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Vergessen wir einmal die Wahlen, was dann?

Einen Social Media Wahlkampf haben wir 2009 noch nicht wirklich erlebt, dafür haben die Parteien sich doch zuwenig auf die neuen Kommunikationsinstrumente eingelassen. Aber es war immerhin ein großartiger Anfang (in technischer Hinsicht). Unsere Kurzanalysen im PR Blogger haben uns gezeigt, dass die Politiker sich so langsam an Facebook, Twitter und Co. herantasten und manchmal sogar etwas mutiger, aber dennoch noch nicht wirklich im Social Web angekommen sind. Dazu gab es zuwenig Interaktionen mit den Bürgern. Mit Ausnahme der Piraten, die ihre Existenz der fehlenden Netzkompetenzen anderer verdanken, nutzen die meisten Parteien die neuen Möglichkeiten noch sehr verhalten. 

Ich bin gespannt, ob Schwarz-Gelb es bei den ersten digitalen Schritten belassen wird oder wie Obama auf Government 2.0 setzt. Für die Opposition ergibt sich ohnehin die Chance, ihre Basisarbeit zu verstärken und neue Anhänger für sich zu gewinnen. Immerhin konnten die Piraten über 9.000 Mitglieder für sich mit einem kleinen Programm und vielen Netzaktivitäten gewinnen. Warum sollten die anderen Parteien nicht versucht sein, Ähnliches online auszuprobieren? 

Nur eines sollten sie künftig bitte nicht tun: bei ihren Online-Aktionen nur auf die jungen Wähler zu schielen. Das Web wird langsam, aber sicher älter. Auch wenn jetzt viele Jungwähler die Piraten gewählt haben, heißt das noch lange nicht, dass man die 40plus-Generationen vernachlässigen sollte oder könnte. Gerade diese Wählerschaft hat normalerweise nicht viel Zeit, sich für Parteien zu engagieren; was nach wie vor eine immense Aufgabe ist. Gerade das Netz bietet vielfache kleine und größere Möglichkeiten der Partizipation.

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Manchmal genügt es schon sich zu bedanken, wie es die FDP (Solms unten) tut oder man startet gleich mit der Mobilisierung für die nächste Wahl, wie es die Grünen twitternd vormachen:

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Vergessen wir die Wahlen. Jetzt wird sich zeigen, wie nachhaltig bisherige Online-Kommunikationskonzepte der Parteien wirklich sind. Nur wer die Wähler weiterhin ernst nimmt und Ihnen Angebote macht, dürfte beim nächsten Wahlkampf von der Wählerbindung profitieren. 

Facebook und Twitter bieten sehr gute Möglichkeiten, den politischen Prozess der Meinungsbildung online abzubilden und zu verstetigen. Sie verschaffen Außenstehenden einen sehr persönlichen Zugang zum politischen Prozess und erlauben das kleine Involvement, ohne gleich Parteimitglied werden oder eine Parteiversammlung besuchen zu müssen. Schließen können Parteivertreter zeigen, wie sie arbeiten und für welche Inhalte sie stehen. Es geht hierbei weniger um die symbolische Inszenierung der Politik, sondern vielmehr um die Vermittlung von Inhalten. Das verloren gegangene Vertrauen können die Politiker am besten über ihre Online-Reputation wieder herstellen. Dort erhalten Wähler und Politiker die Chance, sich miteinander gezielt auszutauschen und Vertrauen aufzubauen.

Darin sehe ich einen Ansatz für alle Parteien, die ePartizipation zu verbessern und damit auch den Nichtwähleranteil zu reduzieren. Aus Demokratiesicht kann niemand mit der geringen Wahlbeteiligung zufrieden sein.

Zumindest eines hat sich bei dieser Bundestagswahl schon jetzt geändert. So konnten Onliner den Live-Diskussionen der Wähler auf zahlreichen Medienangeboten wie bspw. bei der ARD, ZDF und Spiegel folgen. Dazu haben viele Medien den Facebook-Feed und/oder den Twitter-Feed bei sich eingebunden und ihren Lesern das Diskutieren ermöglicht. Wer Mitglied in Facebook war, konnte dadurch direkt sehen, wie seine Freunde über den Wahlausgang denken und direkt darauf reagieren. Ein positiver Nebeneffekt bestand daran, dass die meisten Network-Mitglieder dadurch mit ihren Klarnamen oder Facebook-Profilen verbunden waren. Das schützt die Content-Anbieter zumindest ein wenig vor Trollen und anderen unliebsamen Forendiskussionen. Die fehlende Anonymität fördert sicherlich den zivileren Umgang miteinander.

>> heute.de: Angela Merkel dankt Unterstützern auf Facebook. Wie die Bundestagswahl für Andrang im Internet sorgt
>> Focus online: Twitter: Die Wahl als Happening
>> Süddeutsche Zeitung: Prognosen über Twitter: Falsches Gezwitscher
>> turi2.de: Bundestagswahl sorgt im Netz für viel Gezwitscher
>> Spiegel online: Umfrage-Verrat: Wilde Prognostiker wüten auf Twitter
>> Focus Online: Twitter-Wahlkampf – "Geniale erfolgreiche Kaffeeverteilung"
>> Berliner Zeitung: "Die Medien verlangen Bilder". Der Politikberater Michael Spreng über den inszenierten Wahlkampf. 
>> Spiegel online: Wahlkampf. Die Web-Fans von der Hinterbank
>> Zeit online: "Die Politik ist jugendverdrossen". Der Soziologe Wolfgang Gründinger kritisiert die Parteien: Sie gebrauchen Phrasen, hätscheln die Rentner-Lobby
>> derFreitag: No we can't. Wie die SPD im Netz Wähler gewinnen wollte und kläglich scheiterte
>> Spiegel online: Online-Wahlkampf. 26-jährige ist Merkels Stimme im Netz 
>> Netzzeitung: Vor der Bundestagswahl: Der Online-Wahlkampf der Internet-Ausdrucker
>> Süddeutsche Zeitung: Dem Internet-Wahlkampf fehlt oft der K(l)ick
>> Manager Magazin: Demokratie 2.0? Von wegen
>> Welt online: Wahlkampf virtuell. Unsere Wunschliste für die Kampagnen 2013
>> Handelsblatt: Online-Wahlkampf: Viel Lärm um Nichts

Klaus Eck