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18 Anti-Twitter-Thesen

Nach mehr als 4.000 Twitter-Updates, der regelmäßigen Lektüre von 481 Twitter-Abonnements sowie dem Bedienen von 1.335 Twitter-Followers mit Infohäppchen ist es an der Zeit ein kleines Resümee zu ziehen und sich den Vorurteilen gegenüber Twitter zu stellen. Es heißt schließlich immer wieder: Twitterer haben viel zu viel Zeit, oder warum sonst sollten sie regelmäßig die Welt mit ihren Kleinstinformationen beglücken, die vermutlich kaum jemanden interessieren? Zum Arbeiten kommt man bei all dem Getwittere doch eigentlich gar nicht mehr. Angestellten sollten man deshalb lieber das Twittern während der Arbeitszeit untersagen. Im folgenden präsentiere ich alle mir bekannten Anti-Twitter-Thesen als Advocatus Diaboli und freue mich auf Ihren Widerspruch (?):

Warum man lieber auf Twitter im Business verzichten sollte!

1. Twittern kostet viel Arbeitszeit: Wer nicht nur einen oder zwei Twitterbeiträge pro Tag fabriziert, benötigt dafür viel Zeit. Je mehr Twitterer Sie lesen, desto mehr Input erhalten Sie. Wollen Sie jeden Tag Tausende von Infohäppchen per E-Mail erhalten? Wohl kaum. Bei Twitter scheint das jedoch kein Problem sein. Je mehr Content-Produzenten Sie abonnieren, desto mehr kleine Ablenkungen erhalten Sie. Zu Ihren eigentlichen Aufgaben kommen Sie deshalb gar nicht mehr. Twitterer lieben die Prokrastination.

2. Twittern verhindert jede Konzentration: Natürlich kann jeder darüber twittern, wie er gerade einen Kaffee trinkt, aber einen besonderen Mehrwert bringen derlei banale Informationen nicht unbedingt mit sich. Deshalb erfordern gute Twitterideen ein wenig Zeit. Als Leser verlieren Sie sich in den Banalitäten und News der sekündlich neu eintreffenden Tweets. Zum Arbeiten kommen Sie beim Twittern kaum noch, weil sich viele Twitterfeeds unterhaltsam lesen. Darüber hinaus können Sie immer auf den informativen Mehrwert verweisen.

3. Twittern schadet der Online-Reputaton: Wer über alles und nichts twittert, verliert sich im digitalen Nirwana und lässt sich kaum noch für seine Follower / Leser einordnen. Der eigenen Online-Reputation ist das oftmals wenig förderlich.

4. Twittern ist gleich Information Overload: Was zuviel, ist einfach zuviel. Kein Mensch kann und sollte allen anderen zuhören. Jeder Twitterjunkie gerät irgendwann an seine Grenzen der Aufnahmefähigkeit und bringt sich gesundheitlich sogar in Gefahr.

5. Twitterer werden süchtig: Wer selbst viel aktiv twittert, erhält auf gute Beiträge durchaus viel Feedback. Darüber freut sich jeder Twitterer, weil er es unter Anerkennung verbuchen kann. Doch das verführt eben dazu, noch einen weiteren Tweet, und noch einen zu schreiben. Aus dieser Info-Spirale gibt es kaum ein Entkommen. Aber auch die neueste Info, der aktuelle Klatsch und Tratsch, den gibt es auf Twitter für Leser ebenfalls. Via Twitter kommt ständig etwas Neues in die Welt. Und es gibt immer wieder Lesestoff. Deshalb sollte niemand mit dem Twitter beginnen, denn das Aufhören fällt wirklich schwer und ist beinahe unmöglich.

6. Twitter haben keine Privatsphäre mehr: Wer alles via Twitter notiert, weil es via Smartphone/ Handy doch so praktisch ist, vergisst manchmal, dass alles via Google wieder auffindbar ist, auch nach vielen Jahren noch. Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf eine Party, trinken vielleicht ein Bier mehr und twittern die ganze Zeit über weiter, um ihr Leben digital abzubilden. Manchmal werden hierbei auch die Grenzen des Erträglichen überschritten.

7. Twitterer kennen keine Persönlichkeitsrechte gibt es auf Twitter eigentlich nicht mehr. Dazu ist das Medium viel zu schnell. Jedes Gespräch kann in der Öffentlichkeit belauscht und getwittert werden. Selbst Fotos lassen sich via Twitter schneller anteasern. Dabei wird so manches Mal vergessen, dass nicht jedermann sich in Twitter-Feeds wiederfinden will.

8. Twitter orientieren sich nicht am Profit macht man zumindest nicht unmittelbar mit Twitter. Zwar kann jeder Twitterer die Aufmerksamkeitsflüsse in bestimmte Richtungen lenken, doch stellt sich hierbei die Frage, wie viel Aufwand dafür jeweils erforderlich ist. In derselben Zeit kann man sein Self Marketing durch gezielte andere Maßnahmen glaubwürdig unterstützen. Noch scheinen nur Geeks zu twittern. Erreiche ich via Twitter wirklich meine Zielgruppen?

9. Es gibt keine klaren Zielgruppen: Bisher sind hierzulande vor allem die First Mover in Twitter engagiert. Deshalb erreichen die meisten Unternehmen auf Twitter viel zu wenige Menschen, die sich für ihre Produkte interessieren. Ich kenne ohnehin alle wichtigen Stakeholder in meiner Branche, warum soll ich mich dann überhaupt auf so ein wenig treffsicheres Tool einlassen?

10. Twittern ist Chaos: Niemand versteht Twitter auf Anhieb, es ist daher viel zu kompliziert, meinem Vorstand das Microblogging Tool zu erläutern. Twitter ist wie LSD für die Augen, eher verwirrend statt erhellend.

11. Twitter-PR funktioniert noch nicht wirklich, weil bislang nur wenige Journalisten twittern und oftmals nicht einmal ahnen, wie sich Twitter auf ihre Arbeit in Zukunft noch auswirken könnte.

12. Unternehmen wollen keine Transparenz: Wenn einige Mitarbeiter twittern, verraten sie viel zu viel über Unternehmensprozesse und Ideen. Eine One-Voice-Policy ist gar nicht mehr möglich. Die PR verliert völlig die Kontrolle. Dadurch machen sich Unternehmen sehr angreifbar. Außerdem verlieren Unternehmen mitunter großartige Mitarbeiter, die online via Twitter darstellen, was sie können.

13. Twitterer werden zu persönlich. Es wird viel zu viel Privates öffentlich. Es findet eine absolute Vermischung von privaten und beruflichen Informationen statt, sodass wir jegliche Work-Life-Balance verlieren. Außerdem erfahre ich sehr viel über Bewerber, Mitarbeiter und Dienstleister, die mir auf Twitter erzählen, wie oft sie krank sind, mit wem sie sich treffen und wie effizient sie gerade (nicht) arbeiten. Dazu genügt das spezifische Filtern von Twittermeldungen. Dem Profiling der Twitterer werden ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

14. Twitterer sind keine Freunde: Niemand kann wirklich so viele Twitter-Kontakte intensiv pflegen, deshalb sollte man sich lieber auf den direkten Austausch mit Freunden und Geschäftspartnern konzentrieren, statt Zeit ins Twitterversum zu stecken.

15. Ein Twitter-Burnout kommt schnell: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Twitter-Erkankungen zu erwarten sind. Dabei stellen Sehnenscheidenentzündungen nur die Vorhut der physischen und psychischen Krankheitsbilder dar. Always on kann zu einer Veränderung des Selbstbildes und zu einer gefährlichen Entwicklung führen, wenn Sie nicht mehr „abschalten“ können. Eine Erholung durch Informationsabstinenz scheint für Twittersüchtige kaum mehr denkbar.

16. Twitter-Marketing funktioniert nicht: Twitter ist als primäres Marketing-Tool ungeeignet und nur in einem größerem Rahmen als emotionales Tool nutzbar. Social Media Marketing ist bei weitem noch nicht einsatzfähig, weil viele Menschen gar nicht damit umgehen können und das Targeting (auch mangels Masse) noch nicht ausgereift genug ist.

17. Twitter selbst ist unzuverlässig: Der Twitter-Service ist viel zu oft nicht erreichbar und weist immer mal wieder Bugs auf. Deshalb kann man sich im Business nicht über den Informationsaustausch via Twitter verlassen.

18. Twitter hat nichts mit dem Ernst des Lebens zu tun: Bisher wirkt Twitter sehr verspielt, ernsthafte Dialoge scheinen sich nur wenige in der Twitterwelt zu finden. Warum sollte ein Businessmanager sich darauf einlassen? Das wahre Netzwerken findet nicht auf Twitter statt, sondern in kleinen Offline-Runden. Effizient lässt sich Twitter im Business-Kontext nicht unbedingt einsetzen.

Wie gesagt, ich sehe es nicht ganz so schwarz, wie es diese Anti-Twitter-Thesen im ersten Moment suggerieren und werde einen Folgebeitrag schreiben, indem ich erläutere, warum ich dennoch intensiv twittere und mir ein Leben ohne das Microblogging- und Micronetworking-Tool Twitter gar nicht mehr vorstellen kann.

Aber vielleicht mögen Sie mir bei diesem kommenden Blogartikel ein wenig helfen und schon einmal als Twitterfreund Ihre Gegenargumente auf diese Thesen in einem Kommentar liefern. Warum twittern Sie trotz dieser digitalen Gefahren und Untiefen dennoch weiter, womöglich sogar wider besseren Wissens? Oder stimmen Sie der Twitter-Gegenrede einfach nur vorbehaltlos zu?

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Klaus Eck