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Blogger schreiben für die Christen in der Kirche

Blogger müssen keine Angst um ihren Job haben, wenn sie eine unpopuläre Meinung vertreten und unterliegen weniger den Redaktionszwängen. Damit haben sie durchaus einige Vorteile gegenüber Journalisten, hieß es auf unserem ersten Social Web Breakfast im Artist Riverside Hotel & Day Spa in Berlin. Insgesamt nahmen rund 24 Personen an dem Social Network Event teil, die Don Dahlmanns und Frank Lassaks Thesen zum "Journalismus versus Blogs" lauschten und anschließend mitdiskutierten. Ein entscheidendes Argument für Don ist die Frage der redaktionellen Unabhängigkeit der Blogger gewesen, die nicht so sehr auf „politische“ Dinge Rücksicht nehmen müssen.

Heute verfügen die Leser seiner Ansicht nach längst über die Medienkompetenz, um eine Story selbst beurteilen zu können: „Der Leser merkt, ob eine Geschichte authentisch ist oder ob ein Journalist es aufgrund redaktioneller Vorgaben schreiben muss.“ Leidenschaft lässt sich eben nicht erzwingen. Dem stimmte Frank Lassak durchaus zu: „Blogger haben einen gewissen Drive, weil eine Mission dahinter erkennbar ist.“ Doch letztlich dürfe man die journalistische Bedeutung von Bloggern auch nicht überbewerten: Schließlich schreiben Blogger in der Regel für Christen in der Kirche. Sie finden seiner Ansicht nach bei weitem nicht die Aufmerksamkeit von klassischen Medienprodukten: „Blogs haben  einfach nicht deren Durchdringungskraft.“

Dafür engagieren sich Blogger häufig mehr als Journalisten. Don Dahlmann meinte, sie schreiben mitunter sehr viel über ein Thema, in dem sie sich auskennen, und sind in der Regel besser ausgebildet als viele Journalisten, die zwar durchaus ihr Handwerk beherrschen, aber nicht in jedem Thema bewandert sein können. Oft sind die Journalisten gar nicht mehr vor Ort anzutreffen, bleiben an ihren Schreibtischen haften und kennen die Akteure nicht, weil sie redaktionellen Zwängen unterliegen und gar nicht mehr die Zeit für die Recherche vorhanden ist. A-Blogger sind hingegen häufig sehr gut vernetzt und profitieren in ihrer Berichterstattung von ihrem großen Netzwerk.

Doch dafür schreiben sie über alles und pushen hierdurch den allgemeinen Information Overload. Frank Lassak fehlt angesichts dessen die Einordnung durch Journalisten: „Ich kann als Leser gar nicht mehr herausfinden, was wirklich wichtig ist.“ Ob die Journalisten jedoch tatsächlich noch ihre Gatekeeper ausfüllen, wage ich bezweifeln…

Wir haben uns über diesen guten Start in der Hauptstadt gefreut. Eine Fortsetzung des Business Breakfasts wird es am 25. Mai 2007 in Berlin geben. Das Thema steht schon fest: „Was ist wirklich dran am Second Life?“ Michael Domsalla, Formfront, wird dazu einen Vortrag halten. Angefragt haben wir außerdem Katja Schwab, corecon.

Klaus Eck