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Morgenwelt 38: Denken Sie an den Twitter-Faktor

Wie wird Twitter unser aller Leben und unsere Wirtschaft ändern? Gibt es gar eine TwitÖkonomie? Das sind Fragen, mit der sich immer mehr Menschen tatsächlich auseinandersetzen. Der renommierten Time ist es sogar einen Titel wert. Manager sollten Twitter für ihre kommunikativen Zwecke nutzen, damit sie nicht Gegenstand, sondern auch aktiver Part in einer Online-Kommunikation sind. Das meint auch Ossi Urchs in seinem Blog. Denn das würde "inzwischen wesentlich zum Erfolg oder Misserfolg jeder Unternehmung am global vernetzten Markt" beitragen. Den Twitter-Faktor dürfe man nicht vergessen.

Twitter-Time: Während sich die Diskussionen um den Twitter-Hype verstärken, findet das Microblogging sogar den Weg auf die ersten Zeitschriften-Cover. So widmet sich die Time ausführlich dem Thema Twitter und wie sich dadurch die Wirtschaft verändern könnte.

Time-twitter

Twitter ist ein Hype, das meinen zumindest 51 Prozent der Befragen einer Kooperationsstudie von deutsche-startups.de und Innofact, die die Twitter-Nutzung von "Web-Professionals" untersucht hat. Die kleine Umfrage lässt auch Aussagen zu Nutzungshäufigkeiten des Micro-Blogging-Dienstes sowie zum Bekanntheitsgrad anderer Social Networks zu, ist aber nur ein Stimmungsbild. Natürlich schauen jetzt viele auf das Neue und Unbekannte. Entscheidend ist doch vielmehr, was morgen von Twitter und seinen Klonen bleibt. Und das dürfte einiges sein, wie die Time (siehe oben) deutlich macht.

Facebook enffernt ungewöhnliche Nutzernamen: Das Social Network Facebook hat in einer Säuberungsaktion gegen Fake- und Spam-Accounts auch mehrere reale Accounts gesperrt. Namen wie zum Beispiel "Strawberry" oder "Istanbul" reichten schon aus, um als möglicher Fake-Account den Zugriff auf das Freundesnetzwerk zu verlieren. Mittlerweile gibt es eine Gruppe mit dem Namen "Facebook: Don´t discriminate against Native surnames!!!", die mehr als 4.300 Mitglieder hat. 

Politk & Glaubwürdigkeit: Die US-Regierung hat versehentlich einen vertraulichen Report über das eigene Atomprogramm im Internet verfügbar gemacht. Obwohl als "Streng vertraulich" gekennzeichnet, konnte das Dokument auf der Webseite der Staatsdruckerei herunter geladen werden. Irgendwann kommt eben alles Digitale in die Öffentlichkeit, nichts lässt sich mehr wirklich verbergen.

Politik: "OpenReichstag" nennt sich ein vom ZDF auf der Videoplattform Youtube gestarteter Kanal, der Kandidaten und Thematiken zur Bundestagswahl 2009 vorstellen und hinterfragen soll. Die Antworten der User sollen sogar im Programm des ZDF thematisiert werden. Nutzer werden aufgerufen, Videos mit eigenen Forderungen und Ansichten zu drehen und diese hochzuladen. 

Fake-Accounts sollen auf Twitter keine Zukunft mehr haben, zumindest wenn es sich um Prominente und Organisationen handelt. Das kündigte der Microblogging-Service in seinem Blog an. Demnach sollten Nutzer ihren Twitter-Account verifzieren können, damit ihr Name oder ihre Marke nicht mehr mißbraucht werden können. Damit reagiert Twitter auf den Fall Tony La Russa, der  das Unternehmen wegen Markenrechtsverletzung und falscher Namensverwendung verklagt hat.

Twitter-Profil I: Von Firmen-Logos auf Twitter hält Ossi Urchs nichts. Er glaubt, dass es auf menschliche Kommunikation mit menschlichen Antlitz ankommt und hat Recht damit. Allerdings bezweifele ich, dass man etwas von den Digitalen Natives auf Twitter etwas lernen kann, dazu sind ist der Microblogging-Service einfach zu "alt". Die Jüngeren scheinen kaum Wert auf den Twitter-Kanal zu legen.

Twitter-Profile (II) sind seit kurzem schlechter gerankt auf Google, dadurch werden sie nicht mehr ganz so leicht wie bisher bei einer Suche gefunden. 

Corporate Blogs: Eine gute Liste von 10 Mitarbeiterblogs, die hierzulande vieles in Sachen Social Media richtig machen, findet sich in der Karrierebibel.

Reputation: Roland Keller fragt sich, ob wir im Netz bald nur noch klinisch reine Gutmenschen finden werden, wenn alle auf das Online Reputation Management setzen und dadurch sich quasi eine digitale reine Weste herstellen. "Der gute Mensch vom Internet" muss mehr bieten als ein oberflächliches digitales Makeup. Niemand braucht "Gut-Klone", die keine Ecken und Kanten und damit auch keine Persönlichkeit aufweisen. Charakter ist nach wie vor gefragt, aber dieser wird und sollte eben auch online erlebbar sein.

(Un)Followen leicht gemacht: Das Twitter-Tool Refollow soll den Umgang mit Followern vereinfachen, indem es ein Funktionsset rund um das Folgen und Ent-Followen anderer Nutzer anbietet. So ist es zum Beispiel möglich, eine ganze Gruppe an Followern aufgrund verschiedener Kriterien wie Anzahl der Follower und gegenseitigem Verhältnis zu ordnen und nach Bedarf auch gleich zu unfollowen. Eine Zeitersparnis, für alle, die den Überblick bei ihren Twitter-Kontakten verloren haben.

Video und Audio auf dem Vormarsch: Die diesjährige ARD/ZDF Onlinestudie hat auch 2009 wieder einige interessante Ergebnisse zu bieten: So rufen 62 Prozent aller Onliner Videos ab, dies sind nochmals 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein ähnlicher Zuwachs (von 43% auf 51%) ist bei den Audio-Inhalten zu verzeichnen. 

Bibel in 160 Zeichen: Die komplette Bibel ist nun auf Twitter zu lesen. Das ambitionierte Projekt des Online-Portals evangelisch.de, welches darin bestand, den gesamten Inhalt der Bibel in 160-Zeichen-Nachrichten auf Twitter zu reproduzieren, ist am Pfingstsamstag erfolgreich beendet worden. Wie die Netzzeitung berichtet, ist die Micro-Rezitation im Kurznachrichtennetzwerk mit der Teilnahme zahlreicher Promis sowie von über 3000 Twitter-Nutzern ein großer Erfolg gewesen.

Vanity-URLs: Facebook wird nach Aussagen von Techcrunch bald mit der flächendeckenden Einführung von Vanity URLs beginnen – dies sind Adressen wie etwa facebook.com/klauseck anstatt der derzeit verwendeten Zahlenkombinationen. Die Nachfrage für die Vanity-URLs wird ähnlich wie bei Twitter riesig sein – es gilt schnell zu sein, um seinen Namen zu sichern. 

10 Prozent-Regel auch bei Twitter: 90 Prozent der Tweets werden von 10 Prozent der Twitter-Nutzer geschrieben (siehe Grafik unten). Dies ist zumindest eine These im Arbeitspapier der Harvard Business School. Weitere interessante Erkenntnisse sind zum Beispiel dass Männer durchschnittlich 15 Prozent mehr Follower haben als ihre weiblichen Twitterati. Außerdem scheinen Männer das Zurück-Followen ernster zu nehmen: "We found that an average man is almost twice more likely to follow another man than a woman." Bei einer Analyse von mehr als 300.000 Twitter-Accounts sind die Ergebnisse sogar einigermaßen repräsentativ. 

Reputation: Rund um das Thema Online-Reputation gibt es jetzt ein weiteres Blog: Dein Guter Ruf.

Digitale Altlasten, so nennt die Berliner Morgenpost unerwünschte Online-Artikel.
Die Arbeitsrechtlerin Valentine Reckow rät allen, die von jemanden im Netz unfreiwillig mit Namen genannt werden: "Fordern Sie den Verantwortlichen aus dem Impressum der Seite zunächst freundlich auf, den Eintrag zu löschen. Im Zweifel hilft dann eine förmliche Abmahnung. Fordern sie eine Unterlassungserklärung und die Benennung der Urheber des Eintrags. Setzen Sie dazu eine Frist." Auf diese Weise sollen sich die meisten Online-Einträge entfernen lassen. In einigen Fällen meint die Anwältin sogar: "Bei eindeutigen Schmähkritiken im Netz helfen Strafanträge, bei denen dann auch anonyme Täter ermittelt werden."  Aus juristischer Sicht alles sicherlich einwandfrei, doch aus Kommunikationssicht könnte man dadurch erst recht ein digitales Fass öffnen und seine Online-Reputation massiv schädigen. Längst nicht jeder wird auf eine Abmahnung oder auch nur Anfrage positiv reagieren. Wenn Sie versuchen, einen Beitrag online wieder löschen zu lassen und hierbei sogar vor allem auf Anwälte setzen, kann der sogenannte Streissand-Effekt eintreten, der dazu führt, dass Ihr Name erst recht in der Öffentlichkeit steht und ihr digitaler Ruf beschädigt wird. 

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Klaus Eck