buble arrow0

VII. Social-Media-Check Wahl 2009: FDP auf Youtube

Im heutigen Social-Media-Check zur Bundestagswahl 2009 schauen wir uns tv-liberal, das Videoportal der FDP, der FDP im Bundestag und der Friedrich Naumann Stiftung, genauer an.

Alle großen Parteien nutzen die Video-Community YouTube, um sich zu präsentieren und ihre Präsenz im Netz weiter zu verstärken. So auch die FDP, deren Kanal bereits seit 15. Februar 2006 existiert. Insgesamt 711.063 Kanalaufrufe beweisen auf den ersten Blick, dass die FDP auf einem guten Weg ist, um Videos in ihre Social Media Aktivitäten zu integrieren.

FDP

1. Zuhören
Man kann es nicht oft genug betonen, Social Media basiert auf Dialog und Mitmachen. Nur wer das Publikum – in diesem Fall die Besucher des YouTube-Kanals – anspricht, Feedback-Möglichkeiten integriert, und letztlich auf Kommentare und Meinungen reagiert, hat Sinn & Zweck der neuen Medien verstanden. Demokratie lebt von Partizipation. Mit den neuen Online-Angeboten wird Teilhabe erleichtert – und in der Theorie auch Austausch gefördert. Mit Hilfe von Videos können sich Parteien und Politiker direkt an ihre Wähler wenden und zu ihnen sprechen.

Aber YouTube ist nicht auf die Kommunikation in eine Richtung begrenzt. Mit Hilfe der Kommentarfunktion ist es möglich, sich zu Videos, Themen und Meinungen zu äußern. Insgesamt verzeichnet der YouTube-Kanal 2067 Kommentare, teils mit eher fragwürdigen Inhalten, teils aber auch durchaus mit politischen Meinungen und Inhalten.

ScreenHunter_01 Sep. 22 12.25

ScreenHunter_02 Sep. 22 12.26

ScreenHunter_03 Sep. 22 12.28

Allerdings entdecken wir bei der Recherche auch durchaus einen politischen Dialog und Antworten, wenn auch nicht von Politikern selbst, aber von Besuchern des Kanals.
Auch wenn die Diskussion in erster Linie von einigen wenigen geführt wird, ist dennoch positiv anzumerken, dass ein solcher Meinungsaustausch überhaupt stattfindet. Schade ist es, dass sich offensichtlich kein höheres Parteimitglied an der Diskussion beteiligt bzw. reagiert.

2. Überzeugen
Wie überzeugt man auf YouTube? In dieser Kategorie sind zwei Aspekte entscheidend. Einerseits müssen politische Inhalte klar und überzeugend an die Wählerschaft übermittelt werden – wer steht für was? Andererseits kommt es aber auch darauf an, wie man im Social Web kommuniziert. Entscheidend sind hierbei Authentizität, Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit. Politiker-Videos dürfen keinesfalls einstudiert wirken, sie müssen Stammwähler und potentielle Wähler gleichermaßen überzeugen. Die Körpersprache bzw. nonverbale Wirkung der Kandidaten ist für die Wahlentscheidung von großer Bedeutung. Die FDP auf YouTube versucht mit Kompetenz, Themen – aber auch mit ein wenig Ironie zu punkten. Das erste Video, das man auf YouTube sieht, ist der offizielle Wahlwerbespot.

Daneben gibt es aber noch jede Menge interessanter, teilweise auch lustiger Videos. Ein Video, das besonders hervorsticht, ist eines der Jungen Liberalen, in dem sie sich selbst ziemlich auf die Schippe nehmen.

Unter Fraktion findet man u. a. ausgewählte Videos zu Veranstaltungen der FDP, Pressestatements oder Reden, die eher informativen Charakter haben und weniger unterhaltend sind. Zahlreiche Videos gibt es von Heinz Peter Haustein, der YouTube schon früh für sich entdeckt hat und seit dem 17. Januar 2008 regelmäßig ein YouTube-Video unter dem Titel „Peters Woche“ veröffentlicht. Der Bundestagsabgeordnete aus Sachsen zeigt jeden Freitag seine Sicht der politischen Ereignisse der vergangenen Woche.


3. Ansprechen
Der YouTube-Kanal richtet sich sicherlich in erster Linie an Politikinteressierte und potentiell eher FDP-Wähler. Wer auf den Kanal geht, erwartet sicherlich in erster Linie aktuelles über die Partei, über Politiker und politische Themen zu informieren. Auf genau diese Zielgruppe ist der YouTube-Kanal auch zugeschnitten. Es gibt zudem auch spezielle Videos, in dem bestimmte Positionen der FDP einfach und klar vorgestellt werden, z. B. das FDP Programm oder auch das Liberale Bürgergeld.


4. Mobilisieren
Online-Wahlkampf ist nur dann erfolgreich, wenn er Wähler dazu bringt, auch wirklich an der richten Stelle das Kreuz zu machen. Hilfreich hierbei ist ein positives Image, das die Partei im Web generiert. Auf YouTube findet man eine Verlinkung zu allen anderen Online-Portalen, auf denen sich die FDP bewegt, sei es Facebook, Twitter, die „mit mach arena“, StudiVz, flickr, und vieles mehr. So werden die gesamten Aktivitäten miteinander verlinkt, um mehr Öffentlichkeit zu generieren. Ansonsten findet man wenig, um (potentielle) Wähler dazu ermutigt, selbst aktiv zu werden. Sicherlich besteht die Möglichkeit, den FDP-Kanal zu abonnieren, bzw. Nachrichten zu senden. Allerdings findet man keinen Hinweis darauf, zum Beispiel selbst ein Video zu drehen, was dann auf dem YouTube-Kanal veröffentlicht wird. Der Hinweis „Wir freuen uns auf Eure Kommentare“, ist eher versteckt. Alles in allem steckt sicherlich noch mehr Potential auf YouTube, das bislang noch nicht genutzt wird, um die Wähler noch mehr zu mobilisieren und in die Aktivitäten mit einzubeziehen.

Die Schulnoten-Bewertung im Einzelnen*

FDP auf Youtube
Zuhören 3
Überzeugen 1-2
Ansprechen 2-3
Mobilisieren 3
Gesamtnote 2-3

*Eine genaue Erklärung der einzelnen Kriterien finden Sie hier.

Resümee:
Alles in allem kommt die FDP auf YouTube sehr sympathisch und persönlich rüber, präsentiert einen Mix aus Information und Unterhaltung (Infotainment) und hält den Kanal zudem durch das regelmäßige Veröffentlichen von Videos aktuell. 1.806 Abonnenten des Kanals sind für politische Verhältnisse eine respektable Zahl.

>> PR Blogger: VI. Social-Media-Check Wahl 2009: die Grünen auf Facebook
>> PR-Blogger: V. Social-Media-Check Wahl 2009: Politiker im Lifestreaming-Vergleich
>> PR-Blogger: IV. Social-Media-Check Wahl 2009: Deutschland sucht den perfekten Kandidaten 
>> PR-Blogger: III. Social-Media-Check Wahl 2009: teAM Deutschland Blog 
>> PR-Blogger: II. Social-Media-Check Wahl 2009: Die Blogs der LINKEN 
>> PR Blogger: I. Social-Media-Check Wahl 2009: Die Facebook-Fanpages der Spitzenkandidaten 
>> PR Blogger: Startschuss zum Social-Media-Check Wahl 2009 im PR-Blogger

Anika Geisel