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VIII. Social-Media-Check Wahl 2009: SPD und Twitter

Nachdem wir uns in den vergangenen Tagen intensiv mit Facebook, YouTube und Co. beschäftigt haben, wollen wir uns heute speziell den Twitter-Accounts der SPD widmen. Dazu haben wir uns einige Beispiele herausgesucht, nämlich den Twitter-Account des SPD Parteivorstands „spdde“, die SPD Baden-Württemberg „spdbawue“ sowie einige der prominentesten zwitschernden Politiker, Thorsten Schäfer-Gümpel „tsghessen“ und Hubertus Heil „hubertus_heil“.


Twitter

1. Zuhören:
Entscheidend ist hierbei, inwieweit die Twitter-Accounts der SPD als reines Push-Medium vor dem Wahlkampf genutzt werden oder ob durchaus auch Bezug auf andere Anwender genommen wird. Dies sieht man am Einfachsten, indem man schaut, inwieweit die Accounts von ihrer @Replay-Funktion Gebrauch machen. Natürlich erwarten wir nicht, dass die Politiker und Parteien tatsächlich auf jede Frage antworten – jedoch wäre es schon interessant zu sehen, dass teilweise Bezug genommen wird bzw. auf Anfragen reagiert wird.

In erster Linie dient der Account des Parteivorstands dem Übermitteln von Botschaften von Frank-Walter Steinmeier bzw. Medium, v.a. um zusätzlichen Traffic auf andere Social Media Seiten zu generieren, wie z.B. dem Blog von Steinmeier. Kaum zählbar sind die Bezüge auf andere Twitterer.

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Bei der SPD Baden-Württemberg findet man zwar mittlerweile ganze 862 Followers, aber alles andere als einen Dialog. Twitter wird hier nur als Informationskanal genutzt.

Thorsten Schäfer-Gümpel war einer der ersten Politiker, der Twitter hierzulande als Wahlkampf-Instrumentarium genutzt hat. Premiere war auch ein Twitter-Interview, dass er Anfang des Jahres mit Robert Basic geführt hat. Respekt, denn Schäfer-Gümpel war einer der ersten, der Twitter nicht als reines Push-Medium genutzt hat. Er nutzt es, um Feedback zu bekommen, und um darauf auch unmittelbar einzugehen, ist dialogbereit und nicht nur sendend unterwegs – wie leider viele andere. Mit insgesamt 3.438 Followern zählt er sicherlich zu den Politikern mit den meisten Followern. Was auf den ersten Blick ersichtlich ist, Thorsten Schäfer-Gümpel kommuniziert, hört zu, reagiert und antwortet. So stellen wir uns einen Dialog via Twitter auch vor.

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Zuletzt schauen wir uns noch den Twitter-Account von Hubertus Heil an, der mittlerweile 4.205 Follower zählen kann. Mit den vielen Nutzern, die seine Botschaften lesen, könnte man eigentlich auch ein wenig Dialog erwarten. Aber Fehlanzeige! Bei Hubertus Heil wird vorwiegend gesendet, wenig empfangen und kaum auf Fragen und Anmerkungen reagiert.

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Einzig einen kleinen Hinweis für die ARD hat er übrig, wobei sich dahinter ein polnischer Account und keineswegs der Fernsehsender der ARD versteckt.

2. Überzeugen:

Wenn es darum geht, zu überzeugen, dann sind Themen und Authentizität die beiden Schlagwörter, um die es eigentlich geht. Überzeugen – und im Falle der Politik zum Wählen bringen – das geschieht einerseits durch die thematische Übereinstimmung, andererseits kann man Wähler nur dann für sich gewinnen, indem man sie von der eigenen Kompetenz, vom Know-how und der eigenen Persönlichkeit überzeugt.
Werfen wir den Blick auf die Themen, die in den Twitter Accounts besprochen werden. 

Twitter-Account "spdde" (erstellt mit Doodle.net)

SPDDE

Twitter-Account der SPD Baden-Württemberg:

SPDBAWUE

Twitter-Account von Thorsten Schäfer-Gümpel:

SCHÄFER

Twitter-Account von Hubertus Heil:

HEIL

Thematisch finden wir bei allen Accounts keine großen Überraschungen, die meisten Tweets betreffen doch in erster Linie die eigene Partei bzw. die eigene Person. Was wir wenig beobachten können ist, das auch wirklich politische Themen eine dominierende Position einnehmen. Wo bleiben Themen wie Gesundheit, Steuern, Soziale Gerechtigkeit, etc. Sicherlich sind diese Themenkomplexe nur eine kleine Auswahl der tatsächlichen Tweets. Aber können wir von den zwitschernden Parteien bzw. Politikern nicht mehr erwarten als reine Wahlpropaganda? Mehr als einseitige Kommunikation? Und mehr als reine Worthülsen?

Hier eine kleine Auswahl an Tweets.

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Vor allem bei Thorsten Schäfer-Gümpel sind die Tweets persönlich. Nur interessiert es uns wirklich, was er morgens zum Frühstück hatte? Solche Tweets sind doch immer wieder Auslöser für Diskussionen rund um die Relevanz von Twitter.

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3. Ansprechen: Blogposts oder Meinungen schaffen es immer wieder in die
großen Zeitungen und Internetportale. Meist werden diese durch
Twitter verstärkt und erzielen eine enorme Resonanz. In den meisten Fällen wird Twitter nur als weiteres Medium genutzt, um auf die anderen Plattformen zu verweisen. Bei den Partei-Accounts ist es schade, dass man beispielsweise nicht sieht, wer sich hinter dem Account versteckt. So bleiben die Tweets anonym.Und auch bei den Accounts der Politiker findet – bis auf die Ausnahme von Schäfer-Gümpel – kein wirklicher Dialog statt. Es wird auch keine thematische Unterscheidung gemacht.

4. Mobilisieren: Alles Engagement macht nur dann Sinn, wenn man es schafft, die Wähler zu mobilisieren. Zumindest Bemühungen sind zu erkennen.

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Auch findet man vereinzelt einen Aufruf zum Spenden:

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Wobei hierbei nicht ganz deutlich wird, wofür das Geld verwendet wird. Und das wirkt dann vielleicht eher hemmend. Alles in allem steckt hier sicherlich noch mehr Potential, um die Wähler auch tatsächlich an die Wahlurne zu bringen. Unpersönliche Tweets sind sicherlich weniger ansprechend, als wenn man eine Art "persönliche", wenn auch virtuelle Beziehung zu seinen Followern aufbauen würde, die man mit Informationen füttern würde, die auch wirklich relevant sind. Dies würde sicherlich die Chance erhöhen, dass Follower sich angesprochen fühlen und eventuell selbst aktiv werden. Zumindest indem sie Positives über den Twitternden schreiben. 

Die Schulnoten-Bewertung im Einzelnen*

SPD auf Twitter
Zuhören 3
Überzeugen 3
Ansprechen 3
Mobilisieren 4
Gesamtnote 3,25

*Eine genaue Erklärung der einzelnen Kriterien finden Sie hier.

Fazit:

An relevanten Inhalten mangelt es – die SPD nutzt Twitter vor allem als Schnellfeuerwaffe, um einen Einblick in ihren politischen Alltag zu vermitteln. Das kann man machen, allerdings fehlt oftmals die politische Diskussion. Einen kritischen Beitrag, der sich explizit um die Social Media Aktivitäten der SPD dreht, findet sich übrigens bei der Wochenzeitung derFreitag. Dort berichtet ein Insider von den Bemühungen der SPD es Barack Obama gleichzutun – mit dem eher kläglichen Ende.

Anika Geisel

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