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Ein kleiner Social-Media-Leitfaden für Berufsanfänger und Bewerber

Wer in das Berufsleben eintritt und Bewerbungen schreibt, wird normalerweise angehalten, seine Fähigkeiten, Qualifikationen sowie seine Motivation möglichst überzeugend auf einem Blatt Papier festzuhalten. Lange Zeit stellten Bewerbungsunterlagen für den Personalverantwortlichen die einzige Chance dar, sich ein erstes Bild von den Job-Kandidaten zu machen. Es reichten gute Zeugnisse, ein schickes Bewerbungsfoto und ein passendes Portfolio aus, um den steinigen Weg zum Traumjob zu ebnen. Dies scheint nun vorbei zu sein: Einer Studie von 2008 zufolge (der PR-Blogger berichtete hier) sind 30 Prozent der Personalmanager bereits auf der Informationssuche in den Social Networks oder wollen demnächst damit anfangen.

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Die digitale Reputation ist längst zu einem wichtigen Aushängeschild für den Jobaspiranten geworden: Oftmals erfährt der Personaler durch das Aufrufen von Profilseiten mehr über die Bewerber, als aus den überambitionierten Motivationsschreiben. Dies wird vor allem damit begründet, dass das Internet nichts vergisst – alte Kommentare und Einträge auf der eigenen Pinnwand sind noch Jahre später, wahrscheinlich aus dem Kontext gerissen, zu lesen. 

So verhält es sich natürlich mit jeder Äußerung im Web: Ein gut recherchiertes Posting in einem Blog oder Forum hält sich genauso wie das verflixte Faschingsbild mit den Augenringen. Diese Eigenschaft des Internets kann aber jeder auch positiv für sein persönliches Branding nutzen. Das hat auch das Social Network StudiVZ erkannt und bietet daher seinen Nutzern nun einen Bewerbungsleitfaden an. Da der Leitfaden eher spezifisch auf das „Studenten-Netzwerk“ ausgelegt ist, habe ich einige Punkte, die generell zu beachten sind, in einem Social-Media-Leitfaden für Bewerber zusammengefasst:

  1. Seien Sie präsent: Zuerst ist es wichtig, überhaupt im Internet auffindbar zu sein: Profile in sozialen Netzwerken sollten grundsätzlich unter dem eigenen Namen erstellt werden. Findet ein Personaler keine Informationen zu einer Person im Internet und handelt es sich um den anvisierten Betrieb noch um ein Internet-affines Gewerbe, ist das Stirnrunzeln programmiert: Hat der Bewerber etwas zu verstecken? Oder ist ihm eine Darstellung im Internet nicht so wichtig? 
  2. Halten sie Ihre Profile aktuell: Profile in sozialen Netzwerken sind immer up-to-date zu halten. Veraltete Informationen oder ein vernachlässigtes Profil können viel über die Sorgfalt, mit der man mit seiner Reputation umgeht, aussagen. Natürlich kann ein perfekt gepflegtes und aktualisiertes Profil auch das Gegenteil ausstrahlen: Jemand der aktiv um seine Reputation im Internet bemüht ist und das Medium richtig nutzt.
  3. Überprüfen Sie regelmäßig: In sozialen Netzwerken herrscht ein konstanter Fluß von Informationen. Checken Sie ihre Profile regelmäßig: So verpassen sie keine Möglichkeit zur Partizipation und Anfragen können schneller beantwortet werden. Natürlich kann so auch effektiv kleineren Überraschungen wie peinlichen Gästebucheinträge oder Fotos vorgebeugt werden.
  4. Zeigen Sie Interesse: Sie bewerben Sich bei einem Unternehmen im Kommunikationsbereich? Zeigen Sie, dass Sie sich auch außerhalb der Ausbildung oder des Studiums für das Thema interessieren: Führen Sie Diskussionen auf Facebook, treten Sie Gruppen in StudiVZ bei, fangen Sie an zu twittern – all diese Dinge bauen eine Verbindung zu bestimmten Thematiken auf. Eine frühzeitige Positionierung in spezifischen Themenbereichen kann nicht schaden – Ihr Name wird von Vornherein mit dem Thema in Verbindung gebracht.
  5. Know the Rules: Es gibt nur sehr wenige Regeln, auf die man im Social -Media-Bereich zurückgreifen kann: „Äußern Sie im Internet nur, was Sie auch im realen Leben in der Öffentlichkeit von sich geben würden.“ ist aber eine, die man kennen sollte. Durch das Speichern jeglicher Aktionen entstehen gleichermaßen Chancen als auch Gefahren. Einer einmal aufgebauten Reputation im Internet können jedoch kleinere Fehler nichts anhaben.
  6. Konflikte nicht in der Öffentlichkeit lösen: Dies ist ein wichtiger Tipp, den ich von einem meiner Follower bei Twitter bekam (an dieser Stelle danke an Florian Bergmann): Konflikte sollten eher unter den Parteien gelöst werden als in der Öffentlichkeit. Bevor also der private Kleinkrieg auf der Internet-Pinnwand sein Schlachtfeld findet, tragen Sie ihn lieber per Telefon oder im persönlichen Umgang aus.
  7. Zweifelhafte Positionierungen vermeiden: Noch ein User-Generated-Tipp, der mich per Twitter (diesmal von Peter Augustin) erreicht hat. Positionierungen und Meinungsbekundungen sind etwas Schönes: Sie bringen ähnlich denkende Menschen zusammen und fördern die Diskussion. Aber nicht jede Positionierung wird von allen Menschen positiv aufgenommen – wenn Sie in fragwürdigen Gruppen beim StudiVZ sind oder beispielsweise einen Genozid auf Facebook unterstützen, dürfen Sie sich nicht wundern dass ihre Bewerbungen von nun an mit argwöhnischen Augen betrachtet werden.
  8. Privatsphäre schaffen: Viele Netzwerke bieten mittlerweile ausführliche Einstellungen zur Privatsphäre an. Richtig angewendet können damit den persönlichen Aussagen Grenzen gesetzt werden, die immer wichtiger werden. Aber auch diese sind mit Vorsicht zu genießen: Ein sehr "restriktives" Profil kann im Beobachter den Gedanken auslösen, man hätte etwas zu verstecken. Wieder einmal ist ein individueller Mittelweg zwischen öffentlicher Partizipation und Selbstkontrolle zu wählen.

Wenn Sie diese Tipps befolgen, brauchen Sie keine Angst mehr vor den wachsamen Augen des Personalverantwortlichen haben. Im Gegenteil: Eine gute Reputation im Internet hat auch mir geholfen, meinen jetzigen Praktikumsplatz zu bekommen. Über Anregungen und Kritik zu den Tipps und sonstige Kommentare freue ich mich natürlich.

>> PR-Blogger – Immer mehr Personaler setzen auf Social Networks als Informationsquelle

>> Dentalife – Junge Union und StudiVZ: Nach Frankreich fahre ich nur mit Kettenfahrzeugen

>> ReadWriteWeb – Facebook shuts down pro-genocide group

>> StudiVZ – Bewerbungsleitfaden
>> Bildnachweis: capturingJenna

Christoph Bauer