Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

Blogger-TV in der Schweiz

1 Minuten Lesedauer

Anscheinend dauert es im TV etwas länger, bis eine differenzierte Darstellung des Phänomens Weblog möglich ist. Jedenfalls werden Blogger im Schweizer Fernsehen auf ihre große Einsamkeit und ihren Narzissmus reduziert:

Ausstellung"Immer mehr – vor allem junge Menschen – nützen das Internet, um Intimes von sich preiszugeben. Millionen machen das schon. Immer mehr auch in der Schweiz", so lautet der Einstieg des Fernsehbeitrags in der Hauptausgabe der Tagesschau über die SISTM Ausstellung
zum Thema Blogger.

Das erinnert an die Anfangszeit des Internets, in der immer wieder auf
die fehlende Sicherheit, Pornografie und Suchtgefahren verwiesen wurde.
"Stumm aus toten Augen glotzen sie uns an", so wird ein Künstler zitiert. Düsteres Fazit:
"Blogger sind die
Big-Brother-Kinder des Internets. Sie legen im Netz ihr Innerstes
offen und am Ende bleiben sie doch einsam." Arme Geschöpfe, denkt der Zuschauer.

Selbst wenn es einige Online-Tagebuchschreiber und Blogger geben
mag, die unter Kontaktschwierigkeiten leiden, ist die Grundthese des
TV-Beitrags mehr als gewagt und behagt mir überhaupt nicht. Ich habe oft genug ganz andere
Erfahrungen mit dem Bloggen machen dürfen. Kommunikation ist Trumpf, nicht
die Isolation des Einzelnen.

Wer bloggt, ist nicht per se dies oder das. Deshalb führen Verallgemeinerungen nicht weit, sondern verstellen die Sicht auf die Wirklichkeit und nehmen Chancen. Schließlich können auch einsame Menschen vom Bloggen profitieren, wenn sie die neue Kommunikationsform nutzen, um Kontakte mit anderen aufzunehmen. Warum nicht auch via Online-Tagebuch oder -Journal?

Vermisst habe ich den Hinweis auf die (bewusste) künsterlerische Zuspitzung in der TV-Sendung. Im Weblog der Ausstellung klingt manches klarer und auch nachvollziehbarer:

"Durch Loslösung aus ihrem ursprünglichen Kontext, verbunden mit der starken Vergrösserung und Plakatierung an die Wände der Galerie, verleiht SISTM den Texten eine Wucht, die nicht nur sichtbar ist. Der Inhalt der Texte erschüttert, zielt direkt in die Magengrube. In Verbindung mit den aus gleichen Domains entnommenen Bildern, eröffnet die Installation das Panorama einer Gesellschaft, deren narzisstische Selbstäusserungen vor allem Camouflage ihrer Vereinsamung und emotionalen Verstörung sind." (SISTM)

 

>> Blogger Ausstellung in Zürich (Real Video)

>> via Dienstraum

Klaus Eck Klaus Eck ist freier Kommunikationsberater und einer der führenden Corporate-Influencer-Experten in Deutschland. Er ist Social-Media-Pionier, Buchautor und Content-Marketing-Profi. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die strategische Begleitung von Corporate-Influencer-Programmen. Seit Februar 2020 moderiert er regelmäßig das Corporate Influencer Breakfast und hat mehr als 60 Talks mit Gästen initiiert, in denen diese über ihre Erfahrungen mit Personal Branding, Corporate Influencern und CEO-Kommunikation berichten.

4 Replies to “Blogger-TV in der Schweiz”

  1. lieber klauseck
    es ist in der tat so, dass ein 3minuten filmchen immer dazu geeignet ist, aussagen zu verkürzen und damit aus dem urpsünglichen zusammhang zu nehmen.
    ich hatte in dem gesamten (nicht gesendeten) gespräch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es mir um ein spezielles phänomen geht, das mich in besonderem masse künstlerisch interssiert: die vereinsamung von individuen in der welt des web.
    schon im vergangenen jahr hatte ich hierzu eine (vielleicht wegen des pinkanten themas) weniger beachtete ausstellung (FEMALE SUBJECTS I), bei der ich mich mit prostitution im internet befasst habe.
    zudem hatte ich in dem, dem tagesschau-beitrag zugrunde liegenden gespräch betont, dass es sich bei den blog-fragmenten um texte aus gb, usa und skandinavien handelt, wo ich das o.g. phänomen in stärkerem masse beobachtet habe.
    ich denke, dies hat auch mit kulturellen differenzen zu unserem sprachraum zu tun. ich habe in diesem zusammen hang von einer „kultur des exhibitionismus“ vor allem in den usa gesprochen,hinter der ich jedoch auch grosse inhaltliche leere und seelische vereinsamung vermute.
    wie gesagt, ist das leider alles der schere zu opfer gefallen. dennoch würde es mich freuen, wenn der betrag zu einem regen diskurs über das phänomen blog anlass gibt. auch unabhängig von meinem thema.
    letztlich wäre es angenehm, wenn die die mich kritisieren, erst einmal dies austellung anschauen gehen,die hierzu verfassten schriften studieren und meine arbeit insgesamt beachten würden.
    im andereren fall würden sich aus meiner sicht diese kritiker in gleichen masse disqualifizieren, wie jene, die eine ausstellung in paris kritisieren, die sie nie geshen haben.
    und ob einem meine arbeiten gefallen oder nicht ist, dann ja immer noch seinem persönlichen geschmack überlassen.
    gruss
    SISTM

  2. Das ist mir klar geworden, als ich Ihre Website betrachtet habe. Dort kam mir alles sehr viel differenzierter vor. Und die Probleme und Themen, die Sie künstlerisch ansprechen gibt es sicherlich. In der Fernsehdarstellung wird leider das ganze Thema Weblogs verkürzt wiedergegeben.

  3. lieber klaus eck
    bleibt nur zu hoffen, dass ich zu einer differenzierteren diskussion des phänomens blog
    anlass geben konnte.
    wenn ich hierzu meinen bescheidenen, künstlerisch subjektiven beitrag leisten kann, soll es mir recht sein.
    gruss
    SISTM

  4. Macht sie nieder! Wen?

    Da berichtet der Dienstraum in „Still feeling alone?“, dass das Schweizer Fernsehen Ende Januar in der Hauptausgabe der Tagesschau über eine Ausstellung zum Thema Blogger berichtet. Das Fazit des Beitrags sei gewesen: „Blogger sind die Big-Brother-Kind…

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