Wie man Social Media im Unternehmen rechtfertigt

2 Minuten Lesedauer

Ihr Unternehmen ist noch nicht in die Tiefen des Social Webs vorgedrungen? Dann wird es meiner Ansicht nach langsam Zeit dafür. Ein solcher Schritt zeigt, dass Ihre Firma sich mit neuen Dynamiken im Internet auseinander setzt und bereit ist zu experimentieren. Dadurch machen Sie sich auch für Digital Natives als Arbeitgeber attraktiver, die es gewohnt sind via StudiVZ, Twitter und Facebook zu kommunizieren. Eventuell sind Sie sogar in einer Branche, in der Sie den „First Mover“-Effekt ausnutzen können? Dann ist Ihnen Publicity und das Interesse der Web-Gemeinschaft sicher. Generell ist der Schritt hin zu einer offeneren Kommunikation immer einer, der von außen als positiv bewertet wird. 

Transparenz1. Es fördert die Transparenz im Unternehmen. Sie haben in Ihrem Firmenprofil das Wort Transparenz platziert? Twitter, Blogs und Soziale Netzwerke sind die Orte, an denen Sie die versprochene Transparenz auch beweisen können. Revidieren Sie die Floskeln der traditionellen Organisationskommunikation und machen Sie sich selber greifbar. 

2. Zielgruppen und Multiplikatoren können gezielter angesprochen und mobilisiert werden. Wer sich für Sie interessiert, der sollte auch angesprochen werden. Wer Ihren Corporate Blog besucht oder kommentiert, identifiziert sich als potentieller Interessent. Suchen Sie den Dialog zu Ihren Stakeholdern, Sie werden überrascht sein, wie wertvoll dieser werden kann.

3. Der emotionale Zugang zum Unternehmen wird gefördert. Je mehr Ihr Unternehmen kommuniziert und je stärker es sich durch die Social Media Aktivitäten profiliert, desto mehr "Identifikationspunkte" gibt es für Stakeholder. Die dadurch vereinfachte Identifikation mit Ihrer Organisation oder Ihrem Produkt ist eine hilfreiche Basis für eine neue Art von Kundenbindung: Eine Bindung, die nicht allein durch Preis und Konditionen bestimmt wird, sondern eher von dem, was die Menschen mit Ihnen verbinden. Sie geben Einblicke, zeigen gesellschaftspolitisches Engagement oder sind humorvoll – und erweitern damit die Wahrnehmung Ihrer Organisation um eine persönliche Dimension. 

4. Einsichten werden gewonnen und ermöglicht. Sie glauben gar nicht, für was sich die Menschen so alles interessieren. Setzen Sie die Scheuklappen ab und sehen Sie sich um – Ihr Unternehmen ist voll von interessanten Vorgängen, Ihr Kopf gefüllt mit spannenden Gedanken. Warum teilen Sie diese Dinge nicht mit? Liefern Sie Einblicke und treten Sie so in Dialog mit ihren Stakeholdern. Durch Kommentare und Antworten wird Ihnen immer wieder eine Aussensicht der Dinge dargelegt – das hilft neue Blickwinkel einzunehmen und ihre Organisation als ein lebendiges Ganzes zu betrachten. 

5. Die Masse erleichtert Entscheidungen (Crowdsourcing). Sie haben mehrere Marketing-Ideen und können nicht entscheiden, welche sie umsetzen wollen? Geben Sie die Frage weiter: An Ihre Follower auf Twitter, Fans und Leser. Die Weisheit der Vielen ermöglicht offene Innovationen und hat schon vielen Unternehmen geholfen, neue Wege zu beschreiten. Ihre Stakeholder fühlen sich integriert und respektiert, können eine Rolle annehmen und so noch stärker in Kontakt mit Ihnen treten. Genauso verhält es sich mit Ihren Mitarbeitern – sie sind die wahren Experten in ihren Bereichen, ihre Stimme sollte nicht überhört werden.  

6. Kritik existiert auch so (nur an anderer Stelle). Sie haben Angst vor Kritik in Ihrem Blog oder Ihrem Twitter-Account? Kritik ist zum einen wertvolles Feedback, zum anderen haben Sie so die unterschätzte Möglichkeit, direkt darauf zu reagieren. Auch ohne Ihre Präsenz würden die Kritiker publizieren – nur außerhalb Ihres Sichtbereiches, ohne eine Möglichkeit zur Stellungnahme. Was ist Ihnen lieber?

Gesicht7. Organisationen bekommen Gesichter. Social Media zeigt, richtig angewandt, die Menschen hinter den Markennamen. Gesichtlose Markenaccounts haben es schwer Emotion und Passion zu transportieren, ganz anders verhält es sich mit persönlichen Profilen. Ein Großteil des Lebens Ihrer Mitarbeiter ist ihre Arbeit, ihre Verbindung zu Ihrer Organisation: Wo findet diese bisher Ausdruck? Zeigen Sie die Gesichter, die Ihr Unternehmen zu dem machen was es ist. 
8. Die interne Kommunikation wird besser. Sie verschicken wöchentlich oder gar täglich interne Memos und Newsletter, um Ihre Belegschaft auf dem neuesten Stand zu halten? Wieso stellen Sie diese Informationen nicht in einen internen Blog? So kann jeder frei seine Gedanken dazu äußern, Hierarchieebenen können übersprungen werden und Ihre Mitarbeiter fühlen sich ernst genommen. Bloggende Führungskräfte können mit weniger Zeitaufwand in viel engerem Kontakt zu ihren Mitarbeitern stehen, als sie es durch einseitige Kommunikation tun. 

>> Bildnachweis – Transparenz: flickr / lightmash
>> Bildnachweis – Gesicht: flickr / Gaetan Lee

12 Replies to “Wie man Social Media im Unternehmen rechtfertigt”

  1. Ich finde die generelle Problematik liegt schon im Titel. Sich für die Nutzung von Social Media zu rechtfertigen zeigt ja letztendlich nur ein unausreichend ausgeprägtes Maß an Medienkompetenz, eventuell auf Offenheit in Führungsetagen.
    Andererseits ist es kein Allheilmittel für jedes Unternehmen die Möglichkeiten des Web 2.0 vollkommen auszuschöpfen, die Funktionsweisen müssen für einen effizienten Einsatz wirklich verstanden werden (Lieblingssatz einiger Mitstudenten bei neuen Projekten: „We DEFINITELY need a Facebook group!“).
    Den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Unternehmen jedweder Größe und dem Einsatz von Social Media sehe ich im bereits angesprochenen Argument die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen.

  2. Leider haben wir es in der Realität noch sehr oft mit „vorsichtigen“ Firmen zu tun.
    Und natürlich, jedwede Positionierung ist eine Schaffung von Angriffsflächen – dass ein „Angriff“ nicht unbedingt eine „Attacke“ sondern eher auf die Bedeutung des „Griffs“ zu führen ist, bleibt dabei aussen vor. Generell ist diese Metapher der „Griffigkeit“ bzw. des Schaffens von „Ankerpunkten“ in meinen Augen eine sehr gut geeignete.
    Und zu dem „We need a facebook group!“: Ungesteuerte Social Media Rundumschläge gibt es genügend. Die zumeist vernachlässigte Aufgabe ist es Mehrwert zu bieten und guten Content zu erstellen, sowie auf die Stakeholder und deren Wünsche einzugehen – und nicht das vorgemauerte Kommunikationskonzept auf einer anderen (oder jeder möglichen) Plattform umzusetzen.
    Allheilmittel gibt es natürlich keine, Placebos dafür genug 😉

  3. Social Web, Transparenz und Morphium Film

    Klaus Eck von PR-Blogger hat heute einen netten Beitrag verfasst, in dem er Argumente für social media in einem Unternehmen zusammenträgt.
    Sie haben in Ihrem Firmenprofil das Wort Transparenz platziert? Twitter, Blogs und Soziale Netzwerke sind die O…

  4. Sehr interessanter und vor allem Top-Aktueller Beitrag.
    Ich kann mich den bisherigen Kommentaren da nur anschließen: Wenn man sich für Social Media rechtfertigen muss, hat man als Unternehmen das ganze in meinen Augen noch nicht richtig verstanden. Es geht hier ja nicht um irgendwelche sinnfreien Blogs oder Twitter-Accounts, sondern vielmehr um eine direkte und – mit einer strategischen Herangehensweise – auch durchaus recht charmante Art der Kommunikation, die schnell und authentisch ist.
    Ich bin auch davon überzeugt, dass das Argument einer möglichen Angriffsfläche nicht wirklich zieht. Wenn man etwas „verbockt“ hat, wir das Ganze mitunter sowieso den Weg in die Blogosphäre finden, dann aber vermutlich mit einer ganz anderen Wucht! Die Jamba-Jungs können da sicherlich ein Liedchen davon singen….
    Ich kann nur dazu raten, sich mit dem Thema ERNSTHAFT auseinander zu setzen. Mittel- und langfristig wird sich dies höchstwahrscheinlich lohnen. Von Aktionen nach dem Motto „Wir machen Social Media, wir haben ein Blog!“ kann ich allerdings nur abraten! Hier kann der Schuss schnell nach hinten losgehen…

  5. @TechDivision:
    Charmante Art der Kommunikation – da kann ich nur zustimmen! Wenn es doch jede Organisation, die derzeit auf Twitter aufspringt, so halten würde…wie oft habe ich schon gesehen dass nur RSS-Feeds hereingekippt werden? Oder der Markenaccount zwar ein paar Follower hat, ihnen aber nicht zurück followt? Das zeigt mir dann dass man mit den traditionellen Marketing-Paradigmen nicht weiter kommt – aber immernoch versucht wird sie krampfhaft umzusetzen.
    Allein wenn man sich die Clickraten auf Banner in Social Networks ansieht (mit denen ich gerade privat rumexperimentiere) – da wird ein Banner 10.000 mal angezeigt und knapp 10 Leute klicken darauf. Für mich heisst dass, das ein Kontext existieren muss um Interesse zu generieren. Und das geht eher über eine Gruppe (oder einen guten, charmanten Twitter-Account) als über Einblendungen von Werbung.

  6. „Märkte sind Gespräche“ – so lautet die erste These des Cluetrain-Manifests. Interpersonale Netzwerke spielen in Zeiten der kommunikativen Reizüberflutung in zunehmendem Maße eine Rolle für Marketingbotschaften, sie gelten sogar als Ausdrucksformen des menschlichen Verhaltens in der modernen Gesellschaft. Da Konsumenten immer als Bestandteil eines sozialen Netzwerks, in dem sie die unterschiedlichsten sozialen Beziehungen unterhalten, angesehen werden sollten, kann auch die Welt des Produktes nicht unabhängig von den Auswirkungen auf das soziale Gefüge gesehen werden.
    Die Theorie nun in die Praxis umsetzend bedeutet, dass man sich als Unternehmen ZWINGEND damit auseinander setzen muss. Dabei teile ich die Meinung, dass es sich dabei nicht um einen additiven sondern hochgradig um einen integrativen Ansatz handeln muss, vollkommen. Ansonsten verkommen die Maßnahmen zum Lippenbekenntnis, zum kommunikativen Feigenblatt um sich das Mäntelchen der Modernität umzuhängen. Alter Wein in neuen Schläuchen fällt aber spätestens im Glas auf. Um im Bild zu bleiben, könnte dieses Glas beispielsweise die Produktpolitik eines Unternehmens sein. Bei den Produkten selbst merkt der User, merkt der Konsument, wie weit es denn mit den Bekenntnissen einer web 2.0 Hinwendung ernst gemeint ist. Ich kann nicht auf der einen Seite „offen“ und „volksnah“ kommunzieren und auf der anderen Seite die Leute bei meinen Produkten im Rahmen einer Black Box über Tisch ziehen.
    Insofern geht meine Interpretation eines web 2.0 orientierten Unternehmens weit über die eigentliche technik bzw. die eigentlich technischen Möglichkeiten hinaus. Es handelt sich – aus meiner Sicht – um ein „Gesamt-Kunstwerk“ (Der Begriff kommt aus der Bauhaus Ecke, 20er/30er Jahre des letzten Jahrhunderts, geprägt von Leuten wie Kandinsky u. a.) das verschiedenste Disziplinen berücksichtigen muss. Sollte ein Unternehmen wirklich ernsthaft Transparenz vie web 2.0 Applikationen, Plattformen und Features betreiben wollen, muss es als allererstes ein extrem konsequentes kundenzentriertes Denken und Handeln vorweisen können. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Dies hat mehrere Konsequenzen, beispielsweise die Interaktion mit dem Kunden bei der Gestaltung von Produkten, Prozessen etc. Die Organisation muss dies ermöglichen. Muss dafür fit sein. Schlank, kosteneffizient, klare Konzentration auf Kernkompetenzen.die Produktpolitik des Unternehmens muss darauf eingestellt sein. Und – mit am Wichtigsten – die Kultur und Werte des Unternehmens müssen passen und müssen gelebt werden.
    Eigentlich wollte ich mich kurz fassen. Aber dann gings dahin… Das Thema weckt halt meine Leidenschaft.

  7. @Matthias Kröner:
    „Das Thema weckt halt meine Leidenschaft.“ – das ist schön zu hören. Passion steht für mich auch im sehr engen Zusammenhang mit Dialog. Über dialogische Vorgehensweisen können Dinge mit Emotionen versehen werden, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Authentisch eben.
    Ich bin derzeit sehr stark am Überlegen ob ich meine Diplomarbeit dem Thema „Dialog“ widme. Natürlich stark eingegrenzt und eventuell an einem Beispiel erklärt – das Thema scheint mir extrem zukunftsträchtig zu sein.
    Und zum Paradigma des Gesamt-Kunstwerk – ein holistischer Ansatz, der mir auch sehr gut gefällt. Hier kommt wiederum Authentizität zum Tragen, also die Deckungsgleichheit von realem Bild und Image bzw. Message. Die Zeit der Maskerade scheint besonders im sozialen Web vorbei zu sein.

  8. Sehr guter Beitrag. Ich bin auch der Meinung, dass kein Unternehmen es rechtfertigen muss. Ich wünsche mir sogar, dass viel mehr in diesem Bereich aufgeklärt wird und es dann mehr Unternehmen machen. Aber das wird wohl noch sehr lange dauern, bis es richtig interessant auf diesem Gebiet wird. Unsere Gesellschaft ist nicht so schnell. 😉

  9. Mir konnte bisher noch keiner den Sinn von Twitter nahebringen, weder für private Zwecke und schon gar nicht für Unternehmen.
    Lasse mich aber trotzdem weiterhin gerne überzeugen.
    Ansonsten gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass viele Web 2.0-Urgesteine verzweifelt versuchen, ihre Bloggerei und damit verbundene Dienstleistungen vor der wachsenden Ignoranz einer Reihe durchaus Internet-affiner Menschen zu retten.
    Ich als Verbraucher habe es bestimmt ständig mit Produkten von bestimmt zehn Firmen zu tun. Soll ich denn ständig deren CEO-Blog, Wikis, Twitter, Produktentwicklungsplattformen und was weiß ich noch verfolgen?! Ich habe weder die Zeit noch die Lust dazu, das alles zu lesen.

  10. @Tobias:
    „Nutzen“ ist immer eine Definitionsfrage. Nutzen kann auch Ablenkung sein, oder Kommunikation im Freundeskreis. Die Arten die es gibt, Twitter und Social Networks zu nutzen, das wäre schon wieder nen Buch wert.
    Das Interessante daran ist die verschiedenen Nutzungstypen in Interaktion zu sehen. Und der Sinn für Twitter für Unternehmen? In einem aktuelleren Blogpost geht Herr Eck auf das Krisenmanagement von Prezi ein, ich denke das ist ein guter Use-Case:
    http://pr-blogger.de/2009/05/twitter-in-der-krisenpr.html
    Wachsende Ignoranz? Ich sehe da eher wachsendes Interesse – wenn man bedenkt wer derzeit auf den Social Media Zug aufspringt…und ich glaube nicht dass es sich dabei um einen Hype bewegt, sondern eher um die Rückkehr zum menschlichen Dialog. In meiner Diplomarbeit werde ich auch genau dieses Thema verarbeiten – die Rückkehr zum Dialog.
    mfg
    Christoph Bauer

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