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Combots-Chef in der Bloggerfalle?

Ende November 2006 hat die Deutsche Welle den Combots-Chef und Web.de-Gründer Michael Greve mit Bill Gates verglichen, was in der Blogosphäre auf einigen Widerspruch gestoßen ist. Eigentlich wäre das Ganze nicht weiter der Rede Wert gewesen, fand nur wenige Resonanz in der Bloggerwelt und hatte gerade einmal für etwas Amüsement gesorgt. Doch dummerweise gibt es das Instrument der Abmahnung, das in diesem Falle dem Berliner Blogger Oliver Lysiak angedroht worden ist, weil dieser sich in seinem Batzlog despektierlich und satirisch über den Unternehmer Greve und sein Videoporträt geäußert hatte. In einem Einschreiben der Combots AG wurde ihm mit rechtlichen
Schritten gedroht, sollte er seinen Artikel "Nur mal so gefragt" nicht
bis 06. Dezember.2006 löschen:

"Wem muss man bei der Deutschen Welle eigentlich einen blasen  gutzureden, damit ein derartig unkritischer Werbebeitrag über die eigene Firma erscheint? Oder reicht es auch, wenn man einfach einen Koffer mitGeld beim zuständigen Redakteur vor die Tür stellt? Nur mal so gefragt.

Oder sollte die Bezeichnung “der deutsche Bill Gates” gar ironisch gemeint sein und eine höfliche Umschreibung für: sieht aus wie der mit dem die Mädchen in der Schule nie knutschen wollten, hat ne furchtbare Brille, einen fünf Euro Haarschnitt, stellt überteuerte Software mit vielen Bugs her hat und insgesamt soviel Charisma wie ein Teller Dichtungsringe."

Es ist zutiefst menschlich, sich über derartige Beleidigungen zu ärgern, aber dank dem David-gegen-Goliath-Prinzip könnte das Ganze kommunikationstechnisch gesehen in einem Desaster enden. Blogger solidarisieren sich bereits wieder mit dem Verfasser und tragen den kritischen Gedanken weiter, so dass sich die ganze Aktion der Combots AG eher als kontraproduktiv erweisen dürfte.

Thomas Knüwer vom Handelsblatt sieht in dieser Überreaktion sogar wieder Anzeichen für eine Kollerkommunikation. Selbst wenn sich die Abmahnung der Combot AG rechtlich hätte durchsetzen lassen, ist es nun wirklich schwierig, diese Sätze aus dem Google-versum wieder zu entfernen, wenn die Idee einmal in der Welt sind. Es genügt völlig, wenn andere Blogger sich auf den umstrittenenen Artikel beziehen, der Text im Google Cache steht oder auf sonstigen Plattformen verfügbar bleibt. Selbst die Abschreckungswirkung einer Abmahnung ist begrenzt und führt nicht immer zum Erfolg. Doch in der Summe wird dem unliebsamen Text viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt und die Botschaft sogar in den Köpfen der Leser dieser Diskussion verankert.

"Fehler zu machen ist vollkommen normal bei uns", sagt der Karlsruher Greve im Video der Deutschen Welle und meint damit eigentlich, dass wir uns mehr zutrauen sollten. Es stellt sich hierbei die Frage, wer in diesem konkreten Falle der digitalen Reputation von Michael Greve mehr Schaden zugefügt hat. Zumindest heute finden sich erst wenige kritische Beiträge unter den ersten 10 Treffern bei Google. Aber das kann sich schnell ändern, wenn dieser Fall bekannter wird.

Wie hätten Sie in seiner Situation reagiert? Was können Sie dem Unternehmen Combots und anderen empfehlen?

>> Der Dwarslöper: Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht
>> Mein Parteibuch » Gemeinheiten zur Combots AG und ihren Chef
>> Handelsblatt Weblog: Indiskretion Ehrensache: Michael Greve kollerkommuniziert
>> DW-World: Porträt: Michael Greve, der deutsche Bill Gates

Klaus Eck

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