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21. Nachgebloggt: SAP: Community Evangelist Craig Cmehil

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Auf dem Podcastday 2007 habe ich vor kurzem Craig Cmehil, Community Evangelist bei der SAP AG kennengelernt. Wir saßen gemeinsam auf einem Podium und diskutierten die Möglichkeiten der neuen Kommunikationsinstrumente. Dabei fand ich es sehr spannend zu hören, wie intensiv die SAP bereits mit Wikis, Blogs und auch Twitter arbeitet. Grund genug also, um mit dem SAP Community Evangelisten ein telefonisches Interview zu führen.

>> SAP nutzt bereits seit einigen Jahren Blogs und andere Web 2.0 Instrumente in der Kommunikation. Für deutsche Ohren klingt Deine Titelbezeichnung "Community Evangelist" manchmal etwas befremdlich. Was versteht man darunter?

SAP nutzt seit rund 5 bis 6 Jahren intern Corporate Blogs. Statt E-Mails an alle zu verschicken, stellen wir die Inhalte direkt ins Blog oder in unser Wiki-System und erreichen dadurch unsere Kollegen am besten. Auf externe Blogs setzen wir bereits seit 2004.

Als „Community Evangelist“ werde ich in der Tat in deutschen Marketing- und Kommunikationskreisen immer mal wieder komisch beäugt. In US-Technik-Kreise ist das längst etwas Normales. Ein Evangelist ist ganz tief in einem Thema drin und hat die Aufgabe, seine Kompetenzen anderen Menschen nahezubringen.

Für mich eigentlich selbstverständlich. Denn ich betreute und begleite seit 1989 Communities. Beim Community-Gedanken kommt es immer darauf an, anderen zu helfen. Es ist eine Art digitale Nachbarschaftshilfe bei einem Problem. Ich möchte als Community Evangelist anderen dabei helfen, Communities mit Leben zu füllen und die Menschen darauf neugierig machen.

>> Obwohl die SAP ein deutsches Unternehmen ist, hat ein sehr amerikanische Firmenkultur. Wie wirkt sich das im Unternehmensalltag aus? Was ist an der SAP anders?

Wir haben eine multikulturelle Unternehmenskommunikation, die weder deutsch noch amerikanisch geprägt ist. Aber sie ermöglicht eine große Offenheit. Bei SAP arbeiten die Mitarbeiter sehr direkt miteinander und nutzen hierbei alle neuen Möglichkeiten des Internets. Wir profitieren bei SAP sicherlich davon, dass es bei uns viele gibt, die gerne etwas ausprobieren.

>> Welche Erfahrungen haben die SAP und Du mit Corporate Blogs gemacht?

Zurzeit haben wir rund 50 interne Corporate Blogs im Einsatz, in denen alle Hierarchieebenen aktiv vertreten sind. Extern dürften es auch mittlerweile über 1.000 SAP-Mitarbeiter-, Partner- und Kunden-Blogs sein. Obwohl manche SAP-Blogger ihre Blogs nur wöchentlich oder monatlich aktualisieren, erreichen wir damit jeden Monat insgesamt ca. 600.000 Pageimpressions. Dabei geht es uns vor allem darum, insgesamt den E-Mail-Verkehr zu reduzieren und das Information Management effizienter zu gestalten.

Durch mein eigenes Blog bin ich in der SAP-Szene durchaus bekannt geworden. Vor meiner SAP-Tätigkeit habe ich ein SAP-Kundenblog geführt. Das machte es mir wesentlich einfacher, in Deutschland beruflich zu starten. Dank meines Blogs konnte ich meine Reputation so stärken, dass die Personalgespräche mit SAP wesentlich leichter geworden sind. Zum Bloggen bin ich gekommen, weil ich mit der klassischen Dokumentation so meine Probleme hatte und deshalb eine Alternativ ausprobieren wollte. Darüber hinaus dient mein Blog für mich selbst immer als eine persönliche Wissensdatenbank.

>> Welche Tipps sollten Unternehmen beim Bloggen beherzigen?

Als Corporate Blogger sollte man seine eigenen Informationen immer überprüfen und immer daran denken, dass man einen Arbeitgeber hat und dafür eine gewisse Verantwortung trägt. Deshalb empfehle ich jedem Business Blogger: Sei vernünftig! Wenn man sich ärgert über Dritte, sollte man zumindest darüber nachdenken, bevor man etwas dazu veröffentlicht.

>> In der SAP sind sowohl Wikis, Blogs wie auch das Mikroblogging-Tool Twitter im Einsatz. Welche Bedeutungen haben die einzelnen Kommunikationsinstrumente in Eurer Unternehmenskommunikation?

Unser ältestes Wiki-System gibt es bereits seit 10 Jahren. Inzwischen hat jede Abteilung ihr eigenes Wiki für interne und externe Zwecke. Außerdem nutzen wir ein eigenes internes Social Bookmarking-System, mit dem wir intern auf interessante Links verweisen. Das macht E-Mails in dieser Hinsicht überflüssig.

Interne und private Gedanken würde ich nie auf Twitter veröffentlichen. Aber allgemeines wird bei uns auch intern veröffentlicht. Ich habe rund 80 Twitter-Kontakte aus dem SAP-Umfeld. Twitter ermöglicht eine kurze und schnelle Kommunikation, ohne dass ich mich darum Sorgen muss, jemanden durch diese Kommunikation zu stören. Eine E-Mail oder das Telefon unterbricht andere viel mehr bei der Arbeit. Bei Twitter kann jeder sich einen schnellen Überblick über relevante Fragen verschaffen und ggf. darauf reagieren. Auf künftige Kongresse wie der SAP Teched in Las Vegas werden wir auch bei SAP Twitter ausprobieren.

>> Du nutzt bereits seit einiger Zeit Twitter. Welche Erfahrungen hast Du mit diesem Kommunikationsinstrument gemacht?

Viele Leute verstehen Twitter erst einmal nicht, weil sie dessen Sinn zunächst nicht erfassen können. Wenn ich im Wald stehe und laut rufe, dann hört mich doch niemand, denken viele. Ich war auf der SAP Saphire und wollte damals wissen, wie ich ein Problem lösen soll. Damals hatte ich zwei Möglichkeiten, meine Frage an viele Kontakte per E-Mail zu verschicken oder meine Community via Twitter direkt zu befragen, ohne damit jemanden in seiner Arbeit zu stören. Hierbei hat Twitter als Kommunikationsinstrument der E-Mail einiges voraus und ermöglicht es, schneller wertvolle Informationen von seiner Community zu erhalten, ohne diese zu belästigen.

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Klaus Eck