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Warum das Corporate Blogging besser als Facebook ist

„Vergessen Sie Facebook“, ist mein Ratschlag in so manchen Beratungsgesprächen. „Damit können Sie Ihre Stakeholder gar nicht so gut erreichen!“ Es gibt manchmal eine spannende Alternative, die viele unserer Kunden zunächst gar nicht für sich auf der Agenda hatten: das Bloggen. Einige sprechen von einem Blogrevival, obwohl diese nie wirklich verschwunden waren. Blogs stellen ein mächtiges Kommunikationsinstrument dar, wenn man es richtig einsetzt. Wie das grundsätzlich geht, erläutere ich in diesem Blogartikel in 13 Punkten.

Aber die Aufmerksamkeit der medialen Öffentlichkeit haben Blogs verloren, niemand spricht heute mehr von der Macht der Blogger. Ich bevorzuge schon länger den technologisch neutralen Begriff Influencer für Multiplikatoren. Wer jetzt von Social Media spricht, meint in der Regel Facebook, Twitter und Google+ oder sogar Pinterest, aber nur selten das Corporate Blogging, was schade ist und deren Potential nicht gerecht wird. Mitunter werden Blogs sogar den alten Medien zugeordnet. Das ist kein Wunder.

Ich habe vor der Jahrtausendwende meine ersten Blogartikel verfasst, als es weder die Worte Blogs, Web 2.0 noch Social Media gegeben hat. Anfangs nannten wir Blogs tatsächlich Tagebücher oder Journale, weil die Inhalte entsprechend privat und oftmals zudem anonym waren. Relevant war diese Tagesberichte nur für wenige, schon gar nicht waren sie für die Öffentlichkeit betimmt. Doch das hat sich in den Nuller-Jahren geändert.

An die Stelle der Millionen privaten Blogs sind 2012 Facebook-Profile getreten. In den Unternehmen hat sich der Fokus von den Corporate Blogs weg hin zu Social Media im allgemeinen gewendet.  Aber auch Privatleute bevorzugen eher Social Networks. Oftmals gibt es in den Firmen keine Strukturen, die ein erfolgreiches Bloggen ermöglichen. Es fehlt an Social Media Redakteure und an Zeit dafür. Nicht anders ergeht es Bloggern insgesamt. In der Infografik „Social Media is going Corporate“ wird diese Veränderung sehr gut visualisiert.

Viele Blogger hören nach einigen Monaten wieder auf, weil sie nur wenig Feedback auf ihre Inhalte und kaum Traffic für guten Content erhalten. Die meisten Blogger leben nicht vom Schreiben, sondern nutzen es nur als ein Vehikel, um sich anderen mitzuteilen und sich darüber auszutauschen. Ohne Resonanz hält es dennoch kaum jemand durch, auf lange Sicht unentgeltlich ein Online-Magazin zu betreiben. Daher haben nur wenige die Disziplin und Leidenschaft aufgebracht, länger als ein oder zwei Jahre durchzuhalten.

Das ist für mich absolut nachvollziehbar. Ich bin selbst in diesem Jahr gerade einmal zu jeweils einem Blogbeitrag im Monat gekommen. Im ersten PR-Blogger-Jahr waren es noch rund fünf Beiträge in der Woche. Daraus sind dann neben zahlreichen Fachartikeln in Zeitschriften auch meine Bücher „Corporate Blogs„, „Karrierefalle Internet“ und „Transparent und glaubwürdig“ hervorgegangen. Zum Glück konnte ich einige Autoren für den PR-Blogger gewinnen, sonst wäre dieser längst Geschichte.

Wer erfolgreich für sein Unternehmen bloggen will, sollte beim Corporate Blogging jedoch einige Dinge beherzigen:

1. Nehmen Sie das Bloggen richtig ernst

Das Bloggen ist für viele Spass und die Verwirklichung einer Leidenschaft, doch in Wirklichkeit harte Arbeit, wenn man damit konkrete Ziele verbindet, sich etwa in einem Beratungsumfeld als guter Ansprechpartner etablieren oder in den Suchmaschinen unter den für das eigene Unternehmen wichtigen Keywords gefunden werden will. Wer das neben seiner Arbeit realisieren will, benötigt eine große Ausdauer. Es kann sehr lange dauern, bis sich ein merkbarer Erfolg einstellt. Am besten legen Sie Ihre persönlichen oder Unternehmensziele frühzeitig fest, damit Sie Ihre Blogartikel daran messen können.

2. Ohne Content-Strategie tut man sich schwer

Gute, lesenswerte Blogartikel fallen nicht vom Himmel (der Inspiration) und lassen sich nicht spontan im Dutzend-Paket erstellen. Es bedarf einer persönlichen Agenda, einer Themenplanung und einer guten Content-Strategie. All das verschafft dem Leser etwas Orientierung, damit dieser sich in unserer Themenwelt zurecht findet. Ohne Content-Fahrplan tun sich Schreiber wie Leser schwer, weil niemand Ihrer persönlichen Bloglogik ohne weiteres folgen kann.

3. Schnelle Erfolge gibt es beim Bloggen nicht

Die ersten Blogartikel werden meistens nur von wenigen Lesern wahrgenommen. Feedback fehlt anfangs völlig. Das demotiviert viele Blogger verständlicherweise. Auf Facebook steigt die Zahl der Fans hingegen oft schneller als die der Blogleser. Wer Abonnenten für sein Blog erhalten will, muss viel Zeit für das eigene Blogmarketing aufwenden,

4. Verlassen Sie Ihre Bloginsel

Gute Blogartikel nennen immer ihre Quellen und verlinken diese aus Wertschätzung. Auf diese Weise werden wertvolle Content-Quellen im Netz sichtbarer. Für den Leser, der ein Thema vertiefen will, stellen Links einen großartigen Service dar. Trotzdem ist die Verlinkung untereinander in der Blogosphäre in den vergangenen Jahren leider stark zurückgegangen. Nur wer selbst andere aktiv verlinkt, darf sich auch über entsprechende Backlinks in anderen Blogs, auf Facebook oder Twitter freuen.

5. Mehr Sicherheit im eigenen Corporate Blog

In den Social Networks hat sich im vergangenen Jahrzehnt vieles geändert. Erinnern Sie sich noch an Orkut, Friendster oder MySpace? Wie lange existieren Xing, Facebook oder LinkedIn noch? Die Spielregeln auf diese Plattformen können wir ohnehin nicht bestimmen. Ein Blog hingegen kann Ihre Kommunikationszentrale bleiben, auf der Sie alle Regeln bestimmen und ihren Content langfristig sichern können. Es ist die Konstante in einem unruhigen Social Media Umfeld.

6. Mehr Aufmerksamkeit auf einem Corporate Blog

Im Social Network sind Sie ein Akteur unter vielen. Demgegenüber wirken Sie als Blogger mit einem attraktiven Angebot wesentlich einzigartiger, weil sie individueller auftreten können.

7. Der Blog-Content ist Ihr persönliches Eigentum

Lesen Sie alle AGB’s? In Social Networks treten Sie einige ihrer Content-Nutzungsrechte ab. Dagegen gehören alle selbst verfassten Bloginhalte eindeutig Ihnen.

8. Jeder Blogartikel zählt

Wenn Sie ein Corporate Blog betreiben, steht jeder einzelne Beitrag im Idealfall für ein konkretes Ziel. Vielleicht wollen Sie darüber mit Ihrer Community diskutieren, auf eine wichtige Neuigkeit verweisen oder Ihren Meinungsbeitrag zu einem Thema präsentieren. In den Suchmaschinen steht jeder Beitrag für sich allein.

9. Blogcontent wird gerne geteilt

Ist ein Inhalt für Ihre Leser von Interesse, werden diese ihn vermehrt miteinander via Facebook und Twitter teilen. Das bringt Ihnen mehr Aufmerksamkeit als ein Tweet oder ein Facebook-Update. Außerdem wirkt sich aktueller Blogcontent positiv auf Ihre Suchergebnisse aus.

10. Nützliche Inhalte werden gefunden

Google legt immer mehr Wert auf echte, geteilte und lesenswerte Inhalte. Blogs profitieren hiervon besonders, wenn sie eine tatsächliche Relevanz für die Suchenden haben. In den Suchmaschinen belegen sie oftmals die ersten Plätze in den organischen Suchergebnissen.

11. Content ohne Limitierung

Auf Twitter haben Sie nur 140 Zeichen, auf Facebook sind auch nicht viel mehr Zeichen üblich. Bilder, Videos und Präsentationen können Sie nur nach strengen Vorgaben in den Social Networks veröffentlichen. Im Corporate Blog haben Sie kaum Limitierungen. Beim Blogsystem WordPress haben Sie große Gestaltungsfreiheiten bei der Einbindung von Wort und Bild.Das Layout und Design können Sie frei gestalten.

12. Unique Content

Me-too-Inhalte langweilen schnell. Niemand liest gerne den hundertsten Beitrag zu einem PR- oder Marketing-Thema, wenn dieser nur per Copy and Paste zusammengetragen worden ist, ohne einen eigenen Zugang zum Thema zu eröffnen. Idealerweise sollten Sie deutlich machen, warum Sie leidenschaftlich für etwas brennen. Das fällt vielen Menschen schwer. Schließlich erfordert es, eine eigene Meinung zu vertreten und den Widerspruch auszuhalten.

13. Aufbau einer Leserschaft

Twitter, Facebook und Google+ bieten zahlreiche Contentschnipsel, die doch sehr flüchtig wirken und schnell vergessen sind. Wo habe ich den Hinweis gefunden und gelesen? Ein Blog bietet eine bessere Leserbindung und verleitet zum Wiederkommen, wenn der Inhalt passt. Im Corporate Blogs können Markenbotschafter ein Profil entwickeln und die Leser für ihre Themen begeistern.

Auf Facebook verzichten müssen Sie gar nicht, aber zumindest sollte man sich im Rahmen einer Social Media Strategie überlegen, wo die Stärken von Facebook, Blogs und anderen Instrumenten liegen. Vor einigen Wochen habe ich auf Facebook eine geschlossene Gruppe zum Thema Corporate Blogging gegründet und einige Corporate Blogger eingeladen. Die Resonanz war sehr positiv. So langsam füllt sich die Facebook Gruppe mit Diskussionen. Deutlich wird, dass immer mehr Social Media Manager auch auf Corporate Blogs setzen.

Falls Sie ebenfalls gerne über das Thema diskutieren wollen, können Sie sich als Corporate Blogger gerne an mich auf Facebook wenden oder im PR-Blogger kommentieren.

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