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Online Reputation Management 1: TVINO-Macher Hendrik Thoma

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Die Wein-Szene ist auf Twitter, Facebook und Co. sehr gut zu finden. Grund genug, genauer hinzuschauen und mit einem ihrer bekanntesten Vertreter ein Interview zu seinen Social-Media-Aktivitäten zu führen. Deshalb habe ich Hendrik Thoma, einem der wenigen Master Sommeliers und Betreiber des neuen Internet-TV-Formats TVINO, einige Fragen gestellt. 

Auf seiner "Vinotainment"-Plattform plaudert der Weinexperte mit prominenten Gästen über ihre Weinerfahrungen und informiert über aktuelle Trinktrends. Als Weinautor hat sich Thoma einen Namen gemacht. So schrieb er seine eigenen Kolumnen im Playboy, in Living at Home und in der Welt am Sonntag und verfasst eine Reihe von sehr populären Weinbüchern. Außerdem ist er häufiger TV-Gast, beispielsweise beim Vox Kochduell, Kochchampion, den Kochshows von Johannes B. Kerner. Über die Jahre hat der Weinfachmann für seine Arbeit zahlreiche Preis und Auszeichnungen erhalten. Er ist dreifacher Träger des Titels „Sommelier des Jahres“ und vom führenden amerikanischen Weinmagazin Wine Spectator wiederholt mit dem „Best of Award of Excellent“ ausgezeichnet worden. 

Inzwischen ist Thoma in Sachen Social Commerce sehr aktiv und nutzt sein Video-Blog, Twitter sowie eine Facebook gezielt zum eigenen Reputationsmanagement, darüber gibt er im Interview nähere Auskunft. 

Zum Jahresende beginnen wir hiermit eine neue Interview-Reihe zum Thema Online Reputation Management.

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Um was geht es denn bei TVINO.de?

Hendrik Thoma: Das Ziel von TVINO ist ganz klar der Verkauf von Wein. Was wir bieten, ist gelebter und authentischer Weinhandel, der zum Diaolog anregen will. Mit TVINO soll das Einkaufserlebnis „Online-Weinkauf“ zum Kult werden. Ob uns das gelingt, müssen zukünftig meine Fans beurteilen. 

Fans? Ist das für einen eCommerce Shop nicht reichlich hoch gegriffen?

Hendrik Thoma: Keineswegs, denn TVINO ist ein Shop mit angeschlossener „Social Media Welt“. Das heißt über unsere Facebook Fanpage sind wir mit unseren Kunden ständig in Kontakt. Deshalb hat TVINO als Produkt auch seine „Fans“ und ich als Mensch pflege sogar in meinen Social Media Aktivitäten meine „Friends“. Es ist mein Ziel, Weinwissen frei von Snobismus und Fachsimpelei leicht verständlich und unterhaltsam darzubieten.


Klingt das nicht reichlich visionär?

Hendrik Thoma: Wer mit Social Media erfolgreich sein will, braucht zu allererst mal eine Vision und die passende Geisteshaltung. Durch die filmische Darstellung und den Dialog mit den Nutzern versuche ich eine neue Art der Weinpräsentation im Internet zu schaffen. TVINO wird so hoffentlich bald schon im deutschen Internet zu der zentralen Anlaufstelle für unterhaltsamen Weineinkauf mit Kultcharakter.


Wer ist die Zielgruppe von TVINO?

Hendrik Thoma: Ich weiss nicht, ob ich unsere Fans als Zielgruppe bezeichnen will. Letztlich spreche ich sicherlich beigeisterungsfähige Genussmenschen mit hoher Internetaffinität an. TVINO Kunden sind Online-Shopper, die sich sehr selbständig und selbstbewusst im Netz bewegen. Für sie ist das besondere Einkaufserlebnis und die authentische Interaktion im Internet wichtig.


Sie haben sich HAWESKO als Partner ausgesucht. Wie funktioniert die Aufgabenverteilung?

Hendrik Thoma: Die Partnerschaft mit HAWESKO ist ein echter Glücksfall. Hawesko verantwortet den Betrieb der Webite, den Einkauf der Weine, das Marketing für TVINO und das Fulfillment. Ich bin der Gastgeber von TVINO und im Rahmen meiner Social Media Aktivitäten der Mensch hinter dem Wein. Mein Team erfüllt TVINO mit Leben und versucht eine neue Weinwahrnehmung zu schaffen. Letztlich aber bestimmen unsere Kunden, was ins Glas kommt. Denn die redaktionelle Hoheit und Weinauswahl liegt komplett bei mir und gerade darauf legen unsere Fans großen Wert.


Gibt es für Sie einen Schlüssel zum Erfolg mit Social Media?

Hendrik Thoma: TVINO lebt letztlich von meiner Person und meiner Glaubwürdigkeit. Die Leute sehen mich aufgrund meiner Qualifikationen als Geschmacksautorität für Wein im deutschen Internet. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich ebenso als unprätentiöser Wein-Experte wahrgenommen werde, mit dem man direkt im Netz in den Dialog treten kann. Social Media ermöglicht mir den direkten Dialog, deshalb kann man das auch nicht delegieren. Nur, wenn ich im Kern selbst kommuniziere, werden wir hier auch erfolgreich sein. Für Kommentare und Anmerkungen zu TVINO bin ich deshalb auch immer dankbar.


Es gibt inzwischen hierzulande eine relativ große Szene an Wein-Bloggern und -twittern? Wie sind Sie überhaupt zu Social Media gekommen?

Hendrik Thoma: Ich bin eigentlich schon immer sehr aktiv im Internet gewesen. Doch dann war ich vor etwa einem Jahr in den USA zu Gast bei Gary Vaynerchuck und dann hat es bei mir Klick gemacht. Was ich da gesehen habe, hat mich sehr bewegt und seitdem habe ich mich intensiv mit Social Media beschäftigt. Vor allem das Feedback, das ich auf das Video von Leuten aus der ganzen Welt bekommen habe, hat mir gezeigt, dass dieser direkte Weg der beste zu den Menschen ist. Es geht nicht nur um Geschmack, sondern generell darum, wie man zum Leben steht.


Welche Erwartungen an Ihre Facebook-Fanpage haben Sie? Wollen Sie darüber verkaufen oder Ihre Online-Reputation verbessern? Was ist für Sie hierbei ein Erfolg?

Hendrik Thoma: Unsere Facebook Fanpage ist für uns ein zentraler Anlaufpunkt. Dort pflegen wir den Dialog und hier können unser Fans mitbestimmen, was letztlich in der Show ins Glas kommt. Dabei steht auf der Facebook-Seite nicht der Verkauf im Vordergrund. Aber wenn wir die Leute neugierig auf tvino.de machen können, dann sind wir unserem Absatz schon ein gutes Stück näher. Langfristig geht es uns um die guten Beziehungen zu unseren Kunden und damit um die positive Kundenbindung per Facebook. Wenn unsere Fans uns an ihre Freunde weiterempfehlen und sagen: Hey, schaut Euch das mal an! Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Denn aus Fans werden Freunde und irgendwann sogar vielleicht einmal Kunden.

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Wie reagieren Ihre Kunden auf die Videos und anderen Social-Media-Inhalte? 

Hendrik Thoma: Wir sind ja erst seit ein paar Monaten "auf Sendung", aber die Resonanz ist schlichtweg überwältigend. Täglich kommen neue Fans hinzu und auch die Kommentare (und die Fragen) wachsen stetig. Dies ist für mich das entscheidende Signal, dass wir auf dem richtigen Weg sind und das der Dialog mit den Kunden funktioniert.

Sie twittern ebenfalls recht aktiv und haben schon viele Follower. Welche Weinblogs und -Twitterer empfehlen Sie als Lektüre?

Hendrik ThomaDa muss ich natürlich zunächst Gary Vaynerchuck nennen, der rund 850.000 Follower weltweit hat. In Deutschland empfehle ich Dirk Würtz und viele andere, die ich aber nicht alle nennen kann. Übrigens, Viini TV aus Finnland ist auch sehr lustig…und auch am Anfang wie wir.


Wie schaffen Sie es, durch Ihre Online-Aktivitäten für mehr Vertrauen zu sorgen?
 

Hendrik Thoma: Vertrauen entsteht durch Transparenz und Verlässlichkeit. Wenn einem mal ein Fehler passiert oder man übers Ziel hinausschießt, dann setze ich auf den offenen Dialog und hoffe, dass man mir und meinem Team kleinere Hick-Ups mit Social Media nachsieht. Wir lernen täglich dazu und machen daraus keinen Hehl. Meines Erachtens ist es aber gerade diese Offenheit, die am Ende des Tages das notwendige Vertrauen schafft. Mein Ziel ist es, als Person 100% authentisch mit Tvino zu verschmelzen. Das geht nicht über Nacht, aber fühlt sich immer besser an. Ich liebe es. Auf einmal bin ich wieder im Restaurant, aber einem virtuellen, in dem die Kommunikation genauso zählt, nur die Wege zu meinen Gästen haben sich geändert.

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Was dürfen Ihre Leser/Zuschauer über die Feiertage von Ihnen erwarten? Was wünschen Sie sich für 2010 in Social Media?

Hendrik Thoma: Viele Menschen in Deutschland sehen einfach nicht die Chancen, welche Ihnen Social Media bietet. Sie haben Vorbehalte, die sie gar nicht begründen können. Die Liste derer, die mich jetzt schon dafür kritisieren ist lang: Wahrscheinlich ist es nur Neid, Missgunst, Unwissenheit oder Befangenheit. Alles Dinge die niemand im Leben wirklich braucht. Irgendwo wird Social Media ja als die Orwell Nummer verteufelt. So ein Quatsch. Jedes Spiel hat seine Spielregeln. Im Netz, wie im normalen Leben auch. Wenn man sich nicht daran hält, ist man raus. 

Ich habe mal für kurze Zeit bei einem großen deutschen Handelskonzern gearbeitet. Da wurde mir gleich in der dritten Woche gesagt: Mit unserer Kundenkarte können wir den Kunden ins A…loch gucken. Das hat mich angewidert. Kein Respekt, vor denen, die einen letztlich bezahlen. Das es dabei dialogfrei zuging, brauche ich nicht weiter zu erläutern. Meine peinlichste Beobachtung zu Social Media war übrigens eine Sendung bei Kerner, wo er den Zuschauern erklären wollte, was Twitter ist. Nach zwei Minuten hat er das Laptop hilflos zur Seite gelegt und gesagt: Das braucht man nicht…Unfassbar diese Arroganz.

Die Feiertage lassen wir entspannt angehen. Auch das Netz braucht mal etwas Ruhe. 😉

Vielen Dank.

Klaus Eck