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Politische Kommunikation: Stadtplanung 2.0

Wie soll sich eine Stadt verhalten, wenn ein Architekturwettbewerb scheitert? Eine spannende Antwort haben die Verantwortlichen der Stadt Hamburg gefunden, in dem sie ganz im Sinne von Web 2.0 die Bürger planen lässt, die durchaus gute Ideen haben.

Seit vielen Jahren hat sich die
Hansestadt um eine neues Konzept für den historischen Domplatz in der
Hamburger Innenstadt bemüht, bislang jedoch vergeblich. Das Areal in bester Stadtlage, auf dem einmal sogar Hamburgs Keimzelle, die Hammaburg, gestanden hatte, wird gegenwärtig nur als Parkplatz genutzt. In einer
solchen Ausgangslage erscheint eigentlich ein Architekturwettbewerb mit international
besetzter Jury als bewährtes Mittel, um eine tragfähige Lösung zu
finden.

Doch das Ergebnis konnte nur die Jury begeistern, die meisten
Hamburger war gegen das Konzept. Selbst bekannte Architekturkritiker und nicht zuletzt der Hamburger Altbundeskanzler Helmut Schmidt ließen kein gutes Haar an dem Glaspalast. Nach einer Denkpause entschloss sich deshalb die Hamburger Politik dazu, eine Internetdiskussion
durchführen zu lassen und setzen somit auf Architektur 2.0.

Mit der Online-Partizipation hat die Stadt bereits in der Vergangenheit einige gute Erfahrungen gemacht. Schon 2002
hatte man an der Elbe im Rahmen eines EU-Projektes das städtische
Leitbild („Wachsende Stadt“) diskutiert und überraschende Erfolge
erzielt. Einige der damals entwickelten Ideen, wie die "Schwimmenden Häuser"  werden gegenwärtig realisiert.

In dem Unternehmen TuTech Innovation hat man das entsprechende Verfahren mehrfach erprobt. Zuletzt hat Hamburg auf dieser Basis als erstes
Bundesland mit einigem Erfolg einen Bürgerhaushalt durchgeführt, bei dem die Teilnehmer mit Schiebereglern ihren
eigenen Haushalt aufstellen konnten.

Auch bei der Domplatz-Diskussion gibt es einige nette technische
Features: So können die Teilnehmer  ihre eigenen Entwürfe in Luftbilder
einzeichnen und beschreiben, sich die Grundstücksgrenzen anzeigen
lassen und Bebauungspläne herunterladen. Darüber hinaus wird die
Diskussion von Moderatoren strukturiert und alle Vorschläge sollen in
Wikis zusammengefasst werden, die anschließend von den Teilnehmern weiter bearbeitet
werden können. Das hat dazu geführt, dass inzwischen ambitionierte Laienplaner eigenen Mashups online stellen und in den Foren die verschiedenen
Entwürfe diskutieren und in den Wikis ganze Raumplanungskonzepte erstellen. Auch
Architekten beteiligen sich an der Diskussion und stellen ihre Animationen
auf die Plattform.

Die Kreativität der Beteiligten scheint dabei keine
Grenzen zu kennen – mittlerweile werden schon Konzepte für das ganze
Quartier entwickelt. Das partizipative Netz hat, so scheint es,
Architektur und Stadtplanung erreicht.

Klaus Eck