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Daten: Das neue Öl der Wirtschaft

Das Internet wäre ohne verfügbare Daten ein kleines verschlafendes Dorf in Südfrankreich. Dort lässt es sich vortrefflich leben, abgeschieden von all den Dingen, die in der Welt und im Netz passieren. Es interessiert nur den direkten Nachbar und die Dorfgemeinschaft, was man denkt, wie man lebt und welchen Beziehungsstatus man gerade einnimmt. Im Internet sieht es dagegen aus wie in Manhattan oder Shanghai. Unglaublich viele Informationen sind mittlerweile verfügbar. Die Menge an Daten wächst explosionsartig an. Verantwortlich hierfür ist die zunehmende Digitalisierung in Unternehmen, aber auch Social Media. Die Menge der Unternehmensdaten, so eine Zahl von Gartner aus dem Jahr 2009,  werde in den kommenden fünf Jahren um 650 Prozent steigen.

In Deutschland rechnen 44 Prozent der Unternehmen ebenfalls mit exponentiell wachsenden Datenvolumen. Die immer detaillierte Erfassung individueller Kundendaten und deren Analyse nimmt hierbei den größten Anteil ein. (Quelle: Steria-Mummert)

Wunderbar nutzen kann man Daten also für die Werbung und genau dieses Thema trifft einen wunden Punkt in der Gesellschaft. Gesammelt werden Daten zum Beispiel für eine besondere Form der direkten Kundenansprache, dem Re-Targeting. Ein User, der in dem gesamten Prozess anonym bleibt und nur seine soziodemografischen Merkmale hinterlässt, interessiert sich zum Beispiel in einem Shop für ein Fahrrad und besucht anschließend eine andere Seite im Netz, die nichts mit Fahrrädern zu tun hat. Doch auch dort wird er Dank Re-Targeting gefunden und mit genau dem Fahrrad umworben, dass er sich vor kurzem in einem anderen Shop angeschaut hat. Als Stalking-Attacke der Online-Werber wird diese Variante des Targetings derzeit in den Medien scharf diskutiert.

Matthias Schrader ©nextconfDie Verfügbarkeit von Daten, die Aufbewahrung und Sicherung unserer Profile ist etwas, was uns Angst macht. Nicht nur Konsumenten treibt die Angst um, auch Unternehmen, die sich um die Sicherheit der Daten kümmern müssen. Deshalb ist es lobenswert, dass sich die next11 in diesem Jahr diesem komplexen Thema annahm. Laut Matthias Schrader, CEO SinnerSchrader, der auf der next11 in Berlin einen äußerst sympathischen und authentischen Einführungsvortrag zur Thematik ‚Data Love‘ hielt, ist im Internet “The next big thing: Data“. Daten sind das neue Öl der Wirtschaft. Mit Hilfe von Daten lassen sich neue Prozesse in Gang setzen, Menschen können sich rund um den Globus austauschen, informieren und mitdiskutieren. Matthias Schrader beschrieb den Weg von Data 1.0 zu Data Networks. Networks, die den Konsumenten einbinden, ihn teilhaben lassen an der Gestaltung und an der Entwicklung. Empower Consumers with your Datas! Lasst sie entscheiden, ob sie teilhaben wollen oder nicht. Eine Aussage, die in Anbetracht der nachfolgenden Zahl nicht jedes Unternehmen dazu ermuntern wird: 60 Prozent aller Bundesbürger würden am liebsten ihre Daten im Internet komplett löschen.

Wenn wir zu einem Data Network kommen wollen, dann muss die Speicherung von Daten transparent gehandhabt werden. Nur so lassen sie sich austauschen und neues untereinander und miteinander entstehen. Und auch Andrew Keen hat in seinem recht kritischen Vortrag den Umgang mit Daten in den Mittelpunkt gestellt: „Wenn Daten das neue Öl der Wirtschaft sind, dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir damit umgehen.“

Unternehmen stehen also vor enormen Herausforderungen, wenn sie das neue Öl der Wirtschaft langfristig und nachhaltig nutzen möchten. Datenschutzbeauftragte werden sich noch intensiver um die Sicherheit der Kundendaten kümmern müssen. Sie müssen aber auch Schnittstellen schaffen, die ein Data Networking zulassen, um den User zum Beispiel zu entlasten. Diese Schnittstellen müssen von Konsumenten transparent nachvollzogen werden können, sonst läuft man Gefahr, dass sich Konsumenten von vielen Diensten wieder verabschieden, ihre Cookies täglich löschen oder manche Webseiten einfach nicht mehr besuchen werden. Das Dorf in Südfrankreich wünscht sich so mancher Konsument nach einer Stalking-Attacke zurück, komplett zurückdrehen lässt sich das Rad jedoch nicht mehr.

Bilder: ©nextconf