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SPD-Politiker Jörg Tauss in der Reputationsfalle

Tauss
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss hat heute viele seiner politischen Ämter niedergelegt, weil er beschuldigt wird, Kinderpornographie zu besitzen. Sein Ruf ist allein durch die reine Beschuldigung völlig ruiniert worden, denn etwas wird in jedem Falle haften bleiben. Innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Internet-Experten Tauss hat dieser sich von seinen meisten Ämtern zurückgezogen. Der bisherige Sprecher der AG Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion rechtfertigt sich in Interviews damit, dass er das Kinderporno-Material für Recherchen und Informationsbeschaffung gebraucht habe. 

Die Durchsuchung seiner privaten und beruflichen Räume wurde durch einen Hinweis der Staatsanwaltschaft Bremerhaven ins Rollen gebracht – diese hatte bei einem wegen der Verbreitung von Kinderpornographie Beschuldigten, Tauss‘ Telefonummer gefunden. Daraufhin wurde seine Immunität aufgehoben und seine Wohnungen und Büros in Berlin sowie seinem Karlsruher Wahlkreis durchsucht.

Binnen weniger Stunden haben Medien (über 800 Meldungen – Google News) und Blogs das Thema aufgenommen und auch die deutschsprachige Twittersphäre hat schnell auf das Issue Tauss reagiert, was sich unmittelbar auf dessen Online-Reputation auswirkt: Jörg Tauss, der selber eigentlich sehr gut im Netz positioniert ist (siehe unten) und als Experte für neue Medien gilt, hat nun als erste Reaktion eine Rücktrittserklärung auf seiner Website www.tauss.de veröffentlicht. Vorher hielt sich der Politker, der auch auf Twitter vertreten ist, mit Aussagen zu dem Fall im Social-Media-Bereich zurück und hat seit Beginn der Debatte auf das Twittern verzichtet. Stattdessen liest man auf seiner Website nur eine klassische Meldung für die Presse:

„Diesen Vorwürfen werde ich mich stellen und die Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung des Sachverhaltes nach allen Kräften unterstützen und kooperativ mit ihnen zusammenarbeiten. Ich bin mir absolut sicher, dass der gegen mich erhobene Vorwurf schnell ausgeräumt werden kann.“ (Jörg Tauss)

Angesichts des Kinderpornographie-Vorwurfs stellt sich die Frage, wie soll oder kann sich jemand, der öffentlich dermaßen angeprangert wird, sich überhaupt noch effektiv verteidigen? Die Medien und Blogs vermitteln in ihren Überschriften ein klares Bild, dass sich unmittelbar auf die Reputation von Jörg Tauss auswirkt. Dabei ist es völlig egal, ob er schuldig oder unschuldig im Sinne der Anklage ist. Jeder Suchtreffer suggeriert im Web: Jörg Tauss hat etwas mit Kinderpornos zu tun. 

In seinem Wikipedia-Beitrag heißt es seit heute: 

„Am 5. März 2009 hob der Bundestag im Zuge staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen Tauss wegen Verdachts des Besitzes kinderpornographischer Schriften seine Immunität als Abgeordneter auf. Er äußerte sich gegenüber der dpa: „Ich warte mit Gelassenheit ab.“ „Ich beschäftige mich seit Jahren mit dieser Szene.“ Ob es sich hier unter Umständen um eine „Revanchehandlung“ handelt, könne er nicht sagen“ ( Wikipedia Jörg Tauss

Aber trotz der harten Vorwürfe gegenüber dem SPD-Bundestagsabgeordneten steht Jörg Tauss noch relativ gut da. Er hat immerhin einige gute zu findende Webadressen mit seinem Online-Profil.

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Es ist sogar in gewisser Weise verständlich, dass er momentan nicht auf eine aktive Online-Kommunikation via Twitter setzt. Schließlich könnte sich die Twittersphäre auch sehr schnell gegen ihn wenden, wenn sich die Vorwürfe erhärten lassen. Darüber hinaus gibt es zumindest unter vielen Blogger die Meinung, dass an den Verdachtsmomenten nichts dran sein könne. Einige glauben sogar, dass es eine inszenierte Hexenjagd auf Jörg Tauss sei.

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Jedenfalls scheinen sich viele Twitterer für Jörg Tauss zu interessieren, seine Followerschaft konnte er erheblich ausbauen. Das birgt auch auf diesem neuartigen Kommunikationskanal für seinen Reputationswiederaufbau nach der jetzigen Krise durchaus Chancen – unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld. Aber auch auf Facebook ist der Politiker aktiv, verfügt über eine Fansite und ein eigenes Profil. Einen guten Überblick über all seine Aktivitäten gibt das SPD-Mitglied in der Tausskurve:

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Was würden Sie in dieser Situation Jörg Tauss raten, wenn dieser tatsächlich unschuldig sein sollte? Soll er sich eher bedeckt halten, die Krise sozusagen aussitzen, bis sie juristisch beigelegt ist, oder schon jetzt aktiv (auch in Social Media) die Vorwürfe zurückweisen. Was meinen Sie?

>> Netzpolitik.org – Zu den Kinderpornographie-Vorwürfen gegen Jörg Tauss 
>> Spiegel Online – Kinderporno-Fund bringt SPD-Politiker in Erklärungsnöte
>> Süddeutsche.de – Jörg Tauss gibt alle Ämter auf
>> Twitter-Account von Jörg Tauss
>> Tauss‘ Stellungnahme – Jörg Tauss erklärt zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zur Verbreitung kinderpornographischer Schriften
>> Bild-Quelle: spdfraktion.de

Klaus Eck