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Blogs – die wirklichen "neuen Medien“

Während sich hierzulande die meisten Blogger an den klassischen Medien orientieren und diese regelmäßig verlinken, ist in den USA eine spannende Entwicklung zu beobachten, die den Medienhäusern nicht unbedingt gefallen dürfte. Je mehr Qualität Blogangebote aufweisen, desto attraktiver ist es, diese zu lesen und darauf auch zu verlinken. Die Gewissheit, dass journalistische Qualität nur in herkömmlichen Medienangeboten zu finden ist, erweist sich zunehmend als obsolet, zumal Qualitätsjournalismus nicht in jeder Publikation zu finden ist. Die Zahl der alternativen, qualitativ beachtlichen Blog-Angebote wächst jedenfalls. Das ist im deutschsprachigen Raum ebenfalls zu beobachten.

Das hämische Wort von "Laienjournalismus", welches von den Medienprofis hierzulande noch häufig zu hören ist, dürfte auf die Urheber zurückschlagen, wenn diese sinkende Aufmerksamkeit und Abrufzahlen für ihre Online-Publikationen zu spüren bekommen. Selbst "User Generated Content" klingt in meinen Ohren seltsam. Wie unterscheidet sich denn eigentlich die Arbeit eines gut schreibenden Onliners von der eines Journalisten? Viele Leser dürften diesen Unterschied kaum noch bemerken.

Im Kampf um die Eye-balls geht es eigentlich nur um die journalistische Qualität. Denn die Leser achten in der Regel nicht darauf, "wer" einen qualifizierten oder unterhaltsamen Inhalt ins Internet gestellt hat. Es geht vielmehr um das "Was". So schreibt auch der PageTurner, dass sich die Blogs in der englischsprachigen Hemisphäre von "ihren bisherigen Rohstofflieferanten, den klassischen Medienunternehmen", zu emanzipieren beginnen und auch "die nackte Information an und für sich als Wertschöpfungsstufe" integrieren.

Als Beispiel führt er das politische Blog "The Huffington Post" an, welches künftig direkt über den amerikanischen Kongress und den kommenden US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 berichten will und dazu eine eigene Redaktion aufbaut:

“Now is the time to generate our own original content,” Ms. Huffington
said. “It was always our intention, once we had the money, to hire
people to do reporting.” ( NYT)

Immerhin erzielt das im Mai 2005 gelaunchte Blog bereits mehr als 2,5 Millionen Unique Visitors jeden Monat. Längst ist das Polit-Blog "The Huffington Post" als neue Medienmarke etabliert, kann sich zum Teil über Anzeigen refinanzieren und verfügt auch über rund 5 Millionen US-Dollar Wagniskapital der Softbank Capital. Von einer reinen Zweitverwertung von Content kann nicht mehr die Rede sein. Wodurch unterscheiden sich derartige Blogs dann noch von "alten" Medienangeboten? In gewisser Weise agieren Blogs, die ein solches Kaliber haben, längst als "neue Medien".

>> The New York Times: Huffington Post Will Add Original Reporting to Its Blog

Klaus Eck

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