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Seltsame Zukunftsthesen zur Blogosphäre

Der Jetzt.de-Journalist Tobias Moorstedt stellt neun „Thesen zur Blogosphäre“ auf, in denen er leider nicht wirklich der Relevanz und der „Zukunft des Zukunftsmediums“ gerecht wird. Vieles wirkt dabei leider sehr gewollt. Auf die Chancen und die Trends geht er in seinem Artikel nicht wirklich ein. Besonders seltsam und klischeebehaftet wirkt folgende Aussage von Moorsteedt:

„Die Blogosphäre ähnelt eher einem durch Trackback und RSS hochgradig vernetztem Dorf, das gerade durch die Vernetzung und der Zitat-Gegenzitat-Logik eine Illusion der eigenen Relevanz produziert.“

Wie illusionär die eigene Relevanz der Blogger wirklich ist, dürfte dem Jetzt-Autor schon bald durch eine Google-Recherche seines eigenen Namens deutlicher werden. Schließlich tragen Blogs auf nicht unerhebliche Art und Weise zum Erscheinungsbild von Personen im Netz bei. Sie sind längst ein Instrument der digitalen Reputation. Natürlich leiden nicht wenige Blogs unter ihrer Selbstreferentialität und Selbstbespiegelung. Keine Frage. Aber dennoch hat das wenig mit einer Illusion zu tun. Dazu sind die Googlability und das Bloggen viel zu mächtig geworden. Personaler werfen gerne einen Blick ins Internet, um bei einer Jobentscheidung auf Nummer Sicher zu gehen. Deshalb genügt es auch nicht, auf einige prominente Blogger zu verweisen, die in der Medienwelt Karriere gemacht haben:

„So sehr diese Menschen vom Internet profitiert haben und in dieser neuen Welt berühmt geworden sind, so sehr wollen sie aus dem unsicheren und unrentablen Ghetto raus kommen. Schon paradox: Selbst für die Avantgarde des Web 2.0 ist die Stabilität der Mainstream-Medien attraktiver als das ach so zukunftsfähige Internet. Leider haben die Ex-Internet-Stars die Herrschaft ihrer neuen Arbeitgeber zuvor mit ihren Blogs ins Wanken gebracht.“ (jetzt.de – New Blogs On The Kids)

Angesichts der großen Zahl der Blogger ist eine Verallgemeinerung der wenigen Beispiele nun wirklich an den Haaren herbeigezogen. Jedenfalls fühle ich mich in einem weltumfassenden „Ghetto“ mit mehr als 58 Millionen Bloggern durchaus wohl. Rainer Helmes zieht ein nettes Fazit, dem ich mich gerne anschließe: „Nur ein getroffener Hund heult!“

Klaus Eck

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