Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Verlieren Journalisten ihren Vertrauensvorsprung?

2 Minuten Lesedauer

Für den Journalismus ist das Internet in gewisser Weise gefährlich, weil es seine bisherige Rolle in Frage stellt und mit seinen eigenen Schwächen konfrontiert. Wer einfach nur Copy-and-Paste-Journalismus betreibt, wird dank Google und anderer Suchmaschinen sehr schnell entlarvt. In den dezidierten Watchblogs und vielen normalen Blogs begutachten Leser die journalistische Qualität ihrer Lektüre viel detailfreudiger, als die Redaktionen dieses früher von Leserbriefen gewohnt waren. Plötzlich können auch Journalisten an den Pranger gestellt werden. Das ist natürlich eine ungewohnte Rolle. Hierbei ist das Bildblog nur das bekannteste Beispiel.

Das kann im Einzelnen schnell fatale Folgen haben. Im vergangenen Jahr verlor Dan Rather seinen Posten bei dem US-Sender CBS, weil er mitten im US-Wahlkampf gefälschte Dokumente über den Militärdienst von US-Präsident Bush präsentiert hatte. Blogger waren ihm dabei auf die Schliche gekommen. Erst nachdem die Fälschungen nicht mehr zu leugnen waren, entschuldigte sich CBS News damit, getäuscht worden zu sein.

Wenn in den Redaktionen keine Zeit mehr für die Recherche vorhanden ist, wird das Risiko groß, dabei ertappt zu werden. Erst vor kurzem hat Alexander Svensson in seinem Wortfeld-Blog daraufhin gewiesen, dass die Fakten in einem Spiegel-Artikel über die Washington Post und ihre Blogpolitik nicht mit der Wahrheit übereinstimmen. Obwohl die US-Zeitung nur die Kommentare in einem Weblog der Herausgeber geschlossen hat, heißt es auf Spiegel Online, das Blog-Experiment mit den Lesern sei gescheitert. Dabei gibt es aktuell noch 19 Weblogs unter dem Dach der Zeitung.

In einem weiteren Beitrag zu den Washington-Post-Blogs geht er auf die Fehldarstellungen auch im Tagesspiegel ein, die letztlich die Fakten nochmals verdrehen: "Und schließlich wiederholt von Marschall die falsche Darstellung bei Spiegel Online: “Daraufhin schloss die ‘Washington Post’ diesen Blog.” In dem Artikel fliegen die Begriffe fröhlich durcheinander: Mal steht “Blog” für einen Kommentar, mal steht “Blog” für einen Blogeintrag, mal für ein Weblog; an anderer Stelle heißen Weblogs “Blog-Foren”." (Wortfeld)

Interessant ist die seltsame Schlussfolgerung des Tagesspiegel-Artikels: "Insgesamt haben die USA eine erste euphorische Phase des Bloggens offenbar hinter sich. Vor zwei Jahren galten Blogs als neue Medienform mit fast unbegrenzten Wachstumsmöglichkeiten. In Analysen aus jüngerer
Zeit heißt es, ihre Bedeutung werde weit überschätzt. Für Blogs interessiere sich nur eine kleine Gemeinde, die durch hohe Aktivität, Geltungsbedürfnis und gegenseitige Verweise aufeinander größer erscheine, als sie sei. Sie habe kaum Einfluss über ihre Mitglieder hinaus."

Bei den Analysen kann es sich eigentlich nur um die deutsche W3B-Studie handeln,
auf die zahlreiche deutsche Journalisten verwiesen und die Behauptung
daraus abgeleitet haben, dass die Bedeutung der Blogs überschätzt
werde. Bislang ist mir hingegen keine US-Studie bekannt, die das Fazit
des Artikels stützt. Leider gibt es auch keine Quellenhinweise. Etwas
dünn wirkt die Argumentation, die auf zwei Fälle eingeht, die sich
sogar leicht widerlegen lassen.

Wenke Husmann geht in einem
Zeit-Artikel "Mit doppeltem Netz" auf die Veränderungen im Journalismus
ein, die mit der Verbreitung der Blogs einhergehen: Dabei endet der
Text für Journalisten sehr optimistisch: "Die schiere Masse der
Informationen macht das Sichten, Verweisen und
Einordnen immer wichtiger. Deswegen hat Orientierung gebender
Journalismus Zukunft – im Internet ebenso wie in den klassischen
Medien." (Die Zeit – Leben : Mit doppeltem Netz)
Doch "im Wettbewerb um das Vertrauen der Leser" stehen nicht allein die
Online-Medien und Print, sondern auch die "Laienjournalisten" mit den
Professionals in den Medien.

>> Tagesspiegel: Forum der Flüche
>> Washington Post Statement
>> Wortfeld: Blogs gescheitert, weitermachen: Spiegel Online über angebliche Blog-Schließungen
>> PR Blogger: Marks: Watchblogs lassen sich nicht totschweigen
>> PR Blogger: Die Macht der Medien wird in Frage gestellt

Klaus Eck, econcon

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

7 Replies to “Verlieren Journalisten ihren Vertrauensvorsprung?”

  1. Aus Wikipedia: „Journalist [ʒʊrnaˈlɪst] war ursprünglich, im 17. und 18. Jahrhundert, ein Herausgeber, wenn nicht sogar der alleinige Autor eines Journals“
    Man schaue sich eine Menge Blogger an – und sie sind Journalisten. Also verlieren damit dann auch Blogger ihre Vertrauensstellung?!
    Ich würde mal die Kirche im Dorf lassen: Auch nicht-bloggende Journalisten machen Fehler, die gehören aufgedeckt, jawohl, aber statt sichs Maul über die andere Seite zu zerreissen, sollte man als Blogger mal selbst schauen, wie man mit der Vertrauensstellung umgeht. Die Diskussion um angeblich gefälschte Focusfotos (und vor allem der Ton) zeigen, dass auch in der Blogosphäre bald Watchblogs notwendig sind.
    Ich sehe keinen Sinn in der Konfrontation Blogger/Journalisen (außer mehr Pageimpressions und Googleklicks und Rankin-Punkte zu bekommen).
    Die regionale Zeitung bei der ich arbeite (Frankfurter Neue Presse), hat 100.000 Auflage täglich. Das soll mal ein Blog in der Region erreichen. Dann können wir über Vertrauensverluste reden.

  2. Wieder einer.Journalisten und Blogger

    Klaus Eck beginnt mal wieder die leidige Diskussion, ob Journalisten durch die Blogger ihre Vertrauensstellung verlieren, und belegt das mit den paar bekannten Beispielen. Das ist langweilig, weil allein die Übersicht des Presserats mehr hergibt, was…

  3. Von Konfrontation kann keine Rede sein, zumal diese Diskussion von Journalisten selbst angeregt wird, bspw. in der Zeit. Letztlich wird von Journalisten immer mal wieder die Schutzbehauptung nach vorne gestellt, dass Blogs ja nicht glaubwürdig seien und gleichzeitig das Online-Medium an sich delegitimiert. Dabei zeigen neueste US-Studien, dass die Leser immer mehr Vertrauen zu Online-Publikationen fassen.
    Und ich glaube nicht, dass es heute genügt, sich als Journalist oder Medium zu bezeichen, um den Vertrauensvorsprung zu erhalten. Dazu gehört eben auch der Qualitätsjournalismus. Je mehr dieser in den Hintergrund tritt, desto schwieriger wird es für die Leser zwischen Blogs und Medien zu unterscheiden. Warum soll ich dann noch für Content zahlen, wenn Vergleichbares von Journalisten/Blogger freihaus geliefert wird.
    Dass viele bekannte Blogger Journalisten sind, steht ohnehin außer Frage. Natürlich sind nur die Publikationen erfolgreich, die aufgrund journalistischer Regeln ihr Klientel bedienen. Und seien es Boulevard-Regeln.
    Die Auflagenhöhe mag schön sein. Es geht wirklich nicht um den Vergleich von Zugriffszahlen einzelner Blogs und Auflagenhöhen – die ohnehin rückläufig sind, sondern vielmehr darum, wie viel Zeit gerade Jüngere in die Online-Lektüre freizugänglicher Informationen investieren.
    Natürlich müssen sich auch die Blogger bewerten lassen und ihre Glaubwürdigkeit verdienen. Keine Frage. Aber das gilt eben auch für klassische Medienprodukte.

  4. Können wir den denn noch trauen?

    Journalisten verlieren ihren Vertrauensvorsprung nicht durch die Blogger. Sie verlieren ihn, wenn Sie schlechte Arbeit abliefern. Das gilt für diesen Beruftstand in gleicher Weise, wie für die Industrie.Und genau das hat Klaus Eck doch h…

  5. Ich glaube nicht, dass Journalisten ihren Vertrauensvorsprung verlieren, im Gegenteil: Sie gewinnen eine Kontrollinstanz!
    Man muss das nicht als „Epochenwende“ überschätzen, aber schon jetzt zeigt sich, dass ein Einfluss ganz real besteht. Ich denke, dieser Einfluss, man könnte von einer Art chaotischer Bürgeröffentlichkeit sprechen, kommt zur rechten Zeit.
    Denn, was erleben wir gerade?
    Wir erleben als Bürger, dass der Journalismus immer stärker ins Kommerzielle rutscht (so lauten jedenfalls die Klagen), während der politische Journalismus parteilicher wird oder sogar Agendasetting betreibt bis hin zu offenen bzw. verdeckten Kampagnen.
    Hier können Blogger – ein Stück weit – wie ein Korrektiv wirken, und sei es nur, dass sie den Journalisten das Gefühl geben, dass sie beobachtet werden.
    Als Politblogger fällt mir auf (das mag aber eine Randerscheinung sein), dass sich zunehmend regelrechte Diskurse entwickeln, über bestimmte Fragen. So tobt in liberalen Blogs zur Zeit eine „Schlacht“ über den Inhalt des Begriffs Freiheit, z.B. zwischen Libertären und Linksliberalen. Vielleicht schon ein Stück weit neue Debattenkultur?
    Dieses Beispiel zeigt auch eine entgegen gesetzte Richtung.
    So nutzt die Friedrich-Naumann-Stiftung (selbsterklärtermaßen) die Blogkultur als Hilfsmittel zur Organisation „kultureller Hegemonie“ bis hin zu gezielten Eingriffen in Wikipedia. Es werden Netzwerke gebildet, Strategien verabredet, Diskussionsleitfäden und Einwandbehandlungen entwickelt – um damit in einer Art „ideologischen Schlacht“ merklichen Einfluss zu entfalten.
    Hier kommt also die Einwirkung nicht aus der Blogöffentlichkeit heraus, sondern in die Blogöffentlichkeit hinein. Wenn man die Aufregung z.B. bei Nazibildfunden (DbD-Kampagne) bedenkt, so ist auch denkbar, dass Blogs in Zukunft (z.B. von den Liebhabern viralen Marketings) gezielt manipuliert bzw. beeinflusst werden – und sei es, um damit z.B. einem Konkurrenten zu treffen.
    Bei der Gelegenheit weise ich noch dezent auf einen eigenen aktuellen Artikel zum Thema Gesinnungsjournalismus hin:
    http://dermorgen.blogspot.com/2006/02/prowestlicher-gesinnungsjournalismus.html

  6. Durch das Internet verlieren Journalisten/innen zumindest an Bedeutung. Wenn ich – Journalist, Buchautor, Buchverleger – heute etwas veröffentlichen will, wende ich mich nicht mehr an Redaktionen von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen, sondern veröffentliche selbst Pressemitteilungen in Weblogs und bei kostenlosen Pressediensten. Auf diese Weise erscheinen meine Texte garantiert – und zwar immer so, wie ich es haben will und ich bin nicht mehr auf das Wohlwollen von Journalisten/innen angewiesen. Das Desinteresse in manchen Redaktionen ist erschreckend!
    Ernst Probst
    http://medien-news.blog.de

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