Ein kleiner Social-Media-Leitfaden für Berufsanfänger und Bewerber

3 Minuten Lesedauer

Wer in das Berufsleben eintritt und Bewerbungen schreibt, wird normalerweise angehalten, seine Fähigkeiten, Qualifikationen sowie seine Motivation möglichst überzeugend auf einem Blatt Papier festzuhalten. Lange Zeit stellten Bewerbungsunterlagen für den Personalverantwortlichen die einzige Chance dar, sich ein erstes Bild von den Job-Kandidaten zu machen. Es reichten gute Zeugnisse, ein schickes Bewerbungsfoto und ein passendes Portfolio aus, um den steinigen Weg zum Traumjob zu ebnen. Dies scheint nun vorbei zu sein: Einer Studie von 2008 zufolge (der PR-Blogger berichtete hier) sind 30 Prozent der Personalmanager bereits auf der Informationssuche in den Social Networks oder wollen demnächst damit anfangen.

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Die digitale Reputation ist längst zu einem wichtigen Aushängeschild für den Jobaspiranten geworden: Oftmals erfährt der Personaler durch das Aufrufen von Profilseiten mehr über die Bewerber, als aus den überambitionierten Motivationsschreiben. Dies wird vor allem damit begründet, dass das Internet nichts vergisst – alte Kommentare und Einträge auf der eigenen Pinnwand sind noch Jahre später, wahrscheinlich aus dem Kontext gerissen, zu lesen. 

So verhält es sich natürlich mit jeder Äußerung im Web: Ein gut recherchiertes Posting in einem Blog oder Forum hält sich genauso wie das verflixte Faschingsbild mit den Augenringen. Diese Eigenschaft des Internets kann aber jeder auch positiv für sein persönliches Branding nutzen. Das hat auch das Social Network StudiVZ erkannt und bietet daher seinen Nutzern nun einen Bewerbungsleitfaden an. Da der Leitfaden eher spezifisch auf das „Studenten-Netzwerk“ ausgelegt ist, habe ich einige Punkte, die generell zu beachten sind, in einem Social-Media-Leitfaden für Bewerber zusammengefasst:

  1. Seien Sie präsent: Zuerst ist es wichtig, überhaupt im Internet auffindbar zu sein: Profile in sozialen Netzwerken sollten grundsätzlich unter dem eigenen Namen erstellt werden. Findet ein Personaler keine Informationen zu einer Person im Internet und handelt es sich um den anvisierten Betrieb noch um ein Internet-affines Gewerbe, ist das Stirnrunzeln programmiert: Hat der Bewerber etwas zu verstecken? Oder ist ihm eine Darstellung im Internet nicht so wichtig? 
  2. Halten sie Ihre Profile aktuell: Profile in sozialen Netzwerken sind immer up-to-date zu halten. Veraltete Informationen oder ein vernachlässigtes Profil können viel über die Sorgfalt, mit der man mit seiner Reputation umgeht, aussagen. Natürlich kann ein perfekt gepflegtes und aktualisiertes Profil auch das Gegenteil ausstrahlen: Jemand der aktiv um seine Reputation im Internet bemüht ist und das Medium richtig nutzt.
  3. Überprüfen Sie regelmäßig: In sozialen Netzwerken herrscht ein konstanter Fluß von Informationen. Checken Sie ihre Profile regelmäßig: So verpassen sie keine Möglichkeit zur Partizipation und Anfragen können schneller beantwortet werden. Natürlich kann so auch effektiv kleineren Überraschungen wie peinlichen Gästebucheinträge oder Fotos vorgebeugt werden.
  4. Zeigen Sie Interesse: Sie bewerben Sich bei einem Unternehmen im Kommunikationsbereich? Zeigen Sie, dass Sie sich auch außerhalb der Ausbildung oder des Studiums für das Thema interessieren: Führen Sie Diskussionen auf Facebook, treten Sie Gruppen in StudiVZ bei, fangen Sie an zu twittern – all diese Dinge bauen eine Verbindung zu bestimmten Thematiken auf. Eine frühzeitige Positionierung in spezifischen Themenbereichen kann nicht schaden – Ihr Name wird von Vornherein mit dem Thema in Verbindung gebracht.
  5. Know the Rules: Es gibt nur sehr wenige Regeln, auf die man im Social -Media-Bereich zurückgreifen kann: „Äußern Sie im Internet nur, was Sie auch im realen Leben in der Öffentlichkeit von sich geben würden.“ ist aber eine, die man kennen sollte. Durch das Speichern jeglicher Aktionen entstehen gleichermaßen Chancen als auch Gefahren. Einer einmal aufgebauten Reputation im Internet können jedoch kleinere Fehler nichts anhaben.
  6. Konflikte nicht in der Öffentlichkeit lösen: Dies ist ein wichtiger Tipp, den ich von einem meiner Follower bei Twitter bekam (an dieser Stelle danke an Florian Bergmann): Konflikte sollten eher unter den Parteien gelöst werden als in der Öffentlichkeit. Bevor also der private Kleinkrieg auf der Internet-Pinnwand sein Schlachtfeld findet, tragen Sie ihn lieber per Telefon oder im persönlichen Umgang aus.
  7. Zweifelhafte Positionierungen vermeiden: Noch ein User-Generated-Tipp, der mich per Twitter (diesmal von Peter Augustin) erreicht hat. Positionierungen und Meinungsbekundungen sind etwas Schönes: Sie bringen ähnlich denkende Menschen zusammen und fördern die Diskussion. Aber nicht jede Positionierung wird von allen Menschen positiv aufgenommen – wenn Sie in fragwürdigen Gruppen beim StudiVZ sind oder beispielsweise einen Genozid auf Facebook unterstützen, dürfen Sie sich nicht wundern dass ihre Bewerbungen von nun an mit argwöhnischen Augen betrachtet werden.
  8. Privatsphäre schaffen: Viele Netzwerke bieten mittlerweile ausführliche Einstellungen zur Privatsphäre an. Richtig angewendet können damit den persönlichen Aussagen Grenzen gesetzt werden, die immer wichtiger werden. Aber auch diese sind mit Vorsicht zu genießen: Ein sehr "restriktives" Profil kann im Beobachter den Gedanken auslösen, man hätte etwas zu verstecken. Wieder einmal ist ein individueller Mittelweg zwischen öffentlicher Partizipation und Selbstkontrolle zu wählen.

Wenn Sie diese Tipps befolgen, brauchen Sie keine Angst mehr vor den wachsamen Augen des Personalverantwortlichen haben. Im Gegenteil: Eine gute Reputation im Internet hat auch mir geholfen, meinen jetzigen Praktikumsplatz zu bekommen. Über Anregungen und Kritik zu den Tipps und sonstige Kommentare freue ich mich natürlich.

>> PR-Blogger – Immer mehr Personaler setzen auf Social Networks als Informationsquelle

>> Dentalife – Junge Union und StudiVZ: Nach Frankreich fahre ich nur mit Kettenfahrzeugen

>> ReadWriteWeb – Facebook shuts down pro-genocide group

>> StudiVZ – Bewerbungsleitfaden
>> Bildnachweis: capturingJenna

Christoph Bauer

11 Replies to “Ein kleiner Social-Media-Leitfaden für Berufsanfänger und Bewerber”

  1. Na, das ist doch eher von der Branche abhängig, oder? Von einem PR- oder Marketingmenschen erwartet man ja heute, dass er im Web positiv präsent ist. Im Bänkerbereich, bei Juristen oder bei konservativeren Gewerben ist es fast besser, nur bei berufsorientierten Netzwerken wie Xing präsent zu sein.
    ciao

  2. @Florian: Ich habe zu danken, Crowdsourcing mit Twitter ist ne super Sache wenn man mal nicht weiter kommt.
    @Bulldrinker: Hab ich leider verpasst, evtl. find ichs irgendwo online und stells hier dazu. Bei einer kurzen Recherche konnte ich keinen Ausschnitt finden.
    @domingos: Berechtigte Frage! Ich denke dass in „konservativeren“ Bereichen heutzutage defintiv (leider!) auch noch mehr Zurückhaltung gefragt ist. Was ich aber für problematisch halte: Menschen sollten bei der Darstellung ihres Selbst nicht durch so etwas unterdrückt werden.Ich darf nicht ins VZ weil ich Banker werden will? Bzw. muss mich maskieren? Das ist keine Art.
    Ich denke auch dass genau dieser Prozess im Wandel ist – Personaler werden jünger, kennen das Internet besser. Sie werden dann auch verstehen dass es verschiedene öffentliche „Spheren“ gibt – sowohl professionelle als auch persönliche. Das muss bei der Betrachtung der Darstellung mit in die Bewertung genommen werden, was bisher nicht geschieht.
    Wer erwartet dass sich jemand auf StudiVZ wie in XING darstellt hat die Funktion dieser Netzwerke nicht richtig verstanden – ein leider noch oft vorherrschendes Problem. Time will tell.
    @etm blog: Danke für die Verlinkung, es ist schön zu sehen dass mein Posting hier und da aufgenommen wird 😉
    Danke nochmal für die lieben Wünsche, das macht es leichter neue Blogposts zu schreiben – stay tuned!
    Christoph

  3. Naja, ich weiß nicht, inwieweit diese „Tipps“ wirklich hilfreich sind. Wenn ich in Social Netzwerken (von Xing mal abgesehen) aktiv bin, dann geht es mir doch eher darum, mit Freunden zu kommunizieren und nicht ein tolles Profil zu erstellen, das den eventuellen zukünftigen Chef beeindruckt. Natürlich ist es wichtig, sich selbst irgendwie zu „branden“, wie es neudeutsch heißt, wer allerdings dabei ein Paket erstellt, das an der Wahrheit vorbeigeht, wird auch langfristig nicht glücklich damit. Oder anders: Wenn mich eine Firma nicht will, weil ich auf Facebook auf kreativ-lustigen Photos verlinkt bin, dann will ich die Firma nicht.

  4. @ Christoph:
    Ich finde deine Überlegungen sehr gut.
    Natürlich kann man das nicht so verallgemeinern, da du am Anfang eher von der beginnenden Karriere sprichst, und deine Tipps eher für Leute gedacht sind, die bereits schon ein paar Jahre dabei sind. Denn ein Berufsanfänger kann noch kein wirklich interessantes Profil-Leben haben. Und dass dann auch Partybilder zu sehen sind, wäre ganz normal.
    Allerdings gelten deine Tipps sehr wohl für Berufserfahrene. Umgekehrt lässt sich aber auch ableiten, dass ich sehr wohl für ein positives Image sorgen kann, wenn ich rechtzeitig damit anfang.
    Damit wären wir ja schon beim viralen Marketing 🙂
    @ Raventhird
    Natürlich sollte man seine Individualität beibehalten. Und klar ist, dass solche „Lappalien“ wie die letzte Partynacht, auch mal dazu gehören müssen.
    Ich sehe hier aber im Grunde nicht nur die Social networks. Diese Tipps sind generell für das Leben im Internet gedacht.
    Wichtige Punkte: Present sein und Interesse zeigen.
    Präsenz erzeugt man auch in Foren, Blogs und Beiträgen. Genauso was Interesse betrifft. Damit zeigt man dem zukünftigen Arbeitgeber, dass man sehr wohl bei dem Thema ist. Und solche „Kleinigkeiten“ helfen schon mal über fehlende, aber erlernbare Qualifikationslücken hinweg.

  5. @Raventhird: Natürlich ist der Hauptsinn der Darstellung in sozialen Netzwerken nicht das Eindruckmachen beim potentiellen Chef oder Personaler. Es geht nicht darum zu lügen oder zu beschönigen. Es geht darum sich mit selbst ausgesuchten Werten authentisch zu repräsentieren – und die Repräsentation nicht anderen zu überlassen.
    Ich habe garkein Problem damit mein StudiVZ-Profil weiter öffentlich zu lassen – obwohl ich mich sehr wohl gegen bestimmte Dinge positioniere und hier und da mal lustig getroffen bin in den Fotos. Das Gesamtbild muss einfach stimmig sein – und vor allem muss man sich dessen Gewähr sein was für ein Gesamtbild man überhaupt abgibt. Das Posting soll die Selbstbeobachtung anregen, nicht restriktives Verhalten fördern.
    Und sie haben Recht, was die Wahl der Firmen angeht. Ich würde zu keiner Firma wollen die mich wegen meiner derzeitigen Darstellung im Netz nicht haben will. Aber nicht jeder kann in der heutigen Situation solche Ansprüche stellen, wenn es um den Arbeitsplatz geht.

  6. Der Artikel gefällt mir, nicht nur diese „Es gibt online Fotos von dir!“-Panikmache. Soweit ist die öffentiche Erkenntnis ja grade mal.
    Vielmehr Anregung dazu, Netzwerke zu dem zu Nutzen was sie sind: Werkzeuge. Wofür, bestimmt der Benutzer.

  7. Die StudiVZ-Tipps sind so banal und dahergezogen, z.B.: Nimm Fotos, die einen auf wohltätigen Veranstaltungen zeigen??? Das klingt ein bisschen so, als würden wir Bewerbern empfehlen, sich auf einen bestimmten Job zu bewerben und nicht auf alle Jobs auf einmal.
    Ähnlich dem oben stehenden Artikel, auch Tipps für bewerber: http://www.bewerberblog.de/?p=1491

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