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Blogger Relations und Crowdsourcing richtig umsetzen

Blogger als authentische Markenbotschafter gewinnen und die Crowd nutzen, um frischen Wind in verstaubte Unternehmensstrukturen zu bringen – viele Unternehmen haben diese Potenziale bereits erkannt. Dabei vergessen sie leider oft, dass neue Akteure auch ein neues Verständnis von Zusammenarbeit erfordern.

Was Blogger antreibt

Blogger und ihre Community sind begehrt. Auch andere Influencer wie YouTuber gewinnen als Markenbotschafter an Wert. Um sie zu erreichen, greifen Unternehmen leider allzu oft auf vertraute Vorgehensweisen aus der PR zurück oder versuchen, Meinungsmacher zu kaufen. Zwar machen 78 Prozent der Blogger bis zu 500 Euro Gewinn im Monat, zu ihrem zeitintensiven Hobby dürfte sie das aber kaum verleiten. Dass es erfolgreichen Bloggern meist nicht um Geld geht, sondern um die Liebe zu ihrem Fachgebiet und dem Bedürfnis, ihre Erlebnisse zu teilen, vergessen Unternehmen häufig. Ein lesenswerter Beitrag hierzu stammt von Robert Basic, der ein Plädoyer für das Bloggen aus Leidenschaft verfasst hat.

Blogger sind keine Journalisten

prblogger_1Wer nun allerdings denkt, er gewinnt Blogger mit einer Einladung zur Pressekonferenz und einer schönen Pressemappe, der wird feststellen müssen, dass Blogger keine Journalisten sind. Sie publizieren in keiner renommierten Zeitung, sondern schreiben für ein persönliches Blog. Das jedoch muss erst eine Leserschaft generieren, halten und vergrößern. Dessen müssen sich Unternehmen bewusst sein, wenn sie erfolgreich Blogger Relations betreiben wollen. Unternehmen möchten schöne Artikel und eine möglichst große Reichweite, Blogger möchten spannende, einzigartige Einblicke und Themen – aus eigenem Interesse und um ihre Reichweite zu verbessern. Letzteres ist wiederum für Unternehmen vorteilhaft. Eine „Win-Win“-Situation sozusagen. Unternehmen müssen etwas bieten, worüber Blogger gerne schreiben und ihre Abonnenten gerne lesen. Einblicke und Erlebnisse, die nicht jeder kaufen kann; Events, exklusive Blicke hinter die Kulissen, Produkte im Entwicklungszustand. Natürlich kommt es da auf die Marke, das Produkt und die Zielgruppe an. Ein paar Best Practice-Beispiele für erfolgreiche Blogger Relations hat Kristijan Juric zusammengefasst.

Crowdsourcen = Outsourcen?

So, wie Unternehmen meist erfolglos versuchen, Blogger in vertraute Schubladen zu stecken, halten sie auch Crowdsourcing oft nur für eine neue externe Dienstleistung. Doch auch die Crowd kann man nicht einfach instrumentalisieren, indem man sie dazu aufruft, unliebsame Aufgaben zu erledigen, die man möglichst unkompliziert und kostengünstig auslagern möchte. Ziele des Crowdsourcings sind häufig, etwas Neues zu kreieren, Probleme zu lösen, Kunden aktiv Teil der Marke werden zu lassen und sich als Unternehmen weiterzuentwickeln. Die Crowd ist eine riesige Ressource an Kreativität, Wissen und Arbeitskraft. Um sie erfolgreich einzusetzen, braucht man nicht nur ein gutes Projekt, sondern auch geeignete Anreize.

Ihre Crowd, das unbekannte Wesen

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, zu wissen, was die eigene Crowd zur Teilnahme bewegt.

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  • Geld: der Klassiker. Viele Teilnehmer führen jedoch zu hohen Kosten oder – bei geringer Vergütung – zu niedriger Qualität. Generell gilt aber: Erfordert die Teilnahme viel Eigenleistung, macht eine angemessene Aufwandsentschädigung Sinn. Wird ein hoher Gewinn durch das Projekt erzielt, sollten die entsprechenden Teilnehmer für ihren Beitrag bzw. die implizite Überlassung des Urheberrechts entsprechend entlohnt werden.
  • Content: Interessante Projekte und herausfordernde Aufgaben reizen und sorgen für mehr Engagement.
  • Spaß: Ein Spiel mit hohem Spaßfaktor garantiert zwar gute Teilnehmerzahlen, ist aber nur selten und in wenigen Branchen umzusetzen.
  • Community: Soziale Interaktion, das Ansehen innerhalb der Entwickler-Community und das Gefühl, Teil von etwas zu sein, dessen Werdegang man direkt beeinflussen kann, ist meist als ergänzendes Element sehr wichtig.
  • Eigennutz: Gerade in der Zusammenarbeit mit Kunden geht es oft darum, Bedürfnisse zu stillen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ein Produkt nach ihren Wünschen zu verbessern.

Für ein erfolgreiches Projekt müssen Sie Zeit investieren und sich intensiv mit der Thematik befassen: Wer ist Ihre Crowd? Warum wenden Sie sich an die Crowd und wie fließen die Beiträge der Crowd in den Unternehmensprozess ein? Was haben die einzelnen Teilnehmer davon? Was wollen Sie als Unternehmen erreichen?

Nur wer wagt, kann auch gewinnen

Blogger Relations und Crowdsourcing – zwei Konzepte, die nicht neu sind und sich auf den ersten Blick auch nicht gleichen. Dennoch erfordern beide ein Umdenken in Unternehmen:

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  • „Copy & Paste“ funktioniert nicht: Blogger sind keine Journalisten, die Crowd ist kein Dienstleister und beide wollen auch nicht so behandelt werden.
  • Nur wer selbst begeistert ist, kann andere begeistern: Zeigen Sie als Unternehmen, dass Sie die neuen Akteure ernst nehmen und bieten Sie ihnen spannende Projekte.
  • Ergebnisse kann man nicht kaufen: Klare Regeln und Rahmenbedingungen sind essentiell, damit die Zusammenarbeit klappt. Wer allerdings die volle Kontrolle haben will, muss sich von beiden Konzepten verabschieden. Sonst gibt es im besten Fall langweilige Beiträge, die keiner liest und im schlechtesten Falle einen großen Reputationsschaden.

 

Bildquelle: Shutterstock