Thomas Euler Thomas denkt, schreibt, spricht und berät zu digitaler Transformation, Technologie und dezentralisierten Systemen. Er ist als Gastautor im PR-Blogger tätig.

Der Musiker 2.0

1 Minuten Lesedauer

Es ist kein Geheimnis, dass es
der Musikindustrie in den letzten Jahren nicht besonders gut ergangen
ist. Die CD-Verkaufszahlen befinden sich kontinuierlich auf dem
absteigenden Ast und auch die legalen Download-Angebote können dies bis
dato noch nicht kompensieren. Kurzum: Musiker müssen sich zunehmend
bemühen, um mit der Musik ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Daher
wird eine Personengruppe künftig noch wichtiger: Die Fans. Nur wer eine
loyale Fanbasis hat und aktiv den Kontakt sucht, kann seine Musik
überhaupt noch gegen Geld an den Mann bringen. Auch Livetourneen,
Merchandising und Weiterverwertung der Musik, all dies funktioniert
nur, wenn ausreichend Fans vorhanden sind. Zudem haben sich die
Anforderungen der Fans heute gewandelt. In Zeiten von MySpace,
Youtube und Co., in denen der Einzelne zunehmend transparenter und
zugänglicher wird, fordern dies die Fans natürlich ebenso von den
Künstlern.

Deshalb kommt heute kaum noch ein Musiker ohne MySpace-Profil
oder Blog aus. Gerade unbekanntere
Künstler haben das Internet schon lange für sich als Vermarktungsplattform entdeckt: So hat es zum Beispiel Kate Walsh auch ohne Plattenvertrag an die Spitze der iTunes-Verkaufscharts
gebracht.

Doch mit dem Anlegen einer MySpace-Seite und dem Hochladen seiner Musik
ist es natürlich nicht getan. Wer das Internet zum Einstieg ins
Musikgeschäft nutzen will, muss vor allem eines erreichen: Präsenz.
Dabei hilft natürlich, dass das Mitmachnetz teilweise erstaunliche
virale Effekte hervorbringt, wie im Falle der umstrittenen Grup Tekkan.
Doch für den langfristigen Erfolg braucht es mehr: treue Fans. Die wollen gepflegt werden und möglichst nah an
ihren Stars sein. Auch dies lässt sich nirgends so leicht realisieren wie im Internet. Dort kann
ein Künstler mit seinen Fans tatsächlich kommunizieren, sie mit
Appetithappen wie einem kostenlosen Track immer wieder auf sich
aufmerksam machen und sich mittelfristig einen großen Kreis an
Unterstützern aufbauen, der  dann auch Geld für Musik,
Fanartikel und Konzerte ausgibt.

Damit die Online-Aktivitäten von Erfolg gekrönt
sind, müssen ein paar Dinge beachtet werden: Am wichtigsten ist es, dass alle Channels gleichermaßen
gepflegt werden. Das Web 2.0 ist sozial. Deshalb wird heute erwartet, dass sich die Künstler nicht nur online auf MySpace oder in einem Blog präsentieren, sondern sich auch tatsächlich dem Dialog mit ihren Fans stellen. Je besser die Interaktivität geplant und auf den verschiedenen Online-Kanälen realisiert wird, desto mehr Aufmerksamkeit und letztlich Verkaufserfolge kann ein Künstler erwarten.

Thomas Euler

Thomas Euler Thomas denkt, schreibt, spricht und berät zu digitaler Transformation, Technologie und dezentralisierten Systemen. Er ist als Gastautor im PR-Blogger tätig.

13 Replies to “Der Musiker 2.0”

  1. Zu der Sicht auf „die Musikindustrie“ möchte ich gern etwas anmerken, was vielleicht zur Ergänzung und Differenzierung dieser mir etwas zu pauschalen Aussage beitragen kann.
    Ist es nicht gerade durch Werkzeuge des so genannten Web 2.0 auch kleineren Acts gelungen, ausreichend Aufmerksamkeit auf ihre Lücke zu ziehen? Reden wir da nicht eher von einer Erosion der Megaseller und old-school-Marketing zu Gunsten des „long tail“ und des Pullmarketings, wie es derzeit z.B. unter Begriffen wie Mundpropagandamarketing, word of mouth, buzz o.ä. diskutiert wird?
    Ich halte diese womöglich schwer quanti- und qualifizierbaren Chancen für mindestens so erwähnenswert wie die Risiken der ehemals Arrivierten, den Zug der Zeit teilweise zu verpassen.
    Gruß vom Businessblogbringer aus Berlin

  2. Natürlich befindet sich die Musikindustrie im Wandel, jedoch genügt nicht nur eine treue Web 2.0-Fanbase. Ohne großzügiges Touren bleibt man auf seinem Internetimage sitzen. Es ist halt wie immer, man muss eine gesunde Mischung aus online und offline Marketing anwenden…

  3. „Wer das Internet zum Einstieg ins Musikgeschäft nutzen will, muss vor allem eines erreichen: Präsenz.“
    Das stimmt natürlich – aber wann macht der Musiker dann seine Musik? Wann seine Konzerte? Eine ernsthafte Musikerkarriere ist mit einer täglichen Internetpräsenz (und was anderes macht keinen Sinn) m. E. nur schwer vereinbar. Diese Präsenz müssen deshalb vor allem bei prominenten Musikern letztlich Ghostwriter machen. Und wenn das aufkommt, sind die Fans eingeschnappt und laufen davon.
    Das beißt sich in den Schwanz.

  4. Den wirklichen Bruch mit Music 1.0 und ihren Irrwegen stellt Bob Ostertag in seinem Artikel „The Professional Suicide of a Recording Musician“ dar http://bobostertag.com/writings-articles-professional_suicide.htm
    Der Artikel ist zwar etwas lang, aber dafür umso interessanter. Darin beschreibt wie er zu dem Entschluss gekommen ist, mit der Plattenindustrie zu brechen und seine Musik online gratis zum Herunterladen bereit zu stellen.

  5. @Knut O. E.:
    Natürlich gebe ich Ihnen Recht, was die Zersplitterung des Marktes in den Longtail anbelangt. Vielleicht sollte ich dazu erwähnen, dass meine Perspektive auf die Musikindustrie primär aus dem Bereich HipHop stammt, also selbst einer Marktnische, wenn man so will.
    Wenn ich allerdings eine normative Bewertung dieser Entwicklung vornehmen darf: Ich empfinde es als positiv, dass auch Künstler ohne die Unterstützung eines Majorlabels heute die Chance haben, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Zumindest unter den Fans ihres jeweiligen Genres. Und dazu ist das Internet natürlich ein hervorragendes Instrument.
    @xdevx:
    Natürlich kann das Internet keine Tour ersetzen – soll es auch gar nicht. Genausowenig kann die beste Webpräsenz aus einem schlechten Musiker einen Star machen. Als Instrument zur Förderung der Bekanntheit (und damit etwa zum Füllen der Hallen) ist es allerdings extrem brauchbar. Wenn eine gewisse Bekanntheit erreicht ist, dient es dann primär der Fanpflege und stellt einen guten Weg dar, Präsenz auch dann zu erreichen, wenn grade kein Album ansteht und die übliche Presse sowieso Schlange steht.
    @Peter:
    Ich denke schon, dass der Musiker einige der Aufgaben outsourcen kann. Doch ich stelle nicht in Abrede, dass auch für den Künstler Arbeit damit verbunden ist. Es hat jedoch niemand behauptet, dass das Musikerdasein ein Zuckerschlecken sei. Was es allerdings auch vorher nicht war.
    Interviews wurden schon immer gegeben, Lieder wurden schon immer geschrieben und landeten doch nicht auf dem Album, Fanpost gibt es schon immer und auch Pressearbeit gab es schon früher. Heute stellt das Internet allerdings einen weiteren Kanal dar, um diese Inhalte zu verbreiten. Dass dabei nicht alle Arbeit von den Künstlern selbst erledigt werden kann, dürfte allen Fans klar sein.
    In einigen Fällen kann das Internet die Arbeit allerdings auch erleichtern. Statt 20 Leserbriefe zu dem selben Thema zu beantworten oder beantworten zu lassen, kann mit einem Blogeintrag etwas dazu gesagt werden. Dies ist dann sogar dem Musiker selbst zumutbar

  6. alles schön und gut, aber ich möchte mal behaupten, dass heute 9 von 10 musikern mehr denn je auf live-arbeit angewiesen sind. dazu gehören nicht einfach nur konzerte, sondern auch das socialising mit fans oder multiplikatoren (journalisten, veranstalter etc.).
    bei allem respekt vor den vielen millionen my space nutzern darf man die vielen millionen musikliebhaber nicht vergessen, die dieses portal schlicht und einfach hässlich, infantil und nur wenig groovy finden. und trotzdem für viel geld an teure konzerte gehen. so teure, dass man sich manchmal wundert.

  7. Och, das Thema MySpace. Ich sehe MySpace auch eher als eine Art Schaufenster und nicht so sehr als ein offensives Marketingtool für die Bands. Ich denke mal, dass es kein User bei MySpace schaffen wird, auch nur 0,1% der Gruppen dort zu entdecken/hören….
    Meine Prognose: Eher werden MP3-Blogs (die, die MySpace nach neuen Gruppen durchsuchen und dann auf eigenen Blogs präsentieren) in Zukunft verstärkt die Rolle der klassischen Werbung übernehmen (müssen?). Dafür sollten aber weite Teile „der Musikindustrie“ und ihrer Gehilfen erst einmal ihre Einstellung ändern – der Konfrontationskurs wird sonst zum Verhängnis.
    Artikel hierzu (nicht mein eigener): http://hypebot.typepad.com/hypebot/2008/02/blogs-more-than.html

  8. Hobnox startet mit arschgeiler und ein wenig chaotischer Party

    Leute – im Februar eine Dreiviertestunde vor der Tür warten, ohne das es auch nur einen Millimeter vorwärts geht, das ist Bullshit! Und wenn es dann im räumlich weit verzweigten und großen Tresor in Berlin-Mitte auch nur eine einzige Bar gibt (verm…

  9. „..Schade nur, das im Netz heute kaum was auf den News-Seiten zu Hobnox zu finden ist. Und auch bei Deutschlands PR-Blogger Nr. 1, Klaus Eck, der erst gestern einen Artikel zum Thema “Musiker 2.0” geschrieben hat, findet sich kein Hinweis zu Hobnox. Eigenartig…“

  10. Ein sehr interessanter Beitrag, ich denke auch, dass es sich in diese Richtung entwickeln wird und muss.
    Allerdings kamen mir beim Lesen ein paar Fragen:
    Was ist denn das Ziel der Bestrebungen, ist es Bekanntheit, oder ein Einkommen zu haben?
    Bekanntheit durch mySpace oder ähnliche Plattformen ist wohl schwer zu erreichen, da dort ja ungefiltert und unbewertet eine zu große Menge an Bands und Musikern erreichbar sind (was wie schon erwähnt wurde die MP3-Blogs leisten können).
    Aber um ein Erwerb zu ziehen muss man fragen: Was ist denn das Produkt Musik? Bislang hatte man dazu die materielle Form durch Tonträger, was durch die einfache Kopierbarkeit und alternative Vertriebswege (offizielle und inoffizielle) obsolet wurden.
    Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung durch Dritte, welche die Musik zum Transport anderer Produkte nutzen (zum Beispiel Radio benutzt Musik, um eine Marketingplattform zu verkaufen), oder direkt die Nutzung für Werbespots, was wohl kaum einen Musiker glücklich macht, sondern eben den Kühlschrank füllt.
    Wenn man also diese Drittnutzung betrachtet, so ist auch wieder ein Instrument vonnöten, das bei der Freiheit der Information und (Musik-)Daten auch schlecht im Kurs steht, nämlich die Gema, die Gelder für die Nutzung eintreibt und den Künstlern zukommen lässt, sofern diese an dem System teilnehmen.
    Sollte also das Konzert am Ende die einzige Einnahmequelle für den Musiker sein? Wo wird ihm dann seine Liedideen vergütet, die ja schnell von Lokalbands weiterverwertet werden, und all die Zeit im Studio, die er mit Tüfteln und Produzieren verbracht hat?
    Zugegeben ich weiss keine Lösung und wünsche mir auch sicherlich nicht das alte System der Mammutkonzerne zurück, die sich die Musiker untereinander aufgeteilt haben und ohne die zuvor ein Musizieren und davon zu leben unmöglich schien. Aber alle Fragen scheinen mir noch nicht gelöst mit purem eigen-Engagement der Musiker.

  11. Wie ich auch in meinem Beitrag schreibe, ist MySpace ganz sicher nicht das Allheilmittel, sondern nur ein Onlineinstrument unter vielen. Übrigens, Bugsierer, ich bin selbst absolut kein MySpace Freund. Wie Sie andeuten, halte ich es für unübersichtlich und ‚wenig groovy‘.
    Aber das Netz in seiner Gesamtheit betrachtet ist mittlerweile der #1 Ort, an dem sich Musikfreunde informieren und auf neue Musik stoßen. Dabei sind die angesprochenen Musikblogs wichtig, werden in Ihrer Bedeutung vermutlich auch noch stark zunehmen. Daher muss man als Künstler heute wissen, wo man online seine Peer-Groups findet und wie man sie auf sich aufmerksam macht. Dass ein Künstler dies in der Regel nicht alleine leisten kann, ist klar; dazu gibt es dann Management, PR & Co.

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