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Morgenwelt 7: Nackte Tatsachen

Im Zeitalter der Transparenz dürfen wir uns vom Privaten verabschieden. Alles scheint seinen Weg in die digitale Öffentlichkeit zu finden. Geheimnisse werden schnell gelüftet. Das müssen Politiker, Journalisten und Unternehmen langsam lernen. Falls Sie wissen wollen, welchen Einfluss die Wikipedia auf Ihr Unternehmen hat, können Sie wenigstens die Zahl der PageImpressionen Ihres Eintrags überprüfen.

Reputation/ Transparenz: Unternehmen sollten sich von ihrer Geheimnistuerei verabschieden und sich lieber mit der radikalen Transparenz anfreunden, heißt es in dem Wired-Beitrag "The See-Through CEO" von Clive Thompson. Es gehe eher darum, die Beziehungen zu den Kollegen und Kunden durch mehr Vertrauen zu verbessern. Entscheider müssen lernen, mit der neuen Offenheit umzugehen und sich auf fremde Ideen und Kritik einzulassen. Wer sich öffentlich zu internen Problemen äußert, kann dadurch bei seinen Kunden durchaus Vertrauen aufbauen und gemeinsam mit diesen neue Lösungsansätze entwickeln. Verstecken kann man ohnehin nichts mehr, meint auch Don Tapscott, einer der Autoren von Wikinomics. Alles kommt letztlich raus.

Social Bookmarking: Falls Sie auf einfache Art und Weise als
Unternehmen herausfinden wollen, was andere über Sie denken, dann
schauen Sie sich doch einmal näher in den Social Bookmarking-Netzen nach: Dort kann zum Beispiel Dell, Microsoft, Spiegel, Facebook oder sein eigenes Blog finden. Es genügt eine einfache Überprüfung der del.icio.us History.

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Wikipedia: Wollen Sie wissen, wie oft ein oder gar Ihr Wikipedia-Artikel tatsächlich abgerufen wird? Dafür gibt es inzwischen online eine Statistik der Seitenabrufe. In der Topliste für Februar 2008 steht Barack Obama übrigens auf Platz 7, knapp vor John McCain.

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Karriere
: Einige Nacktfotos brachten die SPD-Politikerin Birgit Auras um ihre Kandidatur für ein Kommunalparlament in Schleswig-Holstein. Dabei wirbt sie auf ihrer Homepage nur für Modeartikel. Im Netz findet die Diskussion um die Kommunalpolitiker viel Widerhall. Der Welt-Artikel erhielt innerhalb kurzer Zeit mehr als 130 Kommentare.

Corporate Blogs / Glaubwürdigkeit: Eine kommunikationswissenschaftliche Studie der Universität Fribourg (CH) im
Bereich "Organisationskommunikation" kam zum Ergebnis:

"Eine offene Kommentarfunktion ist unerlässlich für einen glaubwürdigen Corporate Blog, weil sogar jene Rezipienten, die diese nur selten benutzen, eine offene Kommentarfunktion erwarten. Solange die inhaltlichen und formalen Aspekte erfüllt sind, ist der Autor für die Glaubwürdigkeitszuschreibung aus Sicht der Rezipienten nur nebensächlich. Trotzdem machen mehrere Autoren einen Corporate Blog glaubwürdiger, weil durch mehre Autoren auch eine breitere Themenvielfalt erreicht wird." (Dominik Schneider, Mathias Tanner – 32  Seiten – PDF)

People Tagging: Die Grenzen zwischen der realen und digitalen Welt verschwimmen. Neue Anwendungen werden es auf dem iPhone ermöglichen, sogar die physikalische Umgebung und Personen zu taggen. Wenn ich in ein Restaurant oder Hotel gehe, kann ich künftig mein iPhone oder ein vergleichbares Smartphone zücken und mit wenigen Klicks herausfinden, wer von meinen Freunden oder "Buddys" schon einmal Gast war. Das Blog ReadWriteWeb stellt "12 Future Apps For Your iPhone" vor, die zum Teil noch nach Science Fiction klingen, aber bereits heute einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit haben.

PR: Es gibt nichts Nervigeres als die Anrufe von PR-Agenturen, meint Melanie Huber und gibt deshalb in ihrem Kilroy Blog Zwölf Tipps zum Nachtelefonieren in der PR. Einer ihrer wichtigsten Tipps: "Nach dem Versenden einer Pressemeldung … würde ich so gut wie niemals
hinterhertelefonieren. Wenn der Inhalt gut und wichtig war, wird der
Redakteur schon darüber berichten. Wenn er es nicht tut, hilft auch das
Telefonat nicht. In den seltensten Fällen würde ein relevanter
Pressetext übersehen."

Privatsphäre: Was tun, wenn man via YouTube in die Öffentlichkeit gezerrt wird. Die Journalistin Michèle Roten ist laut Medienlese seit kurzem im Idiotenvisier: Jemand behauptet in einem YouTube-Video, dass er mit ihr geschlafen habe und blamiert sich damit selbst. Dennoch hat es verheerende Auswirkungen auf den digitalen Ruf der Schweizer Journalistin. Eine Google-Recherche macht deutlich, wie stark sich manchmal bereits ein beinahe unbekanntes Video auswirken kann. Das dürfte selbst der offenherzigen Sex-Kolumnistin des "Magazins" zu weit gehen.

Klaus Eck