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Neue Wertschöpfung für Medienhäuser

Die Medienlandschaft und die Rezeption von medialen Inhalten verändert sich durch Weblogs auf radikale Art und Weise. Zu diesem Ergebnis kam gestern eine Expertenrunde im Rahmen des Frankfurter MedienMittwochs, über die zahlreiche Blogger inzwischen berichtet haben. Die vom BVDW unterstützte Veranstaltung stand unter dem Motto "Weblogs: Revolution des Journalismus oder überschätztes Phänomen?" Rund 250 Besucher lauschten der Podiumsdiskussion, an der Julius Endert (Handelsblatt), Rainer Meyer, besser bekannt unter seinem Pseudonym "Don Alphonso", Volker Gläser (Yahoo ) und Dr. Marcel Reichart (Burda). Teilnehmen konnte ich zwar nicht selbst an der Veranstaltung, aber viele Informationen sind inzwischen online verfügbar.

“Die Währung unserer Zeit ist die Aufmerksamkeit”, meinte Julius Endert, der vor allem erläuterte, dass sich die Verlagshäuser davor fürchteten, die Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppen zu verlieren. Dabei prognostizierte der Leiter der Online-Redaktion des Handelsblatts einen radikalen Wandel der Medienlandschaft, wenn jeder zum potentiell Medienschaffenden werde und Information kostenlos zur Verfügung stelle. "In Weblogs und Wikis findet Kommunikation statt. Die Medienhäuser müssen lernen, diese Gespräche zu moderieren und an den Diskussionen teilzunehmen." Wer die Kontrolle behalten wolle, müsse dazu auch ein Stück Kontrolle aufgeben. Seiner Ansicht nach geht es in Zukunft für die Verlage darum, nicht nur eigene Inhalte zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Publishing-Infrastruktur für die Leser bereitzustellen.

Viele Blogger haben sich bislang weniger mit den Thesen der Veranstaltung
auseinandergesetzt, sondern ergehen sich in ihren Blogartikeln in erster Linie
darin, die Vortragenden oder die Veranstaltung insgesamt zu bewerten.
Das ist eigentlich sehr schade. Denn allzu weit führt dieser Ansatz nicht, weil er an der Oberfläche bleibt. Eine inhaltliche
Auseinandersetzung halte ich für zielführender.

Mir gefallen Enderts Thesen besonders, weil ich ebenfalls der
Ansicht bin, dass die Medienhäuser sich mit dem neuen Phänomen Bloggen
beschäftigen müssen. Ansonsten werden andere Player diese Rolle
einnehmen. Das Bloggen bietet Verlagen spannende Chancen, die auch –
wie die Beispiele Burda und Handelsblatt zeigen – genutzt werden. Durch
die Online-Integration von Weblogs können die Verlage ihre Leser auf
neue Art und Weise wieder an ihre Medien heranführen. Angesichts der
kleiner werdenden Auflagen vieler Zeitschriften und Zeitungen ist das
eine verlockende Perspektive für manche Verlage.

Warum sollen Verlage nicht mit kleinen Nischenangeboten eine neue
Ansprache ihrer Leser ausprobieren? Oder die Leser selbst auf ihren Plattformen bloggen lassen? Und damit Erfahrungen sammeln, die
sich vermarkten lassen. Im Gegensatz zu klassischen journalistischen
(Online-)Angeboten bieten Blogs eine viel größere
Interaktionsmöglichkeit für die Leser. Sie können kommentieren und in
ihren Blogs auf die Medienangebote verweisen. Dabei profitieren die Blogger dann
von dem Markenumfeld und der Reichweite der Verlagswebsites. Wenn
Verlage auf ihren Internetseiten Blogs präsentieren, die Aufmerksamkeit
der Leser auf einzelne Content-Formate lenken, haben sie die Chance,
neue Mehrwerte für ihre Leserschaft zu generieren. Außerdem werden ihre
Inhalte in der Googlegesellschaft sichtbarer. Im Gegensatz zu vielen
Verlagsinhalten, die ins kostenpflichtige digitale Archiv abwandern,
bleiben Blog-Inhalte im Web präsent und können langfristig die
Aufmerksamkeit der Suchenden auf die von Blogs begleiteten
Verlagsinhalte lenken. Warum sollten Verlage auf dieses Potenzial
verzichten?

>> Weblog.Medienmittwoch
>> Endl: Zielpublikum Weblog: m2 Medienmittwoch zum Thema Weblogs und Journalismus
>> Sven Scholz: Sagichdoch: Medienmittwoch
>> Zahlreiche Bloggeranmerkungen zum Medienmittwoch via Technorati
>> Claus Moser: Blogging about a Revolution
>> Thomas Wanhoff: Podcasterverband: Medienmittwoch in Frankfurt

Klaus Eck, econcon