buble arrow3

US-Wahlkampf XVII: Obamas Wahlsieg

Barackishope
Barack Obama ist zum US-Präsidenten gewählt worden und hat dadurch die Chance erhalten, unsere Welt ein klein wenig zu verändern. Weltweit überschlagen sich die Stimmen in den Blogs, auf Facebook, Twitter und den klassischen Medien, zu denen inzwischen auch die Online-Medien zählen. Der Vorgang der Wahl selbst hat schon die Medien- und Kommunikationswelt auf beeindruckende Art und Weise verändert.

In seiner Rede zur Präsidentschaft sieht Obama bereits aus und spricht wie der US-Präsident, obwohl er erst im Januar 2009 sein Amt antreten wird. Wie schon in seiner Graswurzelkampagne, die auf die Macht seiner vielen Unterstützer setzte, setzt er auch in seiner Ansprache auf die Menschen, die ihn zum Sieg getragen haben und vergisst nicht diejenigen, die ihn nicht gewählt haben. Damit zeigt er deutlich, dass er nicht das Trennende stärken, sondern die US-Bürger einen will und das Change nicht nur ein Lippenbekenntnis für ihn darstellt. Seine Botschaft gewinnt an Kraft, weil er sie gleichsam als erster farbiger US-Präsident verkörpern wird.

„Hallo, Chicago. Wenn es da draußen irgendjemand gibt, der noch zweifelt, dass Amerika ein Ort ist, wo alles möglich ist, der sich noch fragt, ob der Traum unserer Gründer heute lebendig ist, der Fragen zur Kraft unserer Demokratie aufwirft, hat heute eine Antwort bekommen. Es ist die Antwort, die von den Warteschlangen vor Schulen und Kirchen gegeben wird, in Zahlen, die diese Nation nie gesehen hat, von Leuten, die drei Stunden und vier Stunden gewartet haben, viele zum ersten Mal in ihrem Leben, weil sie glaubten, dass es dieses Mal anders sein muss, dass ihre Stimmen diesen Unterschied ausmachen können.

Es ist die Antwort, die von Jungen und Alten gegeben wird, von Reichen und Armen, Demokraten und Republikanern, Schwarzen, Weißen, Hispanics, Asiaten, Indianern, Schwulen und Heterosexuellen, Behinderten und Nichtbehinderten. Von Amerikanern, die der Welt eine Botschaft geschickt haben, dass wir keineswegs nur eine Ansammlung von Einzelmenschen oder eine Kollektion von roten und blauen Staaten sind. Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika und werden das immer sein.“ … (Obamas Rede – siehe unten)

Während der ganzen Vorwahlkampagne und auch danach konnte Barack Obama im Internet dominieren. Dabei profitierte er von der enormenen Verbreitung des Webs in den USA. Inzwischen haben 55 Prozent der US-Bürger sogar einen Breitband-Internetanschluss. Viele sind mit Social Networks vertraut. Im Gegensatz zu den anderen Kandidaten stellte das Obama-Team das Web 2.0 ins Zentrum der Kampagne und profitierte auch von der Zusammenarbeit mit den Nerds wie dem 24-jährigen Mit-Gründer von Facebook Chris Hughes. Von Anfang an setzte der Kandidat auf die Vernetzung aller Online-Aktivitäten: Dadurch konnten seine Anhänger von Beginn an auf ganz unterschiedliche Art und Weise seine Botschaften aufnehmen und weitertragen. Es wurden Blogs genauso genutzt wie die alte E-Mail. Ziel war es immer wieder, die Menschen zum Spenden, Telefonieren oder zu sonstigen Wahlaktivitäten zu bewegen. Wer weiß, ob Obama überhaupt in die Endrunde gelangt wäre, wenn er nicht sofort auf die Online-Kommunikaton gesetzt hätte.

Im Vergleich zu den Online-Aktivitäten in der Wahlnacht wirken die ehrenwerten Versuche der deutschsprachigen TV-Anstalten, adäquat über die Wahl zu berichten, doch etwas mühevoll. Viel spannender war es, direkt ins Netz zu gehen und die aktuellen Gespräche auf Twitter oder den Gesprächen im US-TV zu verfolgen.

Aber selbst das Fernsehen zeigt sich in den USA innovativer als hierzulande: 35 HD-Kameras zeichneten die Korrespondentin Jessica Yellin in Chicago so auf, dass sie als Hologramm direkt neben dem Moderator in der New Yorker Wahlzentrale des Fernsehsenders CNN auftreten konnte und damit Mediengeschichte schrieb.


Ich bin gespannt, wie sich Obamas Internet-Wahlkampf jetzt auf seine anstehende Präsidentschaft auswirkt. Wie wird er seine positiven Online-Erfahrungen in seine Regentschaft einfließen lassen? Ist dann alles vergessen oder nutzt er das Online-Campaigning vielleicht sogar, um Entscheidungen in seinem Sinne im Senat und Kongress zu beeinflussen. Oder stimmt er auf diese Weise die Bevölkerung auf schwere Zeiten und den Wandel ein? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass er die aufgebauten Netze kappen und sich von der Bevölkerung so weit entfernt wie sein noch amtierender Vorgänger Bush.

>> Turi2: Medien nutzen US-Wahl zur Online-Leistungsschau
>> DiePresse: Obamas Sieges-Rede im Wortlaut
>>
Meedia: Nils Jacobsen: Onliner verschlafen Obamas Sternstunde
>> Technology Review: Das Geheimnis seines Erfolges|
>> Der Sieg der Generation Obama – Nachrichten – DerWesten
>> off the record » Blog Archive » Obama und der Siegeszug des Web 2.0
>> PR Blogger: US-Wahlkampf XVI: 30 Minuten Obama
>> mehr Links zur Politik auf Friendfeed von mir

Klaus Eck