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Qualitätsblogismus: Warum sollen wir Blogs lesen?

Warum liest überhaupt jemand Weblogs? Es gibt keinerlei Grund, eine Zeitschrift, eine E-Mail, einen Web-Text oder ein Weblog zu lesen, nur weil ich deren mediale Form mag. Das wäre mir jedenfalls als Kriterium etwas dürftig. Letztlich kommt es nicht (allein) auf die formale Ausprägung an, sondern auf den Inhalt. Während viele Leser politische oder naturwissenschaftliche Themen lieben, bevorzugen andere eine aus intellektueller Sicht vielleicht dürftig erscheinende Kost wie beispielsweise die Bild-Zeitung, die dennoch auf viele ansprechend wirkt. Oder aus welchen Gründen sonst ist die Boulevard-Presse so erfolgreich?

Qualitität ist demnach immer auch ein sehr relativer und in
gewisser Weise sogar subjektiver Begriff. Denn wer legt fest, was
qualitativ hochwertig ist? Abgesehen von der handwerklichen Umsetzung doch immer der jeweilige Leser, dem ein Text
zusagt oder auch nicht. Aus diesem Grunde halte ich Thomas Knüwer Ansatz für sehr wichtig. Er hat in einem
Kommentar zu Martin Rölls lesenswerten Diskurs über "Weblogs, Qualität und Eisberge" die Lese-Motivation angesprochen: Wenn es mir nicht gelingt, Leser für meine Inhalte zu begeistern, muss ich mit einer geringeren Leserschaft rechnen.

"Menschen müssen motiviert werden, Blogs zu lesen, dann werden auch mehr
Leute auf den Geschmack kommen, dauerhaft Blogs zu lesen – und daraus
wird auch die geforderte Qualität entstehen. Ich glaube, die Formel ist
Bekanntheit = steigende Qualität." (Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache)

Zuversichtlich stimmt mich für die qualitative Entwicklung hiesiger Blogs, dass inzwischen immer mehr Menschen Weblogs wahrnehmen: Laut
dem Pew Internet & American Life Projects lesen 32
Millionen US-Bürger Weblogs. Und diese Zahlen steigen weiter: Vom Februar
bis November 2004 stieg die Zahl der Blog-Leser von 17 Prozent auf 27
Prozent. Diese rasante Entwicklung zeigt das Potenzial, das in
der Blog-Kommunikation liegt.

Die kritische Auseinandersetzung über die Qualität erleichtert es einigen Journalisten sich von den "unprofessionellen" Kollegen der bloggenden (=schreibenden) Zunft besser abzuheben und ihren Status gegenüber den Lesern zu verteidigen. Eine solche Kritik der fehlenden journalistischen Qualität, führt jedoch nicht unbedingt zu fairen Ergebnissen, wenn man bedenkt, dass viele Blogger sich gar nicht als Journalisten verstehen. Sie stellt zudem nichts wirklich Neues dar. Über Qualität wird im Journalismus schon lange gestritten. Doch neu ist es, dass es überhaupt einen Diskurs über vormediale Produkte wie Weblogs gibt:

"… im Gegensatz zu den bisherigen Medien,
wird der Vorwurf mangelnder Qualität diesmal nicht den Journalisten und
Medienhäusern gemacht, sondern den "neuen Akteuren" in der
Kommunikationsarena – den Bloggern in der Blogosphere. Dabei wird eine
ähnliche Kritik wie schon beim häufig bemängelten
"Qualitätsjournalismus" angeführt.

Einige Parteien sehen einen „Qualitätsverlust“ aufgrund der fehlenden
Ausbildung bzw. Professionalisierung , andere sehen ein Abbröckeln der
Qualität in der Berichterstattung in der Blogosphere aufgrund der
"Laienjournalisten" und damit in den drei klassischen Funktionen des
Journalismus (Information, Unterhaltung und Orientierung) bzw. eine Verschiebung der Funktionen bei Journalisten aufgrund von Weblogs." (Tim Fischer, BlogInitiative Germany)

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