Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Göttliche Protest-Komödie im Auftrag von Electronic Arts

1 Minuten Lesedauer

Wofür steht eigentlich die Abkürzung EA? Electronic Anti-Christ und nicht Electronic Arts, hieß es vor einigen Tagen auf einer fundamentalchristlichen Demonstration in Los Angeles im Umfeld der Videospielmesse Electronic Entertainment Expo. Doch der Videospielhersteller Electronic Arts gab jetzt zu, dass es es sich um Guerilla Marketing handelte. Darauf hat EA in der  Vergangenheit schon sehr oft erfolgreich gesetzt und auch dieses Mal Aufmerksamkeit in den Medien erhalten. 

Rund 20 Demonstranten hielten vor der Videospielmesse Electronic Entertainment Expo Schilder hoch mit Aussagen wie "Die Hölle ist kein Spiel!" und verteilten Flugblätter gegen das Game "Dante's Inferno". Zunächst hatte Electronic Arts Deutschland das Geschehen nicht kommentiert, bis jetzt die US-Mutter die Inszenierung zugab.

Trotz einiger Zweifel hieß es auf Spiegel Online trotz allem: 

"Doch für die Handvoll Protestierer vor dem Eingang der Gamesmesse "Electronic Entertainment Expo" (E3) ist das hier kein Witz: Sie empören sich über das neue Videospiel "Dante's Inferno", und auf eines ihrer in den grauen Himmel von Los Angeles gereckten Schilder haben sie geschrieben, gegen wen sie hier auf die Straße gehen: gegen die Firma Electronic Arts, den Hersteller des Spiels – gegen den "Elektronischen Antichristen". 

Doch in den Blogs wurde schon vorher viel darüber spekuliert, ob es es um eine Marketing-Aktion handeln würde oder nicht. Allzu viel Glaubwürdigkeit hatte die Protestaktion anscheinend nicht. Dennoch stellt sich mir die Frage, inwieweit eine solche inszenierte Kommunikation bzw. Täuschung der Öffentlichkeit überhaupt ihre Berechtigung hat? Es ist doch von vornherein eher ein werblicher Ansatz, der  nicht auf Kommunikation, sondern auf reine Aufmerksamkeit und das spielerische Element setzt. Welche Konsumenten will man auf diese Art und Weise ansprechen? Und wann hört der Spaß wirklich auf, bei fundamentalen Christen oder Moslems? Wann ist der öffentliche Protest überhaupt noch ernstzunehmen, wenn die Demonstranten einfach gekauft worden sind? Davon gibt es ja inzwischen nicht so wenige Fälle…

Zu einer Firma wie EA mag Guerilla Marketing sogar noch passen, weil es hierbei um die Vermarktung von Spielen geht, doch sollte nicht auch EA mehr Wert auf Kommunikation und die eigene Reputation legen? In der Vergangenheit hat sich der SIMS-Spielehersteller hierbei eher sehr zurückhaltend gezeigt, wie er zum Start seines Evolutionsspiels Spore deutlich machte. Die Kundenbewertungen auf Amazon sind noch immer sehr negativ. 

Was halten Sie von einer solchen Guerilla Marketing-Aktion?

>> Zahlreiche Fotos von der Marketing-Aktion
>> Spiegel: Christen verdammen Höllenspiel  
>> Spiegel: Virales Marketing: Electronic Arts bezahlte falsche Fundamentalisten 

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

9 Replies to “Göttliche Protest-Komödie im Auftrag von Electronic Arts”

  1. Ist zwar sehr kreativ, geht für mich aber zu weit, gerade dann, wenn es die Presse als „wahr“ weiter transportiert (kein Vorwurf hier an den Spiegel). Dennoch interessant, wie Unternehmen nun schon den Protest gegen sie selbst bezahlen 😉
    dk

  2. @Mirko Stimmt, da war doch etwas. Aber die Bahn-PR galt ja nicht als Guerilla Marketing und sollte sich nicht viral verbreiten, insofern handelt es sich um „ernsthafte“ Kommunikationsversuche, die (leider?) entlarvt worden sind. *g*

  3. Ich finde die Aktion total witzig – wenn man den Hintergrund kennt. Was kann denn schlimmstenfalls passieren? EA schießt nur sich selbst ins Knie, wenn der Beitrag ernst genommen wird. Und der „Praystation“ vielleicht noch 😉

  4. Tja, echt blöd. Hätte die Bahn noch einen kleinen Gag eingebaut, wäre ihr vieles erspart geblieben. Merke: Wenn du täuschen willst, mach’s mit Humor – egal wie schlecht der auch sein mag! Das ist ein super Hintertürchen!

  5. Electronic Arts versucht sich am Viralen Marketing

    Quelle: news.bigdownload.com/
    Gute Viral-Aktionen sind mehr als eine bloße Täuschung des Adressaten – die Idee, Demonstranten zu mieten, ist ja nicht ganz neu. Doch EA Games trug etwas zu dick auf, als in Los Angeles ein Dutzend wütender christliche…

  6. Diese Art von „Reverse Astroturfing“ kann mittelfristig nur negative Auswirkungen auf die Reputation haben. Nicht, weil mit Religionen gespielt wird (das müssen diese in einer medialen Demokratie abkönnen), sondern weil hier eine Grassroots-Bewegung inszeniert wurde, die es schlicht nicht wirklich gibt. Das wirkt bestenfalls peinlich, schlimsstenfalls verzweifelt und impliziert eine schlechte Qualität des beworbenen Produktes.
    Vor allem war das ganze auch so UNNÖTIG… wie ich schon auf Martin Oetting’s Facebook-Stream sagte: Man hätte es wenigstens cleverer machen und mit einer PR-Meldung in den richtigen Kanälen oder offensiver Kommunikation ECHTE Fundi-Christen auf die Barrikaden bringen können.
    Sollte doch gar nicht so schwer sein, die Anti-Gay-Jünger von Hardcore-Schwachkopf james Dobson bei http://www.focusonthefamily.com/ oder die Hysterikerinnen bei „Concerned Women for America“ (http://www.cwfa.org/main.asp) sind doch leicht genug anzustacheln. Selbst über die angeblich homosexuellen Neigungen von Spongebob Squarepants hat man sich dort schon beschwert…

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