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Eine kleine Geschichte der Zeit

Wissen Sie noch? Damals? 1996 wurden wir gefragt, ob wir das Internet zur Präsentation mitbringen würden…Kann vorkommen. Seitdem hat sich einiges geändert. Ich meine ganz grundsätzlich, nicht nur das wir jetzt überall Internet haben. Don Tapscott erzählte zwei amüsante Episoden, die ich gerne überall wiedergebe und die mich zum Nachdenken angeregt haben. Die erste berichtet, dass für die "junge Generation" E-Mail eine veraltete Technologie ist. Leute um 25 Jahre nutzen E-Mail, um "die Eltern ihrer Freunde zu erreichen". Das sollte man sich langsam über die Zunge zergehen lassen.

Die Zweite geht folgendermaßen: Eine Designerin sollte ihm einen Avatar für Second Life bauen. Mit Anzug, er ist schließlich kein Hippie und sehr, sehr alt sollte der Avatar aussehen. Tapscott ist schließlich schon lange im Geschäft. 

Auf einer riesigen Präsentationswand erschien ein ca. 30-jähriger, gut
aussehender Avatar im Anzug mit langen schwarzen Haaren und
italienischem Einschlag. Tapscott, um die 60, bald haarlos, Amerikaner,
war nicht wiederzuerkennen. Er rief die Designerin an, weil er doch
einen sehr, sehr alten Avatar haben wollte. Die Antwort: Ja, und?

Es
hat sich einiges geändert. 10 Jahre sind eine sehr lange Zeit geworden.
Nur ist es beileibe nicht so, dass es nun geschafft ist. Es hört nicht
auf. Die Veränderung ist, was bleibt. In wenigen Jahren hat sich das
Internet auf 2.0 umgestellt, oder besser gesagt, es sind neue
Anwendungen dazu gekommen. Das war kein plötzliches Ereignis, sondern
ein Ergebnis permanenten Wachsens und globaler Zusammenarbeit. Die
nächsten Technologien warten schon darauf, die Macht zu übernehmen.
Ambient Internet – vernetzte Anwendungen überall, der Cyberspace als
das wirklich virtuelle 3D Internet, Wearable Computing – Personal
Computing in Kleidung verarbeitet.

Wer dran bleiben will, dem
stellt sich nicht die Frage, ob man neue Technologien benutzt, sondern
wie. Statt philosophischer Fragen um den Sinn der neuen Technologien,
sollten wirtschaftliche Realitäten im Vordergrund stehen. Das würde
eine Menge Zeit sparen.

Da ist noch eine amüsante Episode,
etwas weiter zurück in der Zeit: Wir Deutsche haben Jahrzehnte
gebraucht, um von Maschinenstürmern zum anerkannten Weltmeister in der
industriellen Maschinenherstellung zu werden. Computer sind auch nur
Maschinen. Vielleicht sind wir diesmal etwas schneller.

Michael Domsalla, KMTO