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Morgenwelt 4: Leben in der radikalen Transparenz

Nein, Blogger sind nicht gefährlicher als andere Menschen, aber sie haben sicherlich mehr Einfluss auf die Öffentlichkeit als diejenigen, die sich online nicht zu Wort melden. Letztlich bilden Blogger nur ein Stück Wirklichkeit online ab. Dass die Transparenz unangenehm sein kann, musste die Bank Julius Bär erleben. Gefallen lassen, muss man sich jedoch eine Verleumdung nicht, meint Jochen Mai. Das sind einige der Themen der neuen Morgenwelt, die ich wieder für Sie zusammengestellt habe:

Privatsphäre am Ende: "Sind Blogger gefährlich?" fragt sich SZ-Redakteur Bernd Graff, der sich schon mit einem anderen Blogger-Artikel wenig Freunde in der Blogosphäre gemacht hat: "Die neuen Idiotae. Web 0.0". Er warnt diesmal davor, dass die "ungefilterte Hetze der anonymen Blog-Postings" Menschen in den Tod treiben kann und führt dazu einige aktuelle Beispiele aus den USA an. Natürlich ist Rufmord und Verleumdung auch im Internet ein Problem. Aber mit dem Bloggen per se hat das erst einmal gar nichts zu tun. Aber es passt in das Klischee-Bild, welches einige Medien von Bloggern haben…

Events: Alles zur Cebit 2008 liefert aktuell das neuerdings-Blogs in einem guten Link-Überblick.

Frauen sind im Web 2.0 sehr aktiv, weil es inzwischen zahlreiche fauenspezifische Angebote gibt, darunter Communities wie WomenWeb, beQueen, femity
oder bongusto. Sie nutzen das Internet zur Kommunikation. Jüngere Frauen bevorzugen sogar Communities mit mehreren kommunikativen Ebenen. Aus der Perspektive der Männer besteht dagegen keine Notwendigkeit laut der Ketchum-Studie "Frauen denken anders" für eigene Communities, da sie diese lediglich "für den Aspekt der kollektiven Intelligenz" schätzen.

Reputationsmanagement: Auf die Bedeutung des digitalen Erscheinungsbildes geht das PR Wiki des Studiengangs Online-Journalismus der Hochschule Darmstadt in einem Beitrag näher ein und nennt zahlreiche Quellen.

Karriere: Für die "Wehrpflicht" plädiert Jochen Mai in
der Karrierebibel und meint damit nicht etwa Militärisches, sondern die
gezielte Auseinandersetzung mit üblen Gerüchten. Niemand sollte sich
alles gefallen lassen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, den eigenen Ruf
wieder herzustellen.

Transparenz: PR-Desaster kann man auch ignorieren. Der Online-Pranger Wikileaks ist jetzt wieder unter sein US-Webadresse Wikileaks.org erreichbar.
Vergeblich hatte die Züricher Bank Julius Bär versucht, Wikileaks mit
rechtlichen Mitteln zu bekämpfen und vom Netz zu nehmen, weil dort
gestohlene Daten, Kontonummern und Informationen sowie Steuerdokumente
von angeblichen Steuersündern veröffentlicht werden. Das US-Urteil
wurde jetzt wegen verfassungsrechtlicher Bedenken wieder aufgehoben. Unsere Bundeskanzlerin durfte auch so ihre Erfahrungen mit dem Dienst machen. 

Datenverkehr kollabiert: Einen Tsunami im Netz
erwartet Jürgen Berke, der im Cebit-Spezial der Wirtschaftswoche einen
umfassenden Beitrag zur Zukunft des Internets liefert und darin
erläutert, wie das Internet selbst zum Opfer seines Erfolges werden
könnte: Denn wenn Telefonate, Videos, Web-TV und Downloads das Web
verstopfen, dürfte bis 2011 ein großer Engpass bei der
Datendurchleitung entstehen. Schon heute ist das Videoportal Youtube
für 10 Prozent des gesamten Online-Verkehrs verantwortlich.

Online Relations: Innovativ kann die deutsche Politik durchaus sein. Nicht immer starrt sie im Norden ängstlich auf den Wähler, sondern setzt auf Dialoge. Für den Mut, sich auf die DEMOS-Diskurse zum Domplatz und zur Living Bridge einzulassen, ist Axel Gedaschko, Hamburgs Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, vor kurzem in London mit dem ePolitician Award vom International Centre for Local eDemocracy (ICELE)  auf dem International eParticipation Symposium ausgezeichnet worden.

Klaus Eck