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Tweets aus dem Jenseits – das Spiel mit Markennamen

Wer zum ersten Mal einen Blick auf Twitter wirft, hält das Microblogging aufgrund der vielen privaten Informationen oftmals für grenzwertig, weil es unglaublich vielfältige banale und spannende Informationen gleichzeitig anbietet. Doch wer hätte gedacht, dass es sogar die Grenzen zum Totenreich überschreiten kann. Auf Twitter konkurrieren alle Onliner mit den Toten oder deren virtuellen Wiedergängern um Aufmerksamkeit. Unter den bekannteren verstorbenen Persönlichkeiten finden sich auf Twitter unter anderem Shakespeare, Hemingway, Freud, Nietzsche, Einstein und Marx. Bei ihren Tweets orientieren sich einige der offensichtlichen Fake-Twitterer an Orginalquellen, spielen mit deren Reputation, andere immitieren deren Gedankengut oder sind ein bloßer Abklatsch vom historischen Original. Die meisten wollen weniger informieren, als vielmehr amüsieren.

Letztlich zeigen aber auch diese Twitter-Fakes der toten Promis sehr gut, dass sich Twitter-Accounts gut dazu eignen, eine populäre Marke zu inszenieren und (erneut) mit Leben zu füllen. Das gelingt den "untoten" Twitteren auf ganz unterschiedliche Weise. Aber warum sollte man nicht beispielsweise als Verlag im Namen von Edgar Allan Poe via Twitteraccount in seinem Jubiläumsjahr auf sein großartiges Werk verweisen? Oder als Darwin den Darwinismus verteidigen. 

Noch sind die Reichweiten hierzulande klein, die über Twitter zu erreichen sind. Dennoch sollte es interessierten Unternehmen schon heute darum gehen, die "richtigen" Marken auch auf Twitter abzusichern, damit darüber in Zukunft ein veritables Social-Media-Marketing erfolgen kann. Die (digitalen) Claims werden heute abgesteckt.

Nietzsche

  • Ernest Hemingway „All right. Have it your own way. Road to hell paved with unbought stuffed dogs. Not my fault.9:12 PM Feb 27th from twhirl“
  • Edgar Allan Poe – „A young lady who self-identifies as a vampire is now following me. We didn't have such creative modes of self-loathing in the 19th century. 6:38 AM Feb 28th from web“
  • Johann Wolfgang von Goethe – „Dressing up dont fill empty noddle.about 10 hours ago from web“
  • Marshall McLuhan – „We shape our tools, and thereafter our tools shape us. Media are make-happen rather than make-aware agents.about 8 hours ago from web.“
  • Konfuzius – "He who speaks without modesty will find it difficult to make his words good."about 16 hours ago from Twuffer
  • Friedrich Nietzsche – „In diesen Zeiten ein Kind zum Wirtschaftsminister zu machen erscheint mir wie das Mobilmachen von Knaben und Alten zum letzten Gefecht.8:53 AM Feb 12th from web“
  • Karl Heinrich Marx – „Gestern zum 61. Tag der Märzrevolution in Badener Weinstube versackt. Übermorgen Hofbräuhaus. Freitag: Lutter & Wegner. #partystressabout 12 hours ago from twhirl „
  • Gandhi – Bot mit Sprüchen – „I like your Christ. I do not like your Christians. Your Christians are so unlike your Christ.about 18 hours ago from web„
  • Charles Darwin – Tagebucheinträge werden getweetet -„Mr Dixon, the English resident, came on board. It is surprising to see how Englishmen find their way to every corner of the globeabout 13 hours ago from TheBeagle“
  • Buddha – Bot mit Sprüchen – "If you knew what I know about the power of giving, you would not let a single meal pass without sharing it in some way." ~Buddha
  • Albert Einstein – „Logic will get you from A to B. Imagination will take you everywhere.6:51 PM Jun 11th, 2008 from web“
All die in der "toten Twitter-Liste" genannten Persönlichkeiten sind populäre Beispiele berühmter Promis. Doch was passiert mit einem aktiven Twitter-Account von Normalsterblichen, wenn die Urheber irgendwann (tatsächlich) sterben? An Twitter dürften hierbei die wenigsten Hinterbliebenen denken. Tote Twitterer gibt es sicherlich auch heute schon, nur den Umgang damit haben wir alle noch nicht gelernt.

>> Meedia: Goethe, Einstein & Co.: Tote bei Twitter
>> Soulellis Studio: Twenty-five dead people on Twitter

Klaus Eck