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Kommunikationsprofis twittern

Falls Sie mehr als 300 Follower auf Twitter haben, sind Sie hierzulande ein überdurchschnittlich guter Twitterer. Denn in Deutschland ist Twitter immer noch eher eine Nischenplattform. Im WiWo-Blog gibt es eine Analyse von Scoopio über Twitter-Deutschland. Die vorgestellten Zahlen sind recht ernüchternd: Von aktuell rund 3 Millionen deutschen Twitter-Accounts sollen weniger als ein Drittel überhaupt aktiv sein.

Darüber hinaus verfügen 2,4 Millionen der deutschen Twitteraccounts über weniger als 50 Follower, haben also eine eher unbedeutende Reichweite. In der Zusammenarbeit mit internationalen Kommunikationskollegen (z.B. aus UK) habe ich immer wieder zu spüren bekommen, wie viel selbstverständlicher dort Twitter genutzt wird als hierzulande.

Aber auch wenn Twitter in Deutschland eher als Randphänomen bezeichnet werden kann, bin ich der Meinung, dass es zum Handwerkszeug eines jeden Kommunikationsverantwortlichen gehört, Twitter für die eigene Arbeit einsetzen zu können! Umso trauriger ist es, dass unter Kommunikationsfachleuten Twitter alles andere als ein selbstverständlich genutztes Tool ist.

So kann Twitter die Kommunikationsarbeit unterstützen

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Twitter “nutzen” heißt nicht, dass jeder PRler einen aktiven privaten Twitteraccount unterhalten muss, und auch nicht, dass er für sein Unternehmen einen Firmenaccount betreuen muss. Beides ist nicht zwingend notwendig, je nach den Zielen, die man mit einem Engagement verfolgt und mit dem Aufwand, der diesen Zielen jeweils gegenübersteht.

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Twitter als Recherchetool und Ohr am Markt

Twitter kann man auf so viele andere Weisen im PR-Alltag einsetzen, zum Beispiel bei der Recherche von Influencern und Themen. Die Listenfunktion, die Followings von bekannten Influencern und branchenrelevanten Publikationen sowie die Themenrecherche beispielsweise via Hashtags können spannende Erkenntnisse für die eigene Kommunikationsstrategie liefern.

Auch um ein besseres Gefühl für die eigene Zielgruppe zu erhalten, kann Twitter helfen. Ich behaupte, dass viele Unternehmen nicht wissen, wer ihre Zielgruppe eigentlich genau ist und was diese umtreibt. Aktives Zuhören kann z.B. helfen zu identifizieren, welche Themen für ein erfolgreiches Content Marketing in Frage kommen.

Unkomplizierte Kontaktanbahnung mit Journalisten und weiteren Influencern

Dass Twitter in Deutschland solch eine Nischenplattform ist, birgt Vorteile für die Arbeit von Kommunikatoren. Online-Influencer, die eigene Inhalte erstellen und veröffentlichen, sei es in Blogs, auf Youtube oder weiteren Plattformen, sind sehr oft auch auf Twitter aktiv, um dort ihre Texte, Videos etc. zu verbreiten. Aufgrund der recht überschaubaren aktiven deutschen Twittererschaft ist es verhältnismäßig einfach, persönlich in Kontakt zu kommen. Christian Jakubetz hat angemerkt, dass Twitter in Deutschland großenteils von einem sehr bestimmten Personenkreis genutzt wird, nämlich Kommunikationsverantwortlichen, Journalisten und Medienvertretern. Da stimme ich ihm zu. Aber das ist gar nicht schlimm, denn als PRler ist es ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit, Kontakte zu eben diesen Personenkreisen zu pflegen und zu wissen, welche Themen gerade interessant sind.

Keine Ausreden mehr! Fangen Sie am besten noch heute an!

Sie müssen nicht direkt der Vorzeige-Twitterer werden, der fünfmal am Tag selbst Tweets veröffentlicht. Sie können ebenso gut zunächst ein stiller Beobachter sein. Bauen Sie Twitter in Ihre tägliche Arbeit ein, eröffnen Sie einen Account, folgen Sie ein paar interessanten Profilen z.B. aus der Kommunikationsbranche, den relevanten Playern aus Ihrer Industrie und interessanten Persönlichkeiten. Nutzen Sie kostenfreie Tools wie Tweetdeck, um Themen und Hashtags zu monitoren. Sie werden vielleicht erstaunt sein, wie viele zusätzliche Kommunikationsanlässe sich auch für Ihre PR-Arbeit finden lassen und wie viele Themen praktisch auf der Straße liegen, wenn Sie einfach einmal genau hinsehen. Starten Sie am besten sofort, und wir lesen uns dann hoffentlich bald auf Twitter!

 

Bildquelle: Shutterstock

  • Clemens Lotze

    Was mich immer wieder wundert, ist die Tatsache, dass einige Profis einen Twitter-Account immer noch nur nach der Anzahl der Follower beurteilen.
    Die großen Social-Media-Monitoring-Dienste wie Brandwatch oder Digimind verwenden schon länger die Summe aus Follower + Listeneinträgen.
    Dies macht in meinen Augen auch Sinn, da gerade die Profis für ihre Recherche mittelfristig immer Listen verwenden.
    Die eigene Timeline ist dann ausschließlich für das Tagesgeschehen reserviert und minimiert!
    Umgekehrt ermöglicht es dem User seine Strategie auf eine hohe Anzahl von Listeneinträgen abzustellen. Somit wird die mögliche Sichtbarkeit eines Tweets deutlichst verlängert!
    Qualität vor Quantität!

  • Clemens Lotze

    Was mich immer wieder wundert, ist die Tatsache, dass einige Profis einen Twitter-Account immer noch nur nach der Anzahl der Follower beurteilen.
    Die großen Social-Media-Monitoring-Dienste wie Brandwatch oder Digimind verwenden schon länger die Summe aus Follower + Listeneinträgen.
    Dies macht in meinen Augen auch Sinn, da gerade die Profis für ihre Recherche mittelfristig Listen verwenden.
    Die eigene Timeline ist dann ausschließlich für das Tagesgeschehen reserviert und minimiert! Umgekehrt ermöglicht es dem User seine Strategie auf eine hohe Anzahl von Listeneinträgen abzustellen. Somit wird die mögliche Sichtbarkeit eines Tweets deutlichst verlängert!
    Qualität vor Quantität!

  • Heiko Kunkel

    Danke für den Post!

    Ohne Twitter kein Blog – so war/ist zumindest meine
    persönliche Geschichte. 😉

    Clemens hat natürlich auch recht, nach der Anzahl der
    Follower sollte man (wie in den sonstigen Netzwerken auch) niemals gehen. Allerdings sind Follower + Listeneinträge auch eher „naja“. Lieber dem eigenen
    Bauchgefühl vertrauen und die eigenen Ziele vor Augen halten, um anschließend den/die „richtigen“ Influencer usw. zu finden.

    • Clemens Lotze

      Heiko, selbstverständlich haben die eigenen Ziele immer die höchste Priorität. Und es kommt sicher auf den Inhalt der Posts an, um den „richtigen“ Influencer zu finden.
      Trotzdem wird man immer auch auf die Menschen „schielen“, die diesem Influencer folgen. Schließlich sollen sie mit der eigenen Zielgruppe möglichst identisch sein.
      Hierzu ist es sicherlich entscheidend nicht nur die reinen Followerzahlen zu betrachten. Schließlich kenne ich die Strategie „meines“ Influencers nicht!

      • Heiko Kunkel

        Richtig, die reinen Follower sollten natürlich nicht nur betrachtet werden, schließlich kann man diese auch käuflich erwerben.
        Die (gute) Mischung macht es einfach. :)

  • Kristina Dahl

    Vielen Dank für die Zusammenstellung! Ich finde es extrem wichtig, dem Twitter-Stream zu „lauschen“, da man so wirklich ein Gefühl für interessante Themen bekommt und herausfindet, was die Leute beschäftigt, die man mit seiner Kommunikation erreichen möchte – in meinem Fall z. B. Redakteure und Blogger.