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Kein politisches Lampenfieber in der Blogosphere

Michael Geffken, ehemaliger Chefredakteur der Fachzeitschrift werben & verkaufen,  betrachtet in seinem Tagesspiegel-Beitrag "Lampenfieber in der Bloggersphäre" zu Recht die politischen Blogversuche der Politiker kritisch. Diese sind längst nicht immer so tagesaktuell und aufregend, wie es sich viele Leser vermutlich wünschen. Aber es sind immerhin erste Gehversuche der Parteipolitiker auf unbekanntem Terrain. Geffken bezweifelt, dass Blogs die "ganz große Sache seien im aufkommenden Wahlkampf."  Dabei bezieht er sich unter anderem auf einen PR-Blogger-Beitrag zum BlogWahlkampf.

Überbewerten sollte man die Bedeutung der politischen Online-Kommunikation sicherlich nicht. Doch ich sehe in der Tat viel Bewegung in der politischen Kommunikation. Es gibt zarte Pflänzchen, die darauf hindeuten, dass auch immer mehr Politiker den Online-Wahlkampf ernst nehmen. Mehr Interaktivität war nie. Hat es jemals so viele Politiker gegeben, die in Online-Journalen, Foren und Chats Stellung beziehen wie heute? Und das vor dem Start des offiziellen Wahlbeginns.

Stattdessen sucht Geffken Nachweise für die blogpolitische Abbildung eines grünen Parteitags, stellt fest, dass kein grüner Parteiblogger diesen wirklich analytisch betrachtet und meint dann:

"Die Chancen, in der Blogosphäre nachhaltige Erkenntnisgewinne zu
erzielen, sind also noch suboptimal. Vorerst sollten interessierte
Wähler aus Büdelsdorf oder Kleinmachnow weiterhin Ausschau nach den
Wahlkampf-Ständen der Parteien halten." (Tagesspiegel Online)

Eine solche Beweisführung fällt nicht schwer. Einerseits hat das Bloggen wenig mit dem Nachrichtenjournalismus zu tun. Und zum anderen gelten Politiker nicht gerade als Parade-Blogger. Aber immerhin experimentieren die Politblogger mit den Neuen Medien…. Vielleicht aus einer gewissen Neugierde heraus und aus der Lust, sich als besonders innovativ zu beweisen.

Die Zeitschrift Politik & Kommunikation zeigt in einer umfassenden Wahlblog-Liste, dass es durchaus Blog-Beispiele gibt, die sehr viel mehr tiefsinnige Inhalte bieten als die vorgeblich so bürgernahen Budengespräche. Allerdings müssen die Blogleser hierbei auf die vielen bunten Luftballons, Parteistifte und papiernen Parteiprogramme verzichten und sich mit der politischen Nahrung eines jederzeit möglichen politischen Diskurses begnügen.

>> Indiskretion Ehrensache: Ab in die Fußgängzone (Replik auf den Geffken-Artikel)
>> Politik & Kommunikation: Kampagne 05
>> Handelblatt Wahlblog aus Berlin
>> FDP Bürgerfonds: Liberaler Stimmenkauf: Wer zahlt, darf bloggen
>> wahlblog05.de auf STAR FM 87.9: Beitrag über Weblogs zur Bundestagswahl (mp3)  mit Christian Hochhuth über wahlblog05.de und die Bedeutung von Weblogs im Wahlkampf 

>> Blogging-Wahlkampf: «Die Bedeutung der Blogosphere ist größer als sich
manche wünschen»
– Interview mit Jürgen Marks, Chefredakteur Focus
Online (exklusiv)