Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Warum Blogger gerne im Rampenlicht stehen

1 Minuten Lesedauer

Im TV boomen noch immer Sendungen wie
„Deutschland sucht den Superstar“, „Popstars“ „Germany´s Next Topmodel“ und „Big Brother“. Diese bieten jedermann die Gelegenheit, sich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stellen und sich (vielleicht) zu blamieren. Hauptsache Superstar für einen Moment. Laut einiger Studien wollen rund 30 Prozent aller Deutschen gerne berühmt sein. Und sogar 40 Prozent sind sich sicher, dass ihre „15 Minuten“ (Andy Wahrhol) irgendwann kommen werden. Angesichts von prominenten Vorbildern wie Verona Pooth (Feldbusch), Jenny Elvers oder Paris Hilton eigentlich kein Wunder. Der Star-Status scheint für jeden erreichbar zu sein.

Focus-Redakteur W. Siefer hält das Streben von Menschen nach Aufmerksamkeit für sonderbar, weil es sich hierbei nicht um Freunde, sondern völlige Fremde handelt. Eine Erklärung für das Streben nach Ruhm liefert der Harvard-Psychologe Orville Gilbert Brim, der die Ansicht vertritt, dass der Starkult auf eine Erfahrung von Ablehnung und Missachtung beruht. Demnach könnte die Bewunderung und Aufmerksamkeit, die wir uns wünschen, ein wichtiger Ausgleich für die fehlende Bestätigung in unserem Alltag sein.

In gewisser Weise trifft das Bedürfnis, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, sicherlich auch auf uns Blogger zu, die sich mit dieser Darstellungsform ständig in die Öffentlichkeit begeben und nach Aufmerksamkeit gieren. Wir schreiben schließlich nicht für ein digitales Weltarchiv, sondern für unsere Leser und wollen deren Feedback. Allein dadurch erhalten wir die Bestätigung für unser Bloggerdasein und können unsere kleinen Kommunikationserfolge direkt messen. Viele ergötzen sich an den Klickzahlen des eigenen Blogs und beobachten, wie ein Blogartikel sich in der Blogosphäre immer wieder reproduziert und dadurch die Aufmerksamkeit auf den Urheber lenkt. Vielleicht erklärt das auch ein klein wenig, warum Blogger immer am liebsten über Blogger schreiben.

Welche Erfahrungen haben eigentlich Sie mit dem (digitalen) Rampenlicht gemacht? Was hat sich für Sie durch das Bloggen verändert?

>>  Siefers Hirnwelten: Der Zauber des Rampenlichts – Siefers Hirnwelten – FOCUS Online

Klaus Eck

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

30 Replies to “Warum Blogger gerne im Rampenlicht stehen”

  1. @ „Vielleicht erklärt das auch ein klein wenig, warum Blogger immer am liebsten über Blogger schreiben.“
    Ich habe seit gestern eine neue Theorie dazu: a) Verglichen mit klassischen Massenmedien erreichen Blogs eine verschwindend geringe Leserzahl.
    b) Anders als klassische Massenmedien gibt es kein Übergreifen in andere Medienbereiche.
    Beispiel: Wer sich Model-, Tanz-, Pop-Castings nicht anschaut, erfährt dennoch aus anderen Medien als dem TV darüber. Man liest darüber im Internet, in Zeitungen & Zeitschriften, hört Kommentare im Radio, sieht Werbung im TV, Internet und auf Plakatwänden. Auch wenn alle Freunde & Kollegen die Show nicht schauen, weiß die Mehrzahl in der Regel doch davon. Die Show is t sozusagen ein sozial wahrgenommenes Event.
    Bei Blogs oder Blog-Aktionen, die Blogger gerade bewegen, ist das anders. Selten schafft es ein Beitrag in Printmedien oder in Online-Ableger der klassischen Zeitungen. Selten werden User, die von Google-Suchen kommen, zu regelmäßigen Lesern. Wenn ich einen Blog nicht mehr lese, so verschwindet der Autor aus meiner Welt. Außer die anderen Blogs – die ich lese – kommentieren einen aktuellen Beitrag.
    Ich bin keine Soziologin, weswegen ich keine genauere Analyse anstellen kann. Aber Blogs sind ein sehr isoliertes Medium ohne „soziale Validierung“, das kaum je von einem anderen Medium rezipiert wird. Das kann die Erklärung für das Bloggen über andere Blogger bzw. übers Bloggen sein.

  2. Karin, der Grund, weshalb Model-, Tanz-, Pop-Castings u.ä. durch so gut wie sämtliche Medienkanäle rauschen ist, dass sie natürlich entsprechend gepuscht werden. Da Medienkonzerne sowohl im TV wie auch im Print und im verlängerten Arm der Onlinemedien geschäftliche bis unternehmerische Interessen haben, geht das dann ziemlich schnell gross rum. Blogs dagegen sind fast ausschliesslich Privatsache…

  3. Der große Unterschied zu TV-Stars ist wohl, dass man als Blogger wesentlich mehr Autonomie über das eigene Image hat. Unabhängigkeit und trotzdem Rampensau, das ist das Schöne.
    Keine Band, die dir reinquatscht, kein Regisseur, der deine Rolle versaut, kein Produzent, der deinen Charrakter verbiegen will und keine fiesen Journalisten, die du in dein Haus lässt und nachher fotografieren sie unterm Sofa.

  4. Ein bisschen ein Bedürfnis nach Ruhm und öffentlicher Wirkung ist schon dabei.
    Zwischen Blogs und den genannten TV-Sendungen („Deutschland sucht den Superstar“, „Popstars“, „Germany´s Next Topmodel“, „Big Brother“) sehe ich allerdings schon einen gewissen qualitativen Unterschied. Ich persönlich möchte in keiner der genannten Sendungen auftreten.

  5. Falk, darum geht es nicht. Wir können auch jede andere TV-Sendung, beliebte Radio-Sendung, Zeitung oder Zeitschrift nehmen. Blogs sind keine Medien, die „sozial“ bzw. „gemeinschaftlich“ erlebt werden.
    Beispiel: Ich kann mich mit meinen eigenen Freunden (die, die ich nicht über meine Tätigkeit als Bloggerin bzw. Blogleserin kenne) über kein einziges Blog austauschen. Außer, es handelt sich um eine Freundin/Freund, der auf Urlaub fährt und dort bloggt. Man kann immer nur mit jenen „Blogs erleben“, die es auch lesen. Für die Nicht-Leser „existieren“ sie einfach nicht.
    Zurück zur Casting-Show, zu Nachrichten-Sendungen, etc: Durch ihre Präsenz auch auf anderen Medienkanälen, „existieren“ sie auch, für die Nicht-Leser/Zuschauer.

  6. Eine interessante Diskussion, die sich hier entwickelt hat.
    Und eine gute Erkenntnis, dass Blogs „isolierte“ Medien sind. Sie werden zwar nicht gemeinschaftlich rezipiert, da gebe ich Karin vollkommen recht. Und auch dass traditionelle Massenmedien einen gemeinschaftlichen Publikumshorizont schaffen, da die Themen einfach in unseren Köpfen irgendwie präsent sind (Agenda Setting), ohne dass wir gewisse Dinge aktiv verfolgen (Stichwort BigBrother, Superstar etc) Aber interessant ist es doch abzuwarten, wie sich dieses Phänomen der Herstellung einer Öffentlichkeit / mehrere Öffentlichkeiten, vielleicht sogar Gegenöffentlichkeit in einem interaktiven (Massen)Medium entwickelt, welche Potentiale es entfaltet. Anfang der 90er galt das Internet noch als individualisierend / isolierendes Medium. Mit der zunehmenden Etablierung von Weblogs / Wikis … entstehen Netzwerke, und somit auch Öffentlichkeiten.
    Und es muss ja keineswegs eine Seltenheit bleiben, dass in Weblogs Themen diskutiert werden, die dann den Weg in klass. Medien schaffen.

  7. Mal andersherum gefragt: Wer ist denn nicht bestrebt, sich vorteilhaft darzustellen? Möchte ein Bewerber auf einen Führungsposten im Unternehmen, ein Wissenschaftler, der einen Vortrag zu seiner neuesten Forschung präsentiert, oder ein Politiker, der bei Sabine Christiansen auftritt, nicht im besten Lichte erscheinen? Eigen-PR ist sooo neu nicht, hängt nicht wirklich am Medium Internet. Und obgleich, wie bei Cem angedeutet, auch die Blogosphäre nicht unbedingt hierarchiefrei ist, kann man doch immerhin für einen bestimmten Bereich einen gewissen Bekanntheitsgrad erzielen, ohne sich von Dieter Bohlen mustern lassen zu müssen. Da besteht doch Grund zur Hoffnung 🙂

  8. Ich kann der These nicht zustimmen, dass Blogs isolierte Medien sind. In den vergangenen Jahren habe ich viele Themen, die in Blogs ausführlich diskutiert wurden, in den klassischen Medien wiedergefunden. Ich möchte sogar behaupten, dass sehr viele Journalisten Blogs sehr intensiv beobachten und sie für ihre Recherche verwenden. Im Internet schlummern so viele gute Geschichten, die über die klassische PR nie ans Licht kommen würden. Und Journalisten der klassischen Medien bedienen sich dieser Geschichten, nicht alle, aber doch schon sehr viele.

  9. Ich glaube nicht, dass Blogger grundsätzlich eine grössere Neigung haben im Rampenlicht zu stehen als andere Menschen. Das mag auf einzelne zutreffen. Aber generalisieren kann man das sicher nicht.
    Auf die „Alpha-Blogger“ der inneren deutschen Blogosphäre (man könnte statt Alpha-Blogger natürlich auch den Terminus Alt-Blogger benutzen) mag das zutreffen. Aber die schmoren doch völlig bedeutungslos in ihrem eigenen Saft. Das sind ein paar Dutzend Selbstdarsteller, die sich pausenlos gegenseitig verlinken und kommentieren und dadurch eine Gegenöffentlichkeit mit Pseudo-Prominenz generieren. Das Web nimmt diese doch kaum zur Kenntnis. Anders bei Corporate Blogs, die auch ausserhalb der Bloggerszene gelesen und zitiert werden. In denen geht es aber um professionelle Interessen und nicht um Selbstdarstellung.

  10. ich glaube schon, dass der mensch grundsätzlich das bedürfnis hat, seiner werte, ideen, meinungen an die aussenwelt zu verbreiten…
    va blogs eignen sich hierfür am besten…man kann, ohne seine ideen den anderen aufzuzwingen, viele gleichgesinnte erreichen…
    die interessierten finden die blogs automatisch und als ergebnis entwickelt sich eine plattform, die durch ihre selbstdynamik lebt…
    all das ist jedoch nie ohne den drang, sich selbst der aussenwelt zu zeigen, möglich…
    zb bin seit kurzem bei der kommunikationsplattform bizzlounge registriert, wo beiträge verfasst werden, die genau den eigenschaften von bloggern entsprechen…
    nämlich transparenz, offenheit, ehrlichkeit,…
    das sind meiner meinung nach die grundvoraussetzungen für das funktionieren derartiger plattformen…

  11. Interessantes Thema (schön provokativ – zumindest für die Blogger von uns) und schöne Diskussion – klasse!!!
    Ich finde, dass an allem etwas dran ist.
    Sicherlich liegt dem Bloggen ein gewisser Exhibitionismus möglicherweise auch verbunden mit einem Wunsch nach Anerkennung und Aufmerksamkeit zugrunde, aber ob ich da gleich soweit gehen würde das zu „psychologisieren“, ich weiß nicht.
    Gibt ja auch viele, die Bloggern ein ADS „anlästern“. Sicherlich könnte man das Phänomen der „Gier nach Aufmerksamkeit“ auch noch gesellschaftspolitisch „sezieren“. Ich gewöhne mir das inzwischen ab und sehe das eher gelassen.
    Vielleicht ist Bloggen einfach nur eine neue – und deshalb für viele so ungewohnte und kritisch beäugte – persönliche Ausdrucksmöglichkeit. Ein neues Medium, das dem Individuum nie zuvor dagewesene individuelle mediale Ausdrucksformen erlaubt. Ich finde das – jetzt mal alles negativen Folgen (Stalking) und Aspekte beiseite geschoben – vom Grundsatz her toll.
    @ Karin: Stimme dir nur in Teilen zu. Erstens: Blogs können sehr wohl als Gemeinschaftserlebns wahrgenommen werden, vor allem dann, wenn sich dort Communities bilden. Zweitens: Das erzählen über Web 2.0 Inhalte – wie z.B. die Graham-Grabrede von John Cleese – trägt im „normalen Leben“ schon sehr zur Unterhaltung und zum Gemeinschaftsgefühl bei. Man empfiehlt YouTube Inhalte schon weiter. Ich denke auch, dass es die „integrativen Medien“ z.B. innerhalb einer Jugendkultur immer geben wird. Web 2.0 Anwendungen dienen eher der zusätzlichen Information über diese ich sage mal „Leitmedien“.
    Es sehen zwar nicht mehr alle gemeinsam am Samstag Abend Wetten Dass??? Aber es doch wird trotzdem noch drüber gesprochen, nur insgesamt viel bunter und vielfältiger.

  12. (kurz nachgebloggt): Der Wunsch nach persönlichem, individuellem Ausdruck fand im übrigen schon während der Steinzeit statt, nur über andere Medien: Siehe Höhlenmalerei!
    Jenen Künstlern würde wohl aus heutiger Sicht keiner ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom andichten, oder? 🙂

  13. @Frank: Ich gebe dir mit YouTube völlig Recht. Das ist ein „Social Media“-Medium, der es manchmal in andere Medienkanäle schafft. Oft genug werden YouTube-Video ja auch von Bloggern übernommen.
    Aber… wie oft werden Blogposts, von anderen Medien übernommen?
    @Heike: Dass klassische Journalisten über Blogposts berichten kommt im deutschsprachigen Raum sehr selten vor. Bei uns in Österreich gibt es zwar eine Zeitung, die sogar eine eigene Blogger-Rubrik hat, aber da geht es um politische Postings.
    Könnt Ihr Euch an die Anfänge des Internets erinnern: Es gab TV-Sendungen, Zeitschriften, Zeitungs- & Zeitschriftenrubriken, die sich nur mit Webseiten auseinander gesetzt haben.

  14. @Karin: Ich glaube, Du liegst damit falsch. Wenn sich die Zeitschriften mit Webseiten beschäftigt haben, dann ging es meist um die Technik. Die Technik ist da. Es geht jetzt um die Inhalte. Und gute Inhalte und Diskussionen aus Blogs schaffen es auch in die klassischen Medien.

  15. Das gemeinschaftliche Erlebnis gibt es auch bei Blogs. Klar, es ist anders, aber es ist da. Oft wandern Links zu Einträgen über ICQ, Foren oder E-Mails durch das Netz und erreichen so auch die, die sonst nicht mitlesen.
    Und auch die, die mitlesen, können eine Gemeinschaft bilden. Ich hab bei meinem Blog z.B. schon ein Lesertreffen abgehalten. Etwa ein Dutzend Leute kam.
    Es wird auch über Blogeinträge geredet, auch mit Leuten, die diese Blogs selbst nicht lesen. Das ist doch in etwa das, was du (Karin) für andere Medien beobachtet hast. Es geschieht nur bisher auf anderem Niveau bzw. es verteilt sich eben auch sehr auf die große Menge kleiner, mittlerer und größerer Blogs, während bei den klassischen Medien eine viel größere Konzentration da ist.

  16. @Karin: Natürlich gibt es zahlreiche Bloginseln (und Blogperlen), die niemand findet. Das ist dann auch nicht weiter schlimm, sondern liegt an deren Inhalten, die eher für einen Freundeskreis gedacht sind. Gleichzeitig werden immer mehr Blogs professionell aufgezogen und erzielen dadurch als Nischenpublikation eine beachtliche Reichweite. Letztlich findet jeder Blogger durchaus sein Publikum.
    @Henning: Es sind wirklich die vielen Blogs, die in ihrer Masse Aufmerksamkeit von den klassischen (Online-)Medien abziehen. Der einzelne gilt wenig, aber im (Content-)Schwarm entfaltet sich eine massive öffentliche Wirkung.
    Wenn einer über ein Thema x bloggt, ist das vielleicht noch nicht relevant, aber sobald viele sich darauf beziehen, beginnt die Idee als solche ihre Wirkung zu entfalten.
    Blogs bieten enorme Chancen für die Selbstvermarktung, bei der es nun einmal auch darum geht, sich selbst darzustellen. Das ist nicht perse etwas Schlechtes, wird aber in unserer Gesellschaft nicht unbedingt als etwas Positives goutiert. Stattdessen wird es sehr schnell psychologisiert und als Defizit verstanden, nach dem Motto, der hat es nötig …

  17. @ Heike: Ich erinnere mich an große Specials zu allen möglichen Themen – von Hobbies bis hin zu Business. In Österreich gab es auch eine dicke Monatszeitschrift über Webseiten. Beiträge über technische Aspekte gab es natürlich auch. Aber in der Mehrzahl ging es um Inhalte.
    Versteht mich nicht falsch, ich brauche sicher kein Blog-Printmagazin oder eine TV-Blog-Sendung…
    @ Henning: Deine Bloglesung finde ich super. Mein Kunde hat das mit dem Winzerblog.at auch gemacht. Natürlich gibt es auch bei Blogs eine Leser-Gemeinschaft. Aber das Blogerlebnis selbst, also das Lesen, ist immer ein Individuelles. Selten setzt man sich gemeinsam vor den Rechner, um sich ein Blog durchzulesen. Das liegt auch daran, dass Lesen eine individuelle Tätigkeit ist, abgesehen vom Vorlesen. Ich bin aber schon oft genug zu zweit vor dem Rechner gesessen, um mir ein kurzes YouTube-Video anzuschauen. Oder habe eines mit meinen Workshop-Teilnehmern gemeinsam geschaut.
    Ich weiß nicht, wie oft ich Freunden oder Bekannten Blogs empfohlen habe, die zu ihrer Situation passten (sei es Krankheiten, geschäftliche Pläne oder Reisen.) Keiner hat öfter als einmal draufgeschaut, wenn überhaupt – vom Abonnieren oder regelmäßig lesen ganz zu schweigen.
    Und damit wäre ich wieder bei der ursprünglichen Meldung von Klaus: Wollen Blogger im Rampenlicht stehen und bloggen sie deswegen ständig über einander? Meine Theorie ist: Nicht unbedingt, aber es ist fast die einzige Möglichkeit um sein Tun (das Bloggen) Bestätitung zu finden und Feedback zu bekommen.

  18. Digitales Rampenlicht?… also ich würde hier nicht generalisieren.
    Ich habe mit meinen ersten Blog begonnen, weil ich eine Botschaft hatte, eine Idee die für viele sehr frish war.
    Da ging es überhaupt nicht um meine eigene Darstellung!
    Erst viel später habe ich angefangen etwas über meine persönlichen Erlebnisse zu schreiben (weil eine Idee sich auf diese Weise doch viel authentischer präsentieren lässt).
    @ Mario Scheuermann: ich bin mir nicht sicher, dass eine Kommunikationsplatform für leidenschaftliche Blogger interessant sein kann.
    Ich glaube Blogger sind prinzipiell kreative, schaffende Menschen – bei einer Diskussion ist nicht genug Ausdrucksmittel (Design, Bilder) dabei.
    Andererseits, habe ich schon von dieser Plattform (bizzlounge war der Name?) etwas gehört, es dürfte sehr intellektuell und recht interessant sein.
    Aus einer Diskussion mit intelligenten Menschen entstehen oft sehr packende Posts 🙂 Ich glaube, für bizzlounge braucht man eine Einladung, oder?

  19. Interessante Debatte. Hier ein paar Anmerkungen zu meinen Erfahrungen:
    Bloggen hat mich nach entsprechenden AHA-Erfahrungen wesentlich sensibler in meinem Kommunikations- und „Kommentar“verhalten gemacht. Einseits hat es mir selbst eine digitale Stimme gegeben, andererseits mein Bewusstsein darüber geschärft, dass Blogs keine private, sondern eine öffentliche Form der Kommunikation darstellen und eben der eventuell Kritisierte sich genauso öffentlich zurückmelden kann.
    Zweiter Punkt, der mit dem ersten zusammenhängt: VERANTWORTUNG. Ich habe (im Nachhinein betrachtet) einmal den Fehler gemacht ein brisantes Video zu posten, das angeblich den Verdacht von Wahlbetrug in Weißrussland belegte. Binnen Stunden hatte mein Posting die RUnde um den halben Blogosphären-Globus gemacht. Meine ZUgriffe haben sich an dem Tag ver-90-facht. Warum: Das Video wurde nicht, wie von mir intendiert als MÖGLICHER Beleg mit der Bitte um Verifikation (es wurde nur Russisch gesprochen) gewertet, sondern als BEWEIS!!! EIn ganz kleiner Teil von mir hat sich natürlich über den Besucherstrom gefreut, aber der überwiegende Teil wollte in dem Moment sein digitales Leben beenden. 🙂

  20. Bloggen auf ein Motiv zu reduzieren scheint mir zu einfach. Ein gutes Motiv-Spektrum bietet der Kaffe-Satz-Blogger http://www.mediacoffee.de. Das reicht vom Anstoß gebenden Nutzwert über die (Selbst)-Verkaufe bis zur -beweihräucherung. Wer in dieses Schaufenster deutscher Kommunikationsmenschen schaut, kann so gut wie alles erleben. Dennoch ist dort nicht alles unkritische Vanety Fair.
    Fakt dürfte sein, wer als Blogger seine Gemeinde nicht unterhält und keinen echten Nutzwert bietet, der liest sich oft nur selbst. Und Nachhaltigkeit mit einem Blog herzustellen, gehört zu den schwierigsten Disziplinen, die es gibt.
    Bloggen hat freilich auch etwas mit Kontaktsuche und Austausch zu tun, mit Gemeinschaftsbildung, wie sie früher auf Marktplätzen oder nach dem Kirchgang stattfanden – mit ähnlichen Situationsmustern. Da gab es Zuhörer, Wortführer – und solche, die in Diskussionen einstiegen und diese anheizten. Demnach wären Blogger Wortführer. Dieses Gefühl haben wohl Millionen Blogger auch dann, wenn ihnen nur wenige zuhören – aber auch wenige Leser sind ja schon besser als nichts für das eigene Selbstwertgefühl.
    Selbst wenn nur wenig Eitelkeit beim Nutzwert- und Themen-Bloggen im Spiel ist, ist die Wahrnehmung und Anerkennung durch Dritte natürlich ein hoher Mehrwert für das Selbstwertgefühl.
    Roland Keller

  21. Wow, kaum wird über Kommunikation via Weblogs diskutiert, quillt im PR-Blogger die Kommentarliste über. Ist wohl ein wirklich heißes, gefühlsbelastetes Thema, das aber wieder einmal nur die Bloggergemeinschaft interessieren dürfte. Gute Blogger schreiben, diskutieren und verlinken gern, sie sind die „Ratschkattln“ (bayerisch für Plaudertaschen) der Globalisierung. Was soll daran schlimm sein? Ist doch wunderbar! Weiter so!
    @Karin: Schon heute gelangen wichtige Themen aus dem Reich der Blogger in die breite Öffentlichkeit – man denke nur an die Meckertiraden über Internetprovider, die bereits dankbar von Stiftung Warentest und TV-Reportern aufgegriffen wurden. Gerade als Sprachrohre der Verbraucher besitzen Blogs ein einzigartiges Megatalent, dem wir noch viele spannende Themen verdanken werden.

  22. @ Roland: Mediacoffee geht mir in punkto Selbstdarstellung mittlerweile ziemlich auf den Wecker – das ist schon ein bisschen grenzwertig finde ich persönlich, vor allem, weil die meisten Herren und Damen damit auch auch ihre Brötchen verdienen. Da finde ich das hier wesentlich glaubwürdiger.

  23. Ich hab vor einiger Zeit auch von bizzlonge gehört, aber das Problem ist, man muss von irgendwem eingeladen werden, um da schreiben zu können. Was ich gehört hab, diskutieren sie dort auf einer sehr hohen und seriösen Ebene über viele unterschiedliche Themen, von denen mich auch einige interessiert hätten, aber leider die Geschichte mit der Einladung.

  24. Karin: Du vergleichst Blogs nicht mit dem Fernsehen allgemein, sondern mit Fernsehereignissen wie den allgegenwärtigen Castingshows. Auch im TV findest Du natürlich massenweise Sendungen, über die ganz und gar nicht jeder im Lande spricht oder auch nur Bescheid weiß.

  25. der grund, warum der riesen-airbus nicht die erwartet positiven kritiken bekam, war, weil der konkurrent boeing, ohne zu verunglimpfen, sondern aufgrund harter fakten, die schwachpunkte des airbus in mehreren expertenblogs aufzeigte…
    diese blogpräsenz war natürlich nicht der einzige grund für das airbus-disaster…aber MIT EIN grund…
    die bush – gore präsidentschaftswahlen waren die perfekte gelegenheit für blogger, ihre kunst mal so richtig aufzuzeigen…
    wenn man jetzt unter google ‚bush‘ und ‚blog‘ eingibt, findet man ua bushisms, die man sich in einer zeit vor den blogs nicht hätte vorstellen können…
    @martina: danke für dein interesse….stimmt, man braucht einen einladungslink…gerne bekommst von mir die einladung (diskretion natürlich vorausgesetzt)
    https://bizzlounge.com/users/welcome?uid=5910279&pin=2298bb65
    + seriöse diskussionen…’die welt ist so sch*** und alles ist sch***‘-beiträge wirst dort nicht finden…

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