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PR-Bilder als Hauptgericht

Mutige, aufmerksamkeitsstarke und emotional aufgeladene PR-Bilder wurden am Dienstagabend im Rahmen der Verleihung des obs-Awards von news aktuell in München präsentiert. Gesamtsieger wurde das Bild „Abstieg in die Unterwelt“ des Kindermissionswerks  „Die Sternsinger“.  Das Bild zeigt eine obdachlose Mutter mit ihrem Kind in einem Einstiegsloch zum städtischen Heizungssystem von Ulan Bator in der Mongolei. Es entstand im Rahmen einer einwöchigen Begegnung, die der Fotograf eindrucksvoll schilderte. Mutter und Kind ließen ihn teilnehmen an ihrem Leid und ihrem Schicksal, das auf dem besten PR-Bild des Jahres nun eindrucksvoll dokumentiert ist.  107391_thumbs110_news_aktuell
Es ist kein Wunder, dass zum zweiten Mal in Folge ein Bild aus der Kategorie NGO den ersten Platz ergatterte, denn NGO-Fotografie kann eines: ohne Branding leben. Aber welches PR-Bild kann das schon? Und so war es auch kein Wunder, dass in der anschließenden Diskussion auch immer wieder betont wurde, wie wichtig es doch sei, das Branding auf einem PR-Bild zurückzunehmen. Bernd von Jutrczenka, Redaktionsleiter, dpa-Bilderdienste, Frankfurt, sagte  kurz und knapp:  „Branding schütz vor Abdruck“.  Das dies nicht immer der Fall sein muss, zeigte sich im Bild von der DB Mobility Logistics AG mit ihrem Motiv „Call a Bike in Berlin“, das sogar von Petra Payer, Bildredakteurin der Süddeutschen Zeitung, München eingesetzt worden wäre, trotz Logo auf dem Fahrrad. Und das mag was heißen, denn Petra Payer betonte: „Wer Werbung ins Blatt bringen möchte, sollte eine Anzeige schalten.“ Oftmals stehen aber nicht die Mittel bereit, um gute PR-Bilder produzieren zu lassen oder der Kunde lässt sich nicht davon überzeugen, das Branding zurückzunehmen. „Es fehlt auch nicht nur das Budget, sondern auch der Mut, dass gute PR-Bilder entstehen können“, so Moritz Martin, Leiter Art-Buying und Fotografie, PLEON Düsseldorf. Dem muss ich voll und ganz zustimmen. Gute PR-Bilder brauchen Mut, eine gute Idee, ein gutes Briefing und einen guten Fotografen. Sie sollen laut der Diskutanten nicht zu kompliziert und nicht zu künstlich sein. Emotionalität ist gewünscht und Authentizität. Und als PR-Agentur muss man sich im Klaren darüber sein, dass ein PR-Bild nicht nur immer als Beiwerk, sondern auch als Hauptgericht präsentiert werden kann. Diskutieren oder in einen Dialog wollen dabei die Bildredakteure mit uns PR-Leuten nicht, schade eigentlich. Denn so könnte doch vermieden werden, dass Bilder oft kurz vor Redaktionsschluss angefragt werden und dann oft nur noch das Standardwerk geliefert werden kann. Der Abend hat mich jedenfalls bestärkt, wieder mehr auf gute PR-Bilder zu setzen, dafür  einzutreten, dass ein Bild manchmal mehr ausdrücken kann als 1000 Worte.
Heike Bedrich, Talisman / imagecapital