netz. Es lebe die Videokratie

Klaus Eck