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CDTM Workshop: Web 2.0 rules

Organisiert von der CDTM und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)
und der Technischen Universität (TUM) München fand gestern ein Workshop zu Social Online Services und darauf basierende Geschäftsideen statt. Mit kleinen Einstiegsschwierigkeiten startete der Creative Director von Lycos Europe und gleichzeitig Agenturblogger
Oliver Wagner in seinen Vortrag über die allgemeine Definition von
Web 2.0 und die Bedeutung von Social Online Services. Wagner stellte
insbesondere die hauseigene Frage&Antwort Börse "Lycos IQ"
vor, bei dem jeder User Fragen zu einem beliebigen Thema stellen kann,
um diese von Experten beantworten zu lassen. Sobald ein User viele
Fragen richtig beantwortet hat,
ist es ihm möglich ein Expertendiplom für diese Kategorie ausgestellt
zu bekommen. Das Belohnungsprinzip scheint zu funktionieren, so führt
die Plattform mittlerweile 25.000 Experten an, die bis zu 400 Fragen
pro Tag beantworten.

Einen sehr interessanten Vortrag über die
Bedeutung von Web 2.0 Diensten hielt Andreas Neus von dem IBM Institute for
Business Value. Neus stellte in seinem Vortrag das "ExpertCentric"- Model mit der
Kernaussage "Too many cooks spoil the broth" mit dem Open-Source
Modell und der Botschaft " The more the merrier" gegenüber. Er kam zu dem Schluss, dass
die traditionellen Inhalteanbieter sich im Internet zusehends der
Konkurrenz ihrer Nutzer gegenüberstellen müssen. Neus gab vor allen Dingen zu
bedenken, dass Web 2.0-Angebote den Lebenszyklus von Informationen transparent werden lassen. So kann bei Wikipedia jeder Nutzer Inhalte ändern, oder
hinzufügen, wobei die Änderungen gleichzeitig in einer detaillierten
Historie festgehalten werden und somit für jeden sichtbar werden.

Diese Art des neuartigen Denkens muss sich
laut Neus zunächst in den Köpfen der Internetuser manifestieren. So ist es für den User bis
heute üblich entweder eine Information zu lesen und
nicht etwa die gesamte Entwicklung einer Information nachzuverfolgen.

Dr. Rüdiger Salat, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
resümierte den Vortrag mit der schönen These, dass Unternehmen in Zukunft die Frage klären
müssen, unter welchen Prämissen mehr Köche den heißen Brei verbessern
können.

Stephan Uhrenbacher, Gründer und CEO von Qype,
berichtete anschließend über sein Web 2.0 Start-Up-Unternehmen. Mit
einer dreimonatigen Entwicklungszeit startete Qype im April
des Jahres als eine Art gelbe Seiten mit Bewertungssystem. So bewerten
die User von Qype Restaurants, Boutiquen und den Drachenverein, im
Prinzip alles was ein Bewohner einer Stadt für wichtig befindet. Ziel
ist es langfristig gesehen eine Online-Community zu entwickeln, über
die man sich einfach und schnell über die Dienstleistungen bzw. den
Service vom Restaurant nebenan ehrlich und ungefiltert informieren
kann, und zwar direkt von anderen Kunden.

Veranstalter Philip Mayrhofer und CDTM-Mitarbeiter Dennis Wetzig präsentierten nach einer kurzen Kaffeepause das
Projekt "Centure Venture 2006", bei dem zwölf ausgewählte CDTM-Studenten in fünf Tagen und fünf Nächten einen neuen
Web 2.0 Service entwickeln möchten. In einem ersten zweitägigen BootCamp
sollen die ersten Konzepte gefunden
werden. Bei dem Projekt steht der Austausch verschiedener Studiengänge
im Fokus. Physiker recherchiert somit mit der
Kommunikationswissenschaflerin nach neuen Werbeformen, während der
Informatiker mit dem BWLer einen ersten Marketingplan entwickeln wird. Die
Fortschritte des Projekts werden in einem eigenen Projektblog zeitnah
dokumentiert.

Am
Nachmittag diskutieren Profis aus der Kommunikationsbranche, darunter
auch Chefredakteur von Zeit.de Gero von Randow und Cefredakteur von
jetzt.de Dirk von Gehlen über die Chancen von User-Generated-Content
(USC) für Unternehmen. Alle Panelteilnehmer waren sich einig darüber,
dass USC-Bewegung nicht nur ein Hype ist, sondern als wichtige
Ergänzung der traditionellen Medienangebote gesehen werden muss. Auch
wenn bisher weniger als 2 Prozent der Internetnutzer Web 2.0 Angebote
aktiv nutzt, so ist es laut Meinung der Fachmänner eine Entwicklung des
Nutzerverhaltens, die nicht mehr reversibel ist. Die Onlineanwender der
Zukunft werden zunehmend eigene Beiträge schreiben, Bilder hochladen
und private Filme online stellen.

Wir sind auf jeden Fall gespannt, was in dem Projekt "Centure Venture" in fünf Tagen aus dem Boden gestampft wird.

Insgesamt
war es ein spannender Tag mit vielen neuen Informationen und vor allen
Dingen einer Grundstimmung der Workshopteilnehmer, die der Web
2.0-Bewegung absolut positiv entgegenblickt. Am Ende möchte ich die
alles entscheidende Frage von Andreas Neus aufgreifen, die er an alle
Workshop-Teilnehmer richtete:
What do you want to be famous for?

Verena Schmunk

Fotos vom Workshop gibt es auf dem trnd-Blog.