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Microsoft-PR mit geschlossenem Visier

Eigentlich wollte ich schon die E-Mail der Münchner Agentur Avantgarde wegklicken. Video-Chat als Lernmethode, so der Betreff, ist nicht gerade mein Thema und mit Krisen-PR hat das zunächst nichts zu tun. Doch dann las ich weiter, erfuhr, dass zwei Schulen in Athen und Velbert per Instant Messaging Sprachunterricht über lange Distanzen betreiben. Dann war zu lesen, dass PISA meint, dass der Computereinatz zu besseren Leistungen führt. Mehrfach wurde erklärt, dass beim Chatten der MSN Messanger benutzt wird.

Allerdings wurde mir beim Lesen nie so ganz klar, auf was die Presseinformation, die in ihrer Form eine sehr journalistische Diktion anstrebte, hinauswill. Irritiert hat mich zusätzlich, dass kein Auftraggeber genannt wurde, aber das mehrfach genannte Produkt MSN Messenger gerade Teil einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen Microsoft und der EU ist.

Zufällig hatte ich am Vormittag einige Meldungen gelesen, dass Microsoft wegen der Integration des MSN Messangers ins Betriebssystem mit Brüssel im Clinch liegt und ein paar brisante Gesprächsdokumente aufgetaucht sein sollen, wie man mit Wettbewerbern verfahren wollte.
Auf Rückfrage bei Avantgarde, wer denn der Auftraggeber sei, kam dann die unklare Rückmail: „Bei dem Pilotprojekt „Fremdsprachenunterricht via MSN Messenger“ handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Hardenbergschule in Velbert und Microsoft.“ Da die Schule wohl kaum einen Etat hat, Avantgarde zu beauftragen, gehe ich davon aus, dass Microsoft der Auftraggeber ist.

Vielleicht hat Microsoft gar nicht bemerkt, dass Avantgarde das Unternehmen vergessen hat zu nennen. Warum immer das schlechteste denken? Warum sollte Microsoft in einer Krisensituation, in der man in den USA einen sogenannten hochbezahlten Litigation-Support einschaltet, so plump sein, Pressemitteilungen herauszusenden, bei denen der eigentliche Auftraggeber nicht genannt wird?
Als halbwegs informierter Journalist würde man sich bei solchen Pressemitteilungen, die mit geschlossenem Visier versandt werden, ja auf den Arm genommen – kurz, instumentalisiert – fühlen.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Agentur und Auftraggeber bei Journalisten Szenarien anstoßen möchten, bei denen Kollegen, die diese Story in der Redaktion umsetzen wollen, Ärger mit ihren Chefs bekommen, weil sie die Zusammenhänge nicht recherchiert hatten.

Hier fällt mir nur ein: Wer in der Krise nur den nächsten Schritt bedenkt und nicht an den übernächsten denkt, ist nicht immer gut beraten.
Siehe auch Diskussion in Krisenblogger.de