buble arrow1

Personenmarke Martenstein

Der bekannte "Zeit"-Kolumnist und "Tagesspiegel"-Autor Harald Martenstein versteht sich selbst zurecht als Personenmarke. In der Konsequenz hat er seine publizistische Tätigkeit seit einigen Wochen um das Videobloggen auf "WatchBerlin" erweitert.

In einem Interview mit DWDL erläutert er sein journalistisches Selbstverständnis näher. Er liefert darin einige spannende Definitionen für die Unterschiede der Text- und Videowelt. Während sich Leser einem Text nur abstrakt näher können, entdecken die Video-Betrachter den Autoren völlig neu für sich. Martenstein will in seinem Videoblog die "klassische freie Rede" kultivieren. Dabei geht es ihm vor allem "um Rhytmik, Gestik (und den) Einsatz des Körpers". Das  unterscheidet sich natürlich in besonderer Weise von der Wirkung eines Talkshow-Dialogs oder eines gesprochenen Kommentars in den "Tagesthemen".

Insbesondere auf die veränderte Rolle des Journalismus geht der populäre Kolumnist ein: Heute sei der Journalismus nicht mehr nur "Überbringer von Nachrichten …, weil die Nachricht durch Überproduktion relativ wertlos geworden ist. Die Journalisten verkaufen mehr und mehr Analyse und Unterhaltung."

Während Journalisten früher hinter ihren Produkten zurücktraten, hat sich in den Web 2.0-Zeiten etwas entscheidendes geändert. Heute wollen die Leser durchaus den Autor hinter dem Text kennenlernen, nicht zuletzt um seine Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Deshalb ist der persönliche Auftritt wesentlich bedeutungsvoller. Das verhält sich bei Bloggern, Journalisten und anderen Publizisten sehr ähnlich. So meint auch Martenstein:

"Jeder Autor ist doch eine Inszenierung. Es gibt die Charaktermaske des
ernsthaften, grüblerischen Leitartiklers. Die des spritzigen
Feuilletonisten. Die des Krawallmachers. Wenn man anfängt, sucht man
sich eine journalistische Charaktermaske aus." (Harald Martenstein)

>> DWDL: "Zeit"-Kolumnist und Videoblogger. Harald Martenstein: Jeder Autor ist eine Inszenierung

>> Videoblog Martenstein

Klaus Eck