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Digitale Identität II: Schubladendenken für die Marke

In einer Welt, in der wir alle und alles gleich ist, hätten
wir einige Probleme, uns zurecht zu finden. Durch unsere Identität
unterscheiden wir uns voneinander. Erst die Identität verhilft uns
dazu, einen Menschen von einem anderen durch einzelne Merkmale zu
unterscheiden.

Damit wir hierbei einigermaßen den Überblick behalten, neigen wir zu
einem Schubladendenken. Es entstehen Bilder vor unseren Augen, die uns
Orientierung im Leben vermitteln. Ansonsten wären wir im Alltag von der
Aufgabe überfordert, andere richtig einzuschätzen. Aber wir
kategorisieren nicht nur unsere Kontakte, sondern tendieren auch dazu,
uns automatisch selbst in bestimmte Gruppen einzuordnen. Bei diesem
Prozess der Konstruktion unserer Wirklichkeit haben wir keine Kontrolle.

Unternehmen profitieren von unserem Schubladendenken: Denn ein
starkes Markenauftreten (Branding) verführt gezielt zur
Kategorisierung. Darauf setzt nichtzuletzt der Ansatz des
Neuromarketings. So spitzt die “Bild” die Aussage der
Neurowissenschaftler schlagzeilenträchtig zu: “Starke Marken schalten
den Verstand ab.” Erklärt wird dieses von Dr. Christian Scheier wie
folgt:

“Man hat herausgefunden, dass bei einer starken Marke
tatsächlich die Hirnareale, die zum Nachdenken dienen, abgeschaltet
sind, während die Hirnareale, die für spontane Handlungen zuständig
sind, aktiviert werden. Das heißt, starke Marken entlasten das
Nachdenken.“ (Zitat aus Interview mit Dr. Christian Scheier – PDF, Autor des kürzlich erschienenen Buches “Wie Werbung wirkt”).

Starke Marken führen dazu, dass die Konsumenten darauf vertrauen,
dass sie ihr Markenversprechen erfüllen. Eine langfristige Investition
in die eigene Reputation ist ein erfolgsversprechender Weg eine
glaubhafte Markenpersönlichkeit aufzubauen. Denn ein positiver Ruf geht
mit Vertrauenswürdigkeit, Glaubwürdigkeit, Berechenbarkeit und
Verlässlichkeit einher. Mit kurzfristigen Effekten hat das nicht zu
tun. Darauf sollte auch kein Reputationsmanagement setzen.

>> Weiterlesen im MyON-ID-Blog
>> myONID Blog: Digitale Identität I: Ein neues Selbstverständnis

Klaus Eck