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Als Botschafter bei der Deutschen Telekom arbeiten

Pawel Dillinger bezeichnet sich manchmal als Chief Magenta Evangelist (CME) und lebt seine Leidenschaft für die Deutsche Telekom in der digitalen wie analogen Öffentlichkeit aus. Es gibt nur wenige Paradiesvögel bei der Telekom, die so sehr auffallen wie er, vermutlich auch, weil er häufig und gerne magentafarbene Kleidung trägt.

Früher war er bei T-Mobile Produkt- und Vertriebstrainer, dann bei T-Systems Account Manager für Mobilfunk und beim Technischen Service Senior Experte für Privatkunden. Seit 2015 ist er bei der Telekom Deutschland im Programm Social Media Business tätig. Im Interview erläutert Dillinger, warum er stolz auf seinen Arbeitgeber ist und was ihn als Corporate Influencer antreibt.

Pawel Dillinger Magenta Mission

Welche Rolle hast Du bei der Deutschen Telekom?

In unserem Social Intranet „You and Me“ (YAM) werde ich oft mit drei „Titeln“ in Verbindung gebracht: Botschafter der Deutschen Telekom, Chief Magenta Evangelist (CME) und Chief Content Officer (CCO). In unserer Abteilung Social Media Business leben wir „Anders Arbeiten“ vor und setzen vielfältige Impulse mit unseren Menschennetzwerken in die gesamte Organisation.

Ich unterstütze beim Aufbau des Telekom Botschafter Netzwerkes und habe den Hashtag #werkstolz wie kein anderer im gesamten Konzern geprägt. Darüber hinaus verstehe ich mich als Paradiesvogel, der nicht immer macht, was er soll. Ich sehe mich als kreativen Influencer mit einer großen Reichweite, der Themen setzen und Diskussionen anfeuern kann.

Welche Bedeutung hat die Farbe Magenta für Dich? Auf Fotos sehe ich Dich doch sehr häufig in diesem Farbton.

Magenta ist für mich mehr als eine Farbe. Mit der Farbe habe ich bereits als einer der ersten im Business-Umfeld von T-Mobile als Produkt- und Vertriebstrainer gespielt. Heute ist das selbstverständlich geworden. So haben wir z.B. einen Markenchef mit  www.LoveMagenta.com und natürlich unseren CEO bei T-Mobile, John Legere. Ich sehe mich als Vorreiter und Pionier bei dem Thema Magenta. Ich freue mich aktuell, dass mein Engagement mittlerweile so weitreichende Verbreitung hat. Als Ehrenbürger von Magenta (einer Stadt in Italien) bin ich immer unterwegs, um neue Magenta-Trends aufzuspüren.

Pawel Dillinger & John Legere

Warum bist Du ein Markenbotschafter geworden?

Vor knapp drei Jahren habe ich einen Blogbeitrag mit folgender Überschrift geschrieben: “Ich suche 333 Markenbotschafter”. Die Resonanz war überwältigend. 786 Kolleginnen und Kollegen haben das damals kommentiert.

Jeder bekam von mir ein Telekom Botschafter Starterpaket mit Aufkleber und Autogrammkarte. Seither werde ich hier und da als „Markenbotschafter“ tituliert, ich nenne mich aber lieber selbst Telekom Botschafter, da alles, was mit „Marke“ zu tun hat, Chefsache ist.

Wie bringst Du andere dazu, an Eurem Markenbotschafterprogramm teilzunehmen?

Seitdem ich 2008 als Service Star mit KeyNotes („Magenta Akzente“) über meine Servicerezepte mit viel positivem Feedback unterwegs war, nutze ich jede Gelegenheit, um jeden, von Führungskraft bis zu „normalen Mitarbeitern“ Magenta Energie zu entlocken und zu entfesseln. Das gelingt nicht immer, aber meistens. Ich habe festgestellt, dass wir alle stolz sind auf das, was wir tun und auf unser Unternehmen. Dieses Selbstverständnis soll, kann und muss nach innen und außen getragen werden. Der einfachste Weg ist für mich ein Aufkleber oder andere Magenta Goodies.

Was machen Markenbotschafter für die Telekom?

Es gibt keinen offiziellen Titel als Telekom Markenbotschafter. Jeder, der Lust und Energie hat, kann sich bei unserem Menschennetzwerk mit einer Präsenz in unserem Social Intranet „You and Me“ (YAM) melden und bei Aktionen unterstützen. Wir haben uns vorgenommen, die Unternehmenswahrnehmung positiv zu beeinflussen, Kunden einfach zu helfen, auch Absätze zu steigern und vor allem unsere eigenen Kollegen zu motivieren.

Auf Twitter sind Telekom Botschafter sichtbar, die sehr extrovertiert sind und gerne ihren #werkstolz nach außen tragen. Mir ist aber wichtig anzumerken, dass wir auch viele Kolleginnen und Kollegen im Konzern haben, die mit Stolz ihren Unternehmensausweis tragen und mehr nicht.

Natürlich sind die „verrückten Telekom Botschafter“ mehr in den sozialen Medien zu sehen. So helfen wir beispielsweise seit Jahren bei der Bonner Weihnachtsfeier als Twitter-Ritter und Engel, um das Event nach innen und außen über unsere Telekomwalls zu transportieren.

Mittlerweile werden wir auch angefragt, um beispielsweise eine Pressekonferenz „Social-Medial“ zu begleiten. Darüber hinaus entwickeln wir aktuell ein Konzept für „Werkstolz Consulting“. Mit diesem Angebot wollen wir noch aktiver Menschen und Bereiche im Konzern beraten und unterstützen, um unsere Themen sichtbar zu machen und zu fördern. Aktuell verleihen wir vor allem Fotorequisiten, um Events in Magenta zu pimpen.

Pawel Dillinger #werkstolz

Weshalb sollte jemand den Telekom Botschaftern folgen. Was erwartet Kunden auf Twitter beispielsweise bei Dir?

Wir geben beispielsweise mit Twitter-Schulungen oder unserem Social Media Knigge Leitplanken und damit eine professionelle Orientierung. Wer sich die Tweets und Posts anschaut, der merkt schnell, dass hinter den Accounts echte Menschen stecken, die Meinung und Überzeugung kundtun. Es war noch nie so leicht konzernweit Ideen, Bezugsquellen und Tipps zu teilen. Das YAM und die Telekomwalls machen das möglich. Aus meiner Sicht ein klarer Wettbewerbsvorteil, da wir in diesem Umfeld bereichsübergreifend aktiv sind. Die Schnelligkeit und Schwarmintelligenz fasziniert mich immer wieder. Jeder Konzernlenker und jeder Führungskraft sollte dieses Potenzial nutzen und unterstützen, denn letztendlich trägt es zum Erfolg bei. Das Thema Digitalisierung ist dabei nur eines von vielen.

Was macht einen guten Telekom Botschafter aus?

Ein guter extrovertierte Telekom Botschafter ist laut, kreativ und selbstbestimmt. Er hat Spaß am Umgang mit sozialen Medien, ein hohes Kommunikationsbedürfnis und strotzt vor Energie und Tatendrang. Das, was er früher als stolzer Mitarbeiter am Stammtisch im Restaurant oder in der Kneipe erzählt hat, überträgt er jetzt in die soziale Welt. Man muss im nicht sagen was er tun soll, sondern er macht einfach. Ein guter introvertierter Telekom Botschafter kennt die Stärken seiner Firma und bietet immer und gerne seine Unterstützung an. Der liebt nicht die lauten Magenta Töne, sondern lieber das ruhige Gespräch zu „Family For Friends“-Tarifen oder unserer Glasfaserausbaustrategie. Er hat viel Fachwissen und ist stets neugierig, mehr über aktuelles zu erfahren. Das Absenden von Nachrichten ist nicht sein Stil.

Darüber hinaus gibt es noch viele andere Aktionen bei der Deutschen Telekom. Was versteht man unter den Guides?

Bei der Deutschen Telekom gibt es viele unterschiedliche Menschennetzwerke. Neben #DieLehmschicht bröckelt (Führungskräfte-Community) und #Develover (IT-Entwickler) sind die #DieGuides („Mach den Unterschied!“) das „älteste“ Menschennetzwerk, das durch Social Media Business aufgebaut wurde. Intrinsische Motivation ist der (An-)Treiber von Mitarbeitern zum #AndersArbeiten. Die über 350 Guides sind Vorreiter von “Anders arbeiten”, einer neuen transparenten und partizipativen Arbeitskultur. So fördern wir das Vernetzen von Wissen & Informationen und das gemeinsame Arbeiten in Communities. Der digitale Wandel erfordert ein grundsätzliches Umdenken bei allen. Die Guides unterstützen eine Haltung, die durch Offenheit und den Willen geprägt ist, Arbeitsergebnisse zu teilen, denn das ist essentiell für die Arbeit der Guides.

Was tut die Deutsche Telekom für ihre Botschafter? Wie wirst Du unterstützt?

Social Media Business ist meine Base-Camp für meine Aktivitäten. Erst hier habe ich ganz persönlich nach 16 Jahren arbeiten im Konzern ein Team gefunden, das „#AndersArbeitet“. Ohne diese Schirmherrschaft hätte es viele Entwicklungen nicht so gegeben. Letztendlich ist es auch das Ergebnis vom Privatkunden-Chef Michael Hagspihl, der Programmsponsor ist.

Mittlerweile gibt es an vielen Stellen im Konzern Bewegungen, die auf unsere Ziele einzahlen. Unsere wichtigstes DNA-Merkmal ist die intrinsische Motivation, d.h. wir engagieren uns nicht, weil gerade jemand sagt „mach“ dies oder das, sondern weil wir es selbstbestimmt wollen und wir dabei noch Spaß haben.

Was darf ein Markenbotschafter bei der Deutschen Telekom tun?

Jeder Telekom Botschafter, der aktiv werden will, sollte sich seiner Wirkung nach innen und außen bewusst sein. Vor allem die Akzeptanz des Social Media Knigge ist eine wichtige Voraussetzung für „reibungsfreies Wirken“. Grundsätzlich gilt es ein hohes Vertrauen in die eigenen Telekom Botschafter zu setzen und folgendes Motto zu proklamieren: Manchmal ist es klüger, nachher um Entschuldigung zu bitten, statt vorher um Erlaubnis.

Warum sollten Mitarbeiter darüber nachdenken, selbst Markenbotschafter für ihr Unternehmen zu werden?

Wenn sich jemand berufen fühlt, über seinen Arbeitgeber zu kommunizieren, dann sollten wir diese Kolleginnen und Kollegen ermutigen, unterstützen und begleiten. Der Wert von diesem Beitrag eines Einzelnen und einer ganzen Masse von Telekom Botschafter für das Unternehmen kann heutzutage noch nicht berechnet werden. In jedem Fall wirkt es und wird in der Zukunft weit mehr wirken als viele unserer offiziellen Kommunikationsmaßnahmen (Werbespots, Marketing).

Wie reagieren Kollegen, Bekannte und Freunde auf Deine Leidenschaft für die Deutsche Telekom?

Ich finde es immer wieder amüsant, wenn ich beispielsweise gefragt werde, was „man mir denn zahlen würde“, wenn ich im Magenta TuTu bei einer Weihnachtsfeier Fotos mache. Hey, ich mache es, weil es mir Spaß macht, ich es kann und mit den Fotos anderen Kolleginnen und Kollegen Freude bereite. Die Vorstellung, dass ich als Telekom Botschafter für Tweets oder Postings im YAM bezahlt werde ist absurd. Ich bin kein Auftragstäter, der Content schafft, weil man es mir sagt. Ich lasse mich aber gerne als Influencer einspannen, wenn das Thema mir gefällt und ich ein paar gute Ideen zu entwickeln kann.

Pawel Dillinger

Was willst Du langfristig erreichen?

Für unsere Telekom Botschafter wünsche ich mir mehr offizielle Zeit zum Wirken. Eine 80/20 Regelung ist längst überfällig. Nur wenn Mitarbeiter, die in festen Arbeitsstrukturen stecken (Kundenservice, Telekom Shop) mehr Freiheiten haben, dann können sie mit beispielsweise 20% ihrer Zeit für Telekom Botschafter Aktivitäten wirken. Die daraus resultierende Kraft wird enorm sein.

Ich bekomme gelegentlich Feedback aus dem Vorstand und würde mir wünschen, noch mehr direkt in den vorhandenen Lehmschichten des Konzerns zu wirken. Ein Mandat kann ich aber nur „von oben“ bekommen.

Darüber hinaus würde ich gerne Jobvisit bei John Legere machen, den ich im Februar 2017 persönlich in Deutschland kennenlernen durfte.

Was würdest Du anderen Unternehmen raten, die selbst überlegen, ein Markenbotschafterprogramm aufzusetzen?

Schau Dir die Menschen in Deinem Konzern an, suche nach den Querdenkern, die polarisieren, aber auch nach ruhigen Zeitgenossen, mit Kraft zum aktiven Gestalten. Denke nicht daran diese Zielgruppe mit einem Auftrag, mit Posten oder Geld einzufangen, Du kannst nur die besten und authentischsten Markenbotschafter gewinnen, wenn sich diese intrinsisch motiviert bei Dir melden.

Man muss als Unternehmen ein Umfeld schaffen, wo solche Markenbotschafter sich wohl fühlen. Wo sie sich ermutigt fühlen, sich kritisch aber konstruktiv auszutauschen und zu äußern. Bei der Telekom kam es zum Quantensprung durch die Einführung des Social Media Intranet (YAM) und das Aufstellen von über 100 Telekomwalls deutschlandweit. Die Menschen, die man sucht, sind echt und nicht gekauft. Sie sind Selbstläufer ohne Hierarchiedenken und bilden in ihrer Gemeinschaft ein kraftvolles Menschennetzwerk.

Vielen Dank für das Interview!

 

Bildquelle: Pawel Dillinger

Disclaimer: Die Deutsche Telekom ist ein Kunde von meinem Unternehmen d.Tales GmbH. Mit diesem Projekt haben wir jedoch nichts zu tun gehabt.

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