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Göttliche Protest-Komödie im Auftrag von Electronic Arts

Wofür steht eigentlich die Abkürzung EA? Electronic Anti-Christ und nicht Electronic Arts, hieß es vor einigen Tagen auf einer fundamentalchristlichen Demonstration in Los Angeles im Umfeld der Videospielmesse Electronic Entertainment Expo. Doch der Videospielhersteller Electronic Arts gab jetzt zu, dass es es sich um Guerilla Marketing handelte. Darauf hat EA in der  Vergangenheit schon sehr oft erfolgreich gesetzt und auch dieses Mal Aufmerksamkeit in den Medien erhalten. 

Rund 20 Demonstranten hielten vor der Videospielmesse Electronic Entertainment Expo Schilder hoch mit Aussagen wie "Die Hölle ist kein Spiel!" und verteilten Flugblätter gegen das Game "Dante's Inferno". Zunächst hatte Electronic Arts Deutschland das Geschehen nicht kommentiert, bis jetzt die US-Mutter die Inszenierung zugab.

Trotz einiger Zweifel hieß es auf Spiegel Online trotz allem: 

"Doch für die Handvoll Protestierer vor dem Eingang der Gamesmesse "Electronic Entertainment Expo" (E3) ist das hier kein Witz: Sie empören sich über das neue Videospiel "Dante's Inferno", und auf eines ihrer in den grauen Himmel von Los Angeles gereckten Schilder haben sie geschrieben, gegen wen sie hier auf die Straße gehen: gegen die Firma Electronic Arts, den Hersteller des Spiels – gegen den "Elektronischen Antichristen". 

Doch in den Blogs wurde schon vorher viel darüber spekuliert, ob es es um eine Marketing-Aktion handeln würde oder nicht. Allzu viel Glaubwürdigkeit hatte die Protestaktion anscheinend nicht. Dennoch stellt sich mir die Frage, inwieweit eine solche inszenierte Kommunikation bzw. Täuschung der Öffentlichkeit überhaupt ihre Berechtigung hat? Es ist doch von vornherein eher ein werblicher Ansatz, der  nicht auf Kommunikation, sondern auf reine Aufmerksamkeit und das spielerische Element setzt. Welche Konsumenten will man auf diese Art und Weise ansprechen? Und wann hört der Spaß wirklich auf, bei fundamentalen Christen oder Moslems? Wann ist der öffentliche Protest überhaupt noch ernstzunehmen, wenn die Demonstranten einfach gekauft worden sind? Davon gibt es ja inzwischen nicht so wenige Fälle…

Zu einer Firma wie EA mag Guerilla Marketing sogar noch passen, weil es hierbei um die Vermarktung von Spielen geht, doch sollte nicht auch EA mehr Wert auf Kommunikation und die eigene Reputation legen? In der Vergangenheit hat sich der SIMS-Spielehersteller hierbei eher sehr zurückhaltend gezeigt, wie er zum Start seines Evolutionsspiels Spore deutlich machte. Die Kundenbewertungen auf Amazon sind noch immer sehr negativ. 

Was halten Sie von einer solchen Guerilla Marketing-Aktion?

>> Zahlreiche Fotos von der Marketing-Aktion
>> Spiegel: Christen verdammen Höllenspiel  
>> Spiegel: Virales Marketing: Electronic Arts bezahlte falsche Fundamentalisten 

Klaus Eck