Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Warum man auf Social Media Release 1.0 verzichten sollte

1 Minuten Lesedauer

Was bringen innovative Kommunikationsansätze, wie eine Social Media Release oder ein Social Media Newsroom, wenn diese wieder an der klassischen E-Mail-Kommunikation scheitern… In meiner Mailbox traf vor kurzem unaufgefordert eine Pressemitteilung 2.0 ein, die sehr gut als Beispiel für unser Social Web Breakfast in Hamburg gepasst hätte. Sie macht mir deutlich, dass es noch ein weiter Weg für viele PR-Agenturen sein dürfte, bis sich die Ansprache von Bloggern und Journalisten im Web 2.0-Sinne professionalisiert.

Warum hat mir A.J. von FLUIDFORMS Walter & Williams ein Social Media Release als Pressemitteilung zugeschickt? Inhaltlich passt das Thema 3-D-Druck nun wirklich nicht zum Fokus des PR Bloggers. Dazu sollte ein Blick in mein Blog genügen. Andererseits könnte ich vielleicht Interesse an seinem durchaus gut gemachten Social Media Newsroom haben, das mag sein. Jedenfalls geht es aus der E-Mail nicht hervor, da sie nicht personalisiert worden ist.

Stattdessen heißt es sehr kryptisch

„Hallo "Digital Natives", Wir sind Fluid Forms, ein Österreichisches Unternehmen, das sich auf User Manufacturing im Allgemeinen und 3D Druck im Speziellen spezialisiert hat. Vielleicht haben Sie bereits über unsere EARTH Serie von uns erfahren, die Prosumer (mit Hilfe von Google Maps) zu Designern edler Obstschalen werden lässt.Wir möchten Ihnen gerne unser neues Produkt CASSIUS vorstellen, das User Manufacturing und Individual Design wieder einen Schritt vorantreiben wird:…"

Gegen Ende werde ich dazu aufgefordert, einen News Feed zu abonnieren oder gegebenenfalls sogar von meinem Rücktrittsrecht per E-Mail Gebrauch zu machen. Aber warum soll ich überhaupt eine E-Mail mit dem Betreff „No PR“ an Herrn J. schicken? Meine Zusage für den Verteiler hat er zuvor nicht erhalten. Ein Double Opt-in gab es nie. Ist es meine Aufgabe die Hausaufgaben eines sauberen Verteileraufbaus zu übernehmen? Wohl kaum. Derartiges regt mich keinesfalls auf, aber es kostet definitiv Zeit, seine E-Mail-Box Spam-, Newsletter- und Pressemitteilungsfrei zu halten. An dieser Stelle hätte ich auch einfach ein anderes Beispiel nehmen können. Jeden Tag erhalte ich ungewollt viele Pressemitteilungen, lieber hätte ich von PR-Agenturen und Unternehmen spannende Gesprächsangebote oder exklusives Material. Aber nicht eine PM, die an einen anonymen Verteiler geschickt wird und zudem ohnehin im Netz gut zu finden sein dürfte.

Ich lege sehr viel Wert auf persönliche Kontakte, weil es meine Arbeit wesentlich effizienter macht, nur relevante E-Mails zu erhalten, auf die ich wirklich reagieren will und muss. Ein Newsletter und eine Pressemitteilung sind für mich hingegen mit keinem realen Business- oder Schreibprozess verbunden. Ich lösche derlei Daten schnellstmöglich, um den Überblick in meinen Mail-Verzeichnissen zu behalten. News & Trends rezipiere ich lieber auf anderem Wege via Twitter, Friendfeed und RSS oder durch eine wirklich persönliche Ansprache, dann gerne auch per E-Mail.

Aber … könnte der berechtigte Einwand lauten … wie erreicht man dann mit einer Social Media Release die Influencer dieser Welt? Was meinen Sie? Welche Erfahrungen haben Sie (als Blogger oder Journalist) mit Pressemitteilungen gemacht?

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Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

10 Replies to “Warum man auf Social Media Release 1.0 verzichten sollte”

  1. Hallo Klaus,
    wie Du es selbst schon gesagt hast: Blogger (und nicht nur Blogger sondern letztlich jeden – auch Journalisten) erreiche ich am besten durch persönliche Ansprache. Das ist – keine Frage – arbeitsaufwendiger, am Ende des Tages aber auch effektiver und befriedigender. Also: Kenne das Medium, dass Du pitchen möchtest – egal ob es sich um ein Blog, ein Online-Portal oder ein Print-Medium handelt.
    Inbesondere bei Bloggern gilt noch: Nutz den von Ihnen bevorzugten Kanal zur Kontaktaufnahme: Du willst was vom Blogger, also komm ihm entgegen. Und schließlich: Sei wirklich interessiert. Sonst lass es lieber bleiben.

  2. Hallo Klaus,
    wie Du es selbst schon gesagt hast: Blogger (und nicht nur Blogger sondern letztlich jeden – auch Journalisten) erreiche ich am besten durch persönliche Ansprache. Das ist – keine Frage – arbeitsaufwendiger, am Ende des Tages aber auch effektiver und befriedigender. Also: Kenne das Medium, dass Du pitchen möchtest – egal ob es sich um ein Blog, ein Online-Portal oder ein Print-Medium handelt.
    Inbesondere bei Bloggern gilt noch: Nutz den von Ihnen bevorzugten Kanal zur Kontaktaufnahme: Du willst was vom Blogger, also komm ihm entgegen. Und schließlich: Sei wirklich interessiert. Sonst lass es lieber bleiben.

  3. Gilt das oben Gesagte nicht für alle Press Releases? Warum sollte man auf die kleinen Fortschritte des SMR 1.0 oder 2.0 verzichten?
    Wenn ich einen so-oder-so Release erhalte und meine, dass könnte für meine Leser interessant sein, schätze ich die ‚handhabbaren‘, meinen Arbeitsprozessen dienenden Angaben und ärgere mich, wenn die Informationen irgendwo im Text verbaut und versteckt werden … bzw. mühsam über Search auf der Website gesucht werden müssen.

  4. Nicht nur, dass hier ungezielt und unerwünscht mit Themen herumgeschleudert wird, auch die Diktion der Ansprache, der Wichtig-Kauderwelsch des Textes ist sehr gewöhnungsbedürftig.
    Schon angesichts der Sprache deutet vieles daraufhin, dass hier autistische Seelen am Werk sind, die aber nicht viel schlimmeres tun als viele andere Firmen und PR-Agenturen auch.
    Leider.
    Vielleicht müsste man doch intensiver nachdenken, wie man so etwas abstellen kann.
    Eine Blacklist wäre schön, doch wer führt sie und die juristischen Auseinandersetzungen?
    Roland Keller, http://www.viralclash.com

  5. Hallo Herr Eck,
    Das ist sehr wohl eine gründliche „Kopfwäsche“. Ich nehme Sie jedoch gerne zur Kenntnis und möchte darüber einen Dialog eröffnen:
    Wir sind mit den Social Media Releases derzeit im Experimentierstadium. Und wir wissen, dass wir noch vieles zu verbessern haben in den nächsten Wochen.
    Vielleicht kann ich Sie hiermit zu einem Eintrag anregen: Welche Vorgangsweise (Schritte) würden Sie nach derzeitigem Stand der Entwicklungen in der Blogosphäre empfehlen, um das Rad in Schwung zu bringen?
    Ohne ein anfängliches PUSH seitens der Unternehmen wird dies wohl auch sehr schwer möglich sein… bzw. sollte man jeden Blogger ausdrücklich um Erlaubnis bitten, ob man ihm Informationen zukommen lassen darf?

  6. Über die Herangehensweise bei der Ankündigung eines Social Media Newsrooms habe ich mir auch schon längere Zeit Gedanken gemacht – es macht schließlich wenig Sinn, eine solche Verbreitungsform per nerviger (s.o. 😉 ) Massen-E-Mail bekannt zu machen.
    Ohne große Vorerfahrung wären meine Ideen:
    – Ausgewählte Blogger personalisiert anschreiben, etwa eben hier Klaus Eck. Wer sich regelmäßig über Social Media Releases etc. informiert, wird dementsprechend hier mitlesen & daher vom neuen Angebot erfahren.
    – Verbreitung über den eigenen Twitter-Account, del.icio.us etc. – wie es ein SMNR eben (eh) tut.
    – Reaktion / Kommentar in einschlägigen Blogs / Publikationen etc. nach dem Motto „Schaut her, so kann man es (auch) machen“ – aber in dosierter Form, keinen Spam!
    – Klassische PM an die „normalen“ Medien, auch hier mit ausgewähltem Verteiler. AUch dort werden kleine Meldungen a la „XY eröffnet SMNR“ aufgenommen, zumal das Thema momentan ja recht beliebt ist.
    Essentiell ist wohl, Streuverluste durch wildes Rummailen zu vermeiden. Und wie Herr Scherbeck schon anmerkt: Man sollte wissen, wem man schreibt. Egal, ob man 1.0 oder 2.0 releast 😉
    Noch eine kleine Anmerkung zum „Experimentierstadium“: Lieber vorsichtig agieren & sich vorher umfassend (bei Profis!) informieren, statt einfach zu „machen“. Das zeugt a) von Planlosgkeit und b) von Unprofessionalität.
    Kleines, wenn auch eher unbedeutendes Beispiel, das mir spontan einfällt: Der Twitter-Account cducsu startete mit einem völlig unsinnigen Hashtag im ersten Tweet (#twitternwiebeimuttern), um Aufmerksamkeit zu generieren. Inhaltlich hatte der Tweet mit der (äußerst lustigen) Aktion jedoch nichts zu tun. Dementsprechend gab es direkt negatives Feedback. Man sollte also wissen, was man tut, bevor es zu spät ist 🙂

  7. Ich denke, dass den meisten PR-Agenturen und –Abteilungen einfach noch das nötige Fingerspitzengefühl für den Umgang mit Bloggern fehlt. Viele wissen die Blogosphäre einfach nicht richtig einzuordnen. Bislang galt ihre Arbeit vor allem den Medien und damit verbunden den zu erreichenden Stakeholdern. Den meisten (zumindest hoffe ich das) ist bewusst, dass Blogger eine nicht zu unterschätzende Zielgruppe sind aber der Umgang mit ihnen muss noch gelernt werden (wie man besonders gut in Krisensituationen sehen kann. Hier wissen die wenigsten Firmen wie sie den Bloggern begegnen sollen).
    Ich denke, um die „Influencer dieser Welt“ zu erreichen sollte man in erster Linie den Dialog mit ihnen suchen, in den Diskussionen mitmischen oder aber zum Hörer greifen und das Thema exklusiv anbieten bzw. wie Markus Bertling es empfiehlt Twitter, delicious und Co. zur Verbreitung nutzen. Ist das Thema dann Interessant wird es auch aufgenommen und diskutiert.

  8. Ich rege mich über solche Mitteilungen schon lange nicht mehr auf, oft sind ja auch interessante Sachen dabei. Kurz drüberschauen und weg, oder antworten. Auf diese Weise wächst das persönliche Netzerk schneller, man bleibt up-to-date und viel Zeit kostet es auch nicht. Den Rest erledigt ein guter Spamfilter.

  9. Mich wundert, dass die Botschaft, dass einige Blogger ausgesprochen empfindlich reagieren, wenn man sie per Mail unpersonalisiert anschreibt, noch nicht bis in den letzten PR-Winkel vorgedrungen ist. Es gibt schließlich fast jedes Mal bei untauglichen Versuchen in der sog. Blogosphäreeinen Effekt, den ich gern als Backdraft bezeichne. Andererseits muss man als Journalist traditionell ja auch das Kopfschütteln bei diversen Pressemeldungen lassen, wenn man nicht am Abend ohne Nackenverspannungen in den Feierabend gehen will. Das Thema der richtigen Ansprache ist schließlich nicht neu. Ich glaube allerdings auch nicht, dass es in naher Zukunft besser wird. Personalisierung und ein Blick auf die Arbeit des Ansprechpartners kosten Zeit. Kleinere Unternehmen suchen gern nach wie vor nach Praktikanten für die Pressearbeit. Das wird wohl kaum Qualitätsverbesserungen mit sich bringen.
    Zum eigentlichen Problem der Verbreitung. Wer sich im Web X.0 Umfeld bewegt, sollte entsprechende Personen kennen, die als Multiplikatoren in Frage kommen und kann diese gezielt ansprechen. Kennt man diese nicht, muss man halt jemanden fragen, der sich damit auskennt und entsprechende, überprüfbare Referenzen vorweisen kann.

  10. Hallo!
    Nach meinen Erfahrungen braucht man nicht mal besondere „social media releases“ – ganz normale Pressemitteilungen sind auch willkommen, wenn man sich vernünftig vorgestellt hat. Ich arbeite in einer PR-Agentur, und natürlich bemühen wir uns, da den richtigen Zugang zu finden. Ich habe das Ganze daher mal „lehrbuchmäßig“ für mein Feierabend-Engagement, den kleinen Comicverlag Alligator Farm umgesetzt. Damit habe ich auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Folgendermaßen lief das Ganze ab:
    Wir bringen die Reihe „Perry – Unser Mann im All“ heraus, die Fortsetzung eines stilbildenden Kultcomics aus den 70ern. Dadurch haben wir für die Comicszene immer mal wieder Relevantes zu erzählen. Ich habe mir also die deutschen Comicblogs einzeln angesehen und die Betreiber freundlich und individuell angemailt, ob sie unsere Pressemitteilungen und Rezensionsexemplare erhalten möchten. Manche Blogger haben die Freihefte abgelehnt, da es sich für sie nach „Auftragsarbeit“ angefühlt hätte, manche hatten kein Problem damit. Die Presseinformationen und Bildmaterial haben aber alle angeschriebenen angefordert. Die Blogs erhalten seitdem die gleichen Materialien, die auch an die Presse gehen. Da ist kein zweiter Prozess und kein zusätzlicher Aufwand notwendig. Aufwändig war halt die einführende Recherche und individuelle Kontaktaufnahme, aber die Resultate und dadurch entstandenen Kontakte rechtfertigen diese Leistung vollkommen.
    Schöne Grüße
    Kai Hirdt

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