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Münchner Webwoche: Die digitale Szene Münchens

Die Münchner Webwoche ist eines der größten, jährlichen Digitalevents in München. Vom 19. bis 28. April zeigen Unternehmen, Organisationen, Vereine und Verbände, Freischaffende und Künstler, welches digitale Potential der Standort bietet. Partner und Unterstützer sind die Landeshauptstadt München, die IHK und über 60 Verbände, Netzwerke und Firmen. 

Als Medienpartner lädt Sie d.Tales dazu ein, die digitale Szene Münchens näher kennenzulernen. Wolf Groß ist einer der Initiatoren der Münchner Webwoche und Geschäftsführer der Isarnetz GmbH. Zudem ist er Lehrbeauftragter und Professor für Medien, Markt- und Werbepsychologie, Interaktion Design, Digital- und Neuromarketing. Im Interview mit dem PR-Blogger erläutert Wolf Groß einige Hintergründe zur Münchner Webwoche.

Warum sollte jemand auf die Münchner Webwoche gehen?

Dafür gibt es mindestens 40 Gründe. Die Wichtigsten: Nirgends sonst kann sich jemand so schnell einen Überblick über in die Münchner Digital- und Kreativszene verschaffen. Es gibt spannende Events zum Netzwerken, Diskutieren und Mitmachen. Egal ob Blockchain Technologie, Agiles Arbeiten oder Einblicke in die Münchner Blogger Szene: Für jeden digitalen Geschmack ist was dabei.

Spannende Themen gibt es beim zweiten Münchner Digital Dialog. Hier diskutieren ein Disruptor, ein Start-up und ein Marktführer über digitale Geschäftsmodelle. Insgesamt sind es mehr als 40 Veranstaltungen, die einen Einblick in die Vielfalt der Szene in München geben.

Wie ist die Münchner Webwoche organisiert?

Die Münchner Webwoche ist ein Kooperationsprojekt von über 60 Netzwerken, Institutionen, Vereinen und Firmen organisiert von Isarnetz. Das Isarnetz besteht aus dem Verein Isarnetzwerk und einer GmbH. Die Hauptarbeit macht das Orgateam der Münchner Webwoche, ein Team von Ehrenamtlichen.

Was sind die spannendsten Themen auf der Münchner Webwoche?

Klar, es gibt spannende Themen wie die Blockchain Technologie, die die Medienbranche und auch das gesamte Internet verändern (Stichwort, verteilte Datenbanken, intelligente Verträge etc.). Weiterentwicklungen von Virtual Reality durch Open Source werden immer wichtiger, auch wenn das bei der „Digital Community“ eine gewisse Ernüchterung auslöst.

Spätestens seit dem Facebook Skandal mit Cambridge Analytica und der Überschwemmung der sozialen Netzwerke mit Hassposts, dem Social Scoring System mit dem jetzt in China in großem Stil experimentiert wird, wird deutlich, dass es nicht nur darum gehen kann mit der Digitalisierung in Deutschland – in Bayern – schneller voranzukommen, sondern auch zu diskutieren. Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um die digitale Zukunft zu schaffen, die wir uns wünschen?

Ein interessantes Projekt ist meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang die Holochain Technologie. Ziel ist es dezentralisierte Brücken zum zentralisierten Web zu schlagen. Die Kontrolle über die Daten soll dabei wieder zurück an die Nutzer gehen und man will die heute gewöhnlichen Konsens-Modelle demokratischer gestalten.

Beim Münchner Digital Dialog am 25.4 im SCE – unserer Hauptveranstaltung – treffen mit Christoph Weigler (Deutschland Chef von Uber,) Jens Monsees (Leiter Digitalisierungsstrategie bei  BMW) und Veronika Riederle, Gründerin eines Münchner Tech Start-ups ein Disruptor, ein etabliertes Unternehmen und ein Start-up aufeinander und diskutieren mit den Besuchern und Dirk von Gehlen (SZ) und Prof. Gudrun Sacher (Informatik Prof. an der Hochschule München) die Gestaltung Bayerns digitale Zukunft.

Was unterscheidet die Münchner Webwoche von anderen Digital-Veranstaltungen?

Die Münchner Webwoche lebt von ihren Partnern und Unterstützern. Sie ist Kooperationsprojekt und dezentraler Digitalkongress. Gerade die Vielfalt der Unterstützer – Unternehmen, Verbände, Vereine, Programmierer, Medienschaffend, Star-ups usw. – macht auch ein breites Themenspektrum möglich. Das kann sonst keine Digital Veranstaltung leisten. Im Gegensatz zu Kongressen und Messen führt die Webwoche die Besucher in die Räume der teilnehmenden Firmen. Netzwerken ist somit nachhaltiger.

Was bedeutet Digitale Transformation für Dich?

Da gibt es sehr viel zu sagen. Ich will zwei Dinge herausgreifen.

Die digitale Zukunft kommt nicht überraschend. Wir können und müssen auf sie einwirken. Wir müssen unsere Zukunft selbst gestalten. Für mich hat digitale Transformation sehr viel mit Werten zu tun. Rücksichtslose Geschäftemacherei, systematische Kundenabzocke, wie beim Dieselskandal, hierarchische Führung à la Patron: So kann digitale Transformation nicht gelingen. Meiner Meinung nach bietet das Graves Value System sehr wichtige Anregungen.

Ungeordneter Pluralismus und komplexe Probleme, wie etwa globale Ökologie, sich zusehends rascher entwickelnde Technologien, die Klima-Katastrophe, aber auch die neuen antidemokratische, nationalistische Bewegungen können als Reaktion eine neue Stufe im Wertesystem mit multiperspektischem „Big Picture“-Denken, Toleranz,  Vernetzung und flexiblen Handeln, selbstorganisierte Teams, eine Unternehmenskultur des Vertrauens  möglich machen.

Digitaler Wandel – ja auch Transruption à la Uber – kann seine Kehrseiten haben:  Wer versucht „Neues zu verhindern um Altes zu retten“, macht am Ende beides kaputt.

Auch wenn Digitalisierung schon fast zu einem Schlagwort verkommen ist: Man kann nicht oft genug darüber reden. Je nachdem, wen man fragt, bekommt man einen anderen Blickwinkel. Wer aus dem Marketing kommt, schaut auf die digitalen Kommunikationskanäle und Social Media. Wer aus der Industrie kommt, meint das Internet der Dinge und Cloud Computing. Berater sehen hier die Echtzeit Ende-zu-Ende-Prozesse. Für manchen Politiker ist es vielleicht immer noch Neuland. Es gibt so viele Facetten.

Vor allem aber sind die Debatten über Digitalisierung häufig einseitig: Entweder schwarz oder weiß. Ich möchte möglichst viele Aspekte beleuchten. Vor allem möchte ich über Chancen und Risiken sprechen und für eine neue Ethik im Umgang mit der Digitalen Transformation kämpfen.

Wie stark sind die Unternehmen in Bayern in der Digitalisierung?

Wir sind gut, aber noch nicht ausreichen aufgestellt. Firmen, Initiativen, Hochschulen, Verbände, Startup Center, Wirtschaftsförderer, Landräte, viele machen einen Wahnsinns-Job. Von Region zu Region gibt es aber große Unterschiede. Die Wirtschaft in Bayern boomt, aber meist noch analog und die Zukunft ist digital. Das Isarnetz macht gerade eine Studie zur digitalen Transformation in der Metropolregion München.

Es ist Wahnsinn, wie viele tolle Projekte und Initiativen es in Bayern gibt. Firmen die mit großen Schritten voranschreiten. Deutlich werden aber auch Gegensätze und Herausforderungen, große Probleme in der Infrastruktur oder Firmenleitungen, die vor lauter Tagesgeschäft Ihre Hausaufgaben nicht machen. In der Region herrscht auch oft Fachkräftemangel.

Die Autoindustrie ist eine Schlüsselindustrie in Bayern. Für viele ist es lebenswichtig, dass BMW, Audi und andere Firmen im Mobilitätsbereich den digitalen Wandel  und auch den Wandel der Mobilität viel entschlossener angehen.

Berlin und Hamburg gelten immer als Hochburg der Start-ups. Viele Social Media Agenturen sind dort zu finden. Wie wichtig ist München in dieser Hinsicht eigentlich?

Ich bin zu selten in Hamburg und Berlin, um wirklich fundierte Einschätzungen zu geben. Da sind wir wieder beim Thema: Was ist eigentlich Digitalisierung? In Sachen Kommunikation stimmt es, da sind Berlin und Hamburg weiter.

In Bereichen wie IoT und Finance ist München stärker. Das liegt unter anderem auch an der guten industriellen Basis in München. Wichtig zu nennen sind hier Bereiche wie Automotive und Insurance. Als größter Versicherungsstandort Deutschlands profitiert München natürlich auch von der Digitalisierung. Zusammen mit den Universitäten und der Förderung durch den Freistaat bilden die Industrien einen idealen Nährboden für Start-ups aus diesen Bereichen.

Haben die Entscheider weniger digitale Angst? Sind sie mutiger bei der Digitalisierung geworden?

Es braucht auf der einen Seite forsches Vorangehen, aber eben auch Reflexion, nicht jedem Versprechen des Silicon Valleys hinterherzulaufen. Rechte und Freiheiten sollten auch im digitalen Raum geschützt werden. Eine für manche zu sehr Schwarz malende, aber sicher mahnende Veranstaltung dazu gibt es an der FOM am 27.4. „Der Weg zur digitalen Knechtschaft – Schwarzmalerei oder realistische Perspektive“:

„Bereits im Jahr 1944 warnte Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek in seinem nach wie vor lesenswerten Werk ‚Der Weg in die Knechtschaft‘ davor, dass eine zentrale Kontrolle politischer und wirtschaftlicher Prozesse zu einer massiven Freiheitseinschränkung für die Bürger führen würde. Eine mögliche neue Digital Diktatur“  schreibt die Hochschule in Ihrer Veranstaltungsankündigung weiter „würde sogar den früheren sozialistischen ›Arbeiter- und Bauern-Staat‹ ‚DDR‘ noch als Hort der Freiheit erscheinen lassen, die Digitaldiktatur ist eben noch viel tiefgreifender lenkend und überwachend als die früheren Analogdiktaturen. In dem Regime eines Erich Honecker und Erich Mielke konnten sich die Menschen nämlich noch verstellen.“

Worüber sollten wir auf der Münchner Webwoche unbedingt diskutieren?

Das Thema Digitalisierung beschäftigt nicht nur IT-Experten und Techniker. Die Digitalisierung verändert unser Leben so massiv, dass wir auch über ethische Leitlinien für das Thema brauchen. Stichwort künstliche Intelligenz: Wenn Maschinen künftig schlauer sind als wir, sollten wir uns die Frage stellen, was uns als Menschen ausmacht.

Vielen Dank, lieber Wolf Gross.

Die Veranstaltungen der Münchner Webwoche im Überblick.

 

Bildquellen: MÜNCHNER WEBWOCHE