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Exhibitionismus in Social Networks?

Welche Konsequenzen das Erstellen von
Persönlichkeitsprofilen in Social Networks und das Preisgeben von
persönlichen Details haben kann, zeigt sich aktuell am Beispiel des
Falls Jérôme Kerviel. Der 31-jährige Aktienhändler hat seiner Bank
Société Générale vor ein paar Wochen den größten Kapitalverlust aller Zeiten herbeigeführt.

An seinem Beispiel zeigt sich jedoch auch deutlich, wie gläsern
viele Social Networker sind. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten
von Social Media haben wir immer häufiger ein Profil auf Xing,
Facebook, Amazon, Ebay oder Web 2.0-Plattformen angelegt. Das
erleichterte es im Falle Kerviel den Fahndern und Journalisten
ungemein, sich über den Bankangestellten zu informieren. Auf Facebook
hatte ein französischer Student sogar eine Gruppe gegründet, für
diejenigen, die Jerome Kerviel suchen, den “Mann der 4, 9 Milliarden in
den Sand gesetzt hat!!!” (Spiegel). Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich der Gruppe mehr als 400 Mitglieder an.

Für Journalisten ist es völlig normal, einen bis dato unbekannten
Namen in Google einzugeben, um einige grundsätzliche Informationen
sowie Kontaktdaten über die Person zu erhalten. Social Networks
erleichtern es darüber hinaus, erste Ansprechpartner – Kontakte des
Gesuchten – ausfindig zu machen. Auf Spiegel Online wird deshalb jüngst
kritisch angemerkt:

“Die Chance steigt jeden Monat, dass man binnen weniger
Minuten selbst intime Details über den einstigen Niemand herausfindet.
Und selbst wenn der Betreffende, wie nun im Fall des
Milliarden-Versenkers Jérôme Kerviel, selbst gar keine großen
Web-Aktivitäten entfaltet hat, ist Erkenntnisgewinn zu erwarten: Eine
Heerschar von Internet-Nutzern stürzt sich mit wachsender Begeisterung
auf die Aufgabe, Medien und Polizei bei ihren Recherchen zu
unterstützen.”

Darüber hinaus warnt das Nachrichtenmagazin von der “Gefährlichkeit
der Daten-Nabelschau bei Facebook und Co”, weil immer mehr Menschen in
Web 2.0-Zeiten ganz alltägliche Dinge leichtsinnig publizieren würden.
Natürlich kann der “ungezügelte Exhibitionismus” den Einzelnen
gefährden, wenn dieser sich nicht bewusst ist, was mit seinen Daten im
Internet geschehen kann. Dennoch wirkt der Alarmismus des
Spiegel-Artikel etwas deplaziert.

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Klaus Eck