buble arrow5

PR deckt den Bewegtbild-Bedarf der Redaktionen nicht

Bislang war es nur eine häufig diskutierte Vermutung, nun wird sie durch eine gelungene Studie bestätigt: Die Redaktionsstuben Deutschlands haben großen Bedarf an Bewegtbildern. Eine wunderbare Entwicklung, gäbe es da nicht ein Problem: Es scheint, als hätten viele PR-Agenturen und Pressestellen diesen Trend verschlafen. Sie halten nicht Schritt. "Mit Ausnahme der Publikation/Distribution haben PR-Verantwortliche in allen Bereichen geringere Kompetenzen als Journalisten", resümieren die Universität Leipzig und die dpa-Tochter news aktuell in ihrer Studie "Bewegtbildkommunikation im Internet – Herausforderunge für Journalismus und PR", für die sie 2.400 Fach- und Führungskräfte aus Journalismus und Public Relations befragten.

60 Prozent der Journalisten gaben an, dass ihre Redaktion online Bewegtbilder einsetzt, zwei Drittel produzieren diese vorwiegend selbst. Weitere zwölf Prozent haben konkrete Pläne dafür. Hingegen gaben nur 40 Prozent der Pressestellen und PR-Agenturen an, dass sie mit Video-Content arbeiten würden (14 Prozent planen dies für die nahe Zukunft) – wobei nur ein Drittel diese Kompetenz im eigenen Haus aufgebaut hat.

Für die Zukunft reicht das nicht aus, so die Studienbetreiber: "PR-Verantwortliche müssen künftig
möglicherweise mehr leisten als Presseinformationen oder O-Töne zu versenden bzw. zielgruppenorientierte Texte für eigene Medien zu erstellen. Für Journalisten aller Mediengattungen ändern sich Recherche-, Redaktions- und Veröffentlichungsprozesse."

Professionelle Bewegtbild-Produktion für Online-Medien – eine Riesenlücke im Online-Journalismus. Und im Umkehrschluss eine Riesenchance für die PR. Es drängt sich die Frage auf: Warum wird diese Chance noch kaum wahrgenommen? Einer der Gründe ist wohl der Kompetenzmangel, den die Studie – auf beiden Seiten – offenlegt. Die Mehrheit der Befragten gesteht, keine oder wenig Erfahrung in Konzeption, Produktion, Nachbearbeitung, Distribution und Evaluation von Bewegtbildern zu haben. Womöglich spielen auch die Kosten eine Rolle – immer wieder hört man aus PR-Agenturen und Pressestellen, dass sie mit den vergleichsweise satten Kosten der Bewegtbildproduktion ihre Probleme haben.

Doris Eichmeier, Imagecapital