Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

SPD-Politiker Jörg Tauss in der Reputationsfalle

2 Minuten Lesedauer

Tauss
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss hat heute viele seiner politischen Ämter niedergelegt, weil er beschuldigt wird, Kinderpornographie zu besitzen. Sein Ruf ist allein durch die reine Beschuldigung völlig ruiniert worden, denn etwas wird in jedem Falle haften bleiben. Innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Internet-Experten Tauss hat dieser sich von seinen meisten Ämtern zurückgezogen. Der bisherige Sprecher der AG Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion rechtfertigt sich in Interviews damit, dass er das Kinderporno-Material für Recherchen und Informationsbeschaffung gebraucht habe. 

Die Durchsuchung seiner privaten und beruflichen Räume wurde durch einen Hinweis der Staatsanwaltschaft Bremerhaven ins Rollen gebracht – diese hatte bei einem wegen der Verbreitung von Kinderpornographie Beschuldigten, Tauss‘ Telefonummer gefunden. Daraufhin wurde seine Immunität aufgehoben und seine Wohnungen und Büros in Berlin sowie seinem Karlsruher Wahlkreis durchsucht.

Binnen weniger Stunden haben Medien (über 800 Meldungen – Google News) und Blogs das Thema aufgenommen und auch die deutschsprachige Twittersphäre hat schnell auf das Issue Tauss reagiert, was sich unmittelbar auf dessen Online-Reputation auswirkt: Jörg Tauss, der selber eigentlich sehr gut im Netz positioniert ist (siehe unten) und als Experte für neue Medien gilt, hat nun als erste Reaktion eine Rücktrittserklärung auf seiner Website www.tauss.de veröffentlicht. Vorher hielt sich der Politker, der auch auf Twitter vertreten ist, mit Aussagen zu dem Fall im Social-Media-Bereich zurück und hat seit Beginn der Debatte auf das Twittern verzichtet. Stattdessen liest man auf seiner Website nur eine klassische Meldung für die Presse:

„Diesen Vorwürfen werde ich mich stellen und die Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung des Sachverhaltes nach allen Kräften unterstützen und kooperativ mit ihnen zusammenarbeiten. Ich bin mir absolut sicher, dass der gegen mich erhobene Vorwurf schnell ausgeräumt werden kann.“ (Jörg Tauss)

Angesichts des Kinderpornographie-Vorwurfs stellt sich die Frage, wie soll oder kann sich jemand, der öffentlich dermaßen angeprangert wird, sich überhaupt noch effektiv verteidigen? Die Medien und Blogs vermitteln in ihren Überschriften ein klares Bild, dass sich unmittelbar auf die Reputation von Jörg Tauss auswirkt. Dabei ist es völlig egal, ob er schuldig oder unschuldig im Sinne der Anklage ist. Jeder Suchtreffer suggeriert im Web: Jörg Tauss hat etwas mit Kinderpornos zu tun. 

In seinem Wikipedia-Beitrag heißt es seit heute: 

„Am 5. März 2009 hob der Bundestag im Zuge staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen Tauss wegen Verdachts des Besitzes kinderpornographischer Schriften seine Immunität als Abgeordneter auf. Er äußerte sich gegenüber der dpa: „Ich warte mit Gelassenheit ab.“ „Ich beschäftige mich seit Jahren mit dieser Szene.“ Ob es sich hier unter Umständen um eine „Revanchehandlung“ handelt, könne er nicht sagen“ ( Wikipedia Jörg Tauss

Aber trotz der harten Vorwürfe gegenüber dem SPD-Bundestagsabgeordneten steht Jörg Tauss noch relativ gut da. Er hat immerhin einige gute zu findende Webadressen mit seinem Online-Profil.

09-130

Es ist sogar in gewisser Weise verständlich, dass er momentan nicht auf eine aktive Online-Kommunikation via Twitter setzt. Schließlich könnte sich die Twittersphäre auch sehr schnell gegen ihn wenden, wenn sich die Vorwürfe erhärten lassen. Darüber hinaus gibt es zumindest unter vielen Blogger die Meinung, dass an den Verdachtsmomenten nichts dran sein könne. Einige glauben sogar, dass es eine inszenierte Hexenjagd auf Jörg Tauss sei.

09-131

Jedenfalls scheinen sich viele Twitterer für Jörg Tauss zu interessieren, seine Followerschaft konnte er erheblich ausbauen. Das birgt auch auf diesem neuartigen Kommunikationskanal für seinen Reputationswiederaufbau nach der jetzigen Krise durchaus Chancen – unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld. Aber auch auf Facebook ist der Politiker aktiv, verfügt über eine Fansite und ein eigenes Profil. Einen guten Überblick über all seine Aktivitäten gibt das SPD-Mitglied in der Tausskurve:

09-133

Was würden Sie in dieser Situation Jörg Tauss raten, wenn dieser tatsächlich unschuldig sein sollte? Soll er sich eher bedeckt halten, die Krise sozusagen aussitzen, bis sie juristisch beigelegt ist, oder schon jetzt aktiv (auch in Social Media) die Vorwürfe zurückweisen. Was meinen Sie?

>> Spiegel Online – Kinderporno-Fund bringt SPD-Politiker in Erklärungsnöte
>> Süddeutsche.de – Jörg Tauss gibt alle Ämter auf
>> Twitter-Account von Jörg Tauss
>> Tauss‘ Stellungnahme – Jörg Tauss erklärt zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zur Verbreitung kinderpornographischer Schriften
>> Bild-Quelle: spdfraktion.de

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

15 Replies to “SPD-Politiker Jörg Tauss in der Reputationsfalle”

  1. Auf dieser doch recht dünnen Grundlage kann man Herrn Tauss nicht wirklich gut beraten. Insbesondere wissen wir zu wenig über die konkreten Umstände. Wenn der Sachverhalt sehr komplex und damit schwer nachzuvollziehen sein sollte, dann wäre Schweigen sicher nicht die schlechteste Option. Allerdings ist die aktuelle Funkstille auf Twitter auch nicht sonderlich vertrauenerweckend. Ein kurzes Lebenszeichen hielte ich deshalb für angebracht. Und sei es nur etwas in der Art: „Auf Anraten meiner Anwälte werde ich mich hier derzeit nicht zum laufenden Verfahren äußern. Danke für die Unterstützung und das Verständnis“ (140 Zeichen)

  2. Vielleicht lassen sich die vielen Kontakte später nutzen um viele positive Inhalte zu schaffen (Blog Artikel usw). Ich wuerde also eher noch abwarten. Oder zumindest nicht zu offensiv agieren, da dies oft falsch wirkt.

  3. Nachdem sein Anwalt offenbar noch keine Akteneinsicht hatte und den genauen Tatvorwurf nicht kennt, wäre Tauss besser beraten gewesen, keinerlei öffentliche Erklärungen abzugeben.

  4. Aus Kommunikationssicht hängt viel davon ab, ob Jörg Tauss schuldig im Sinne der Vorwürfe ist oder nicht. Wenn er unschuldig ist, sollte er sich definitiv nicht die Initiative aus der Hand reißen lassen und weiter kommunizieren. Falls die Vorwürfe zutreffen, ist Funkstille angesagt, zumal falsche Dementis bei Richtern selten gut ankommen.

  5. Ich gehe davon aus, dass seine Rechtsvertretung ihm geraten hat, sich momentan nicht zu äußern. Das ist auch vernünftig.
    Denn gegen die vielen Spekulationen und dem Schaden, der jetzt schon entstanden ist, lässt sich aktuell nichts ausrichten.
    Erst wenn die Ermittlungen ausgewertet und bekanntgegeben worden sind, sollte Herr Tauss ein Statement dazu abgeben.
    Und sich vielleicht eine gewisse Zeit aus den „Communitys“ zurückziehen.

  6. Egal, ob er schuldig ist oder nicht, wird ihm jeder vernünftige Strafverteiger dazu raten, erstmal gar nichts zu sagen, bevor man den Akteninhalt nicht kennt und mit der Staatsanwaltschaft nicht auf Augenhöhe diskutieren kann.

  7. Wenn er das Dreckszeug wirklich gebraucht hat, um in seinem Job als medienpolitischer Sprecher der SPD Ahnung zu haben, wovon er redet… – nunja, dann ist er unschuldig.
    Denn irgendwer in den obersten Instanzen, in Parlament und Regierung muss ja wissen, *was* an Schweinkram existiert, um dagegen vorgehen zu koennen.
    Wenn er aber pervers veranlagt sein sollte, dann soll er nicht nur von den Aemtern zuruecktreten, sondern auch aus dem Bundestag ausscheiden.
    Doch in D gilt immer noch: in dubio pro reo. Und solang er nicht verurteilt ist, gilt die Unschuldsvermutung.

  8. Reputation Management hin oder her – Tauss hätte doch, gerade wenn er sich nur dienstlich mit dem Thema beschäftigt hat – ein Krisenszenario vorbereiten müssen, das genau diesen Fall abdeckt: Ungerechtfertigte Vorwürfe, Rufschädigung, politischer Rufmord. Jemand von dieser Kragenweite (und mit dieser Netz-Erfahrung) kann doch unmöglich so blauäugig in einen solchen GAU hineinschlittern?

  9. Es wäre wünschenswert, dass er sich als unschuldig erweist. Seine Online-Reputation bliebe natürlich ruiniert, doch das sollte noch mehr Personen passieren als nur ihm. Damit den Webnutzern klar wird, dass eine Google- oder Yasni-Suche eine ebenso schlechte Quelle ist wie der Tratsch im Treppenhaus. Erst wenn so viele Falschinformationen im Web kursieren, dass auch die Leichtgläubigsten diesem Medium nicht mehr vertrauen als sie Nachrichten auf einer Klowand glauben, erst dann wird man dieses Medium erwachsen konsumieren.

  10. „…rechtfertigt sich in Interviews damit, dass er das Kinderporno-Material für Recherchen und Informationsbeschaffung gebraucht habe.“ So nennt man das heute also!

  11. Ob man eine Reputation retten bzw. wieder herstellen kann, hängt doch sehr stark davon ab, was diese Reputation ruiniert hat. Es gibt bestimmte Themen, da gibt es fürs Image einfach keinen Weg zurück, Kinderpornographie ist definitiv so ein Thema. Die Presse überschlägt sich… Franjo Pooth wurde medial gekreuzigt für etwas wonach normalerweise kein Hahn kräht,jedenfalls nicht in dem Umfang… und das nur weil er der Ehemann von Verona Feldbusch ist. Ihr Image wäre fast mit den Bach runter gegangen, in jedem Fall hat es ihr sehr geschadet. Wenn man nun den Rummel um Pooth betrachtet und dann Tauss und das Thema Kinderpornographie, dann muss man einfach sagen „das war´s“…Mann kann ihm auch nicht wirklich etwas raten,egal was er sagt, es wird nicht ankommen, je mehr er jetzt nach vorne geht, umso schlechter für ihn…dafür ist dieses Thema einfach zu schwarz/weiss besetzt. Sich ruhig verhalten und wenn die Zeit gekommen ist und seine Unschuld zweifelslos bewiesen worden ist, vor die Presse treten. Das würde ich ihm raten.
    Meine ganz persönliche Meinung – auch @bulldrinker…absolut niemand muss auf eigene Faust recherchieren und sich diesen Dreck für Recherchen und Informationsbeschaffung besorgen. Jemand in seiner Position als Politiker hätte ohne weiteres beim BKA in der entsprechenden Abteilung anklopfen können, und ihm wäre alles gezeigt worden, was er an Information hätte brauchen können und mich Sicherheit noch viel schlimmeres als er hätte finden können. Den Undercover-Phädophilen zu geben, ist entweder dumm oder hat seinen Grund. Die meisten Phädos nutzen ihren Job als Cover..Jeder Idiot heute weiß, was Kinderpornographie ist, wie sie verteilt wird und NIEMAND muss dazu eigene Recherchen betreiben…

  12. Ich habe gestern mit Freunden die Nachrichten gekuckt und die Ansagen waren ziemlich schnell klar: am liebsten hätten meine Mitseher sofort einen Galgen für Herrn Tauss gezimmert.
    Auch mit meiner Aussage, dass in Deutschland in dubio pro reo gilt und er das Material im Zuge seines Amtes (früher Medienbeauftragter) evtl. für «Recherche» und «Nachforschung» besitzt, hätten sie am liebsten gleich noch einen Galgen für mich mitgeschustert.
    Die Meinung der Öffentlichkeit kann also abgeschätzt werden.
    Kinderpornografie ist natürlich *der* Super-Gau! Und natürlich gibt es – zu Recht – im ersten Moment einen riesen Aufschrei von allen Seiten. Aber vielleicht hat sich Herr Tauss zumindest – wenn so etwas möglich ist – juristisch abgesichert und ständig jemanden über den Stand seiner «Recherchen» auf dem Laufenden gehalten. Somit wäre zumindest schonmal der Vorwurf, er würde es für Nicht-Recherchezwecke nutzen, ein wenig abgemildert.
    Aus der Aktion, dass so schnell die meisten Ämter niedergelegt wurden, spricht nicht gerade mit der Sprache der Unschuld.
    Ob er sich jetzt auf Twitter etc. melden sollte? Wenn er unschuldig ist bin ich ebenfalls der Meinung, dass er die Diskussion führen sollte und die Karten auf den Tisch legt. Wieso soll er sich nur in Interviews äußern? Wenn er das macht, dann kann er auch ein wenig twittern. Das Interesse an seiner Person ist schließlich sehr groß und die Twitterati wollen scheinbar Informationen von ihm persönlich bekommen, sonst würde sie ihm nicht folgen.
    Die Blogosphäre hat eine große Macht bekommen in den letzten Jahren. Diese sollte sich Herr Tauss zu Nutze machen.
    Auch finde ich, dass Anwälte (meistens) keine guten Kommunikationsberater sind – dafür gibt es schließlich professionelle Kommunikationsberater.
    Herr Tauss sollte sich auf keinen Fall auf dünnes Eis begeben und sagen, dass er «in allen Fällen unschuldig ist» etc. Das wäre falsch, und ein Richter könnte diese Aussage in einem späteren Verfahren auch falsch interpretieren.
    Und da muss ich @HelenaMathey recht geben: er hätte auch zum BKA gehen können, um dort Informationen zu bekommen.
    Die Informationen sind für eine Empfehlung erstmal viel zu wenig. Vielleicht wäre es für Herrn Tauss gut, die Öffentlichkeit mit Informationen aus erster Hand auszustatten. Dadurch werden die Medien etwas «unwichtiger» und er hat die Diskussion zumindest ein wenig in der Hand.
    Sorry, ein wenig ungeordnet: sitze gerade in einer Vorlesung …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.