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Kirstin Walther: 7. Social Media Management by Kelterei Walther

Können Sie sich vorstellen, ein Blog über Saft, Müsli oder Wein zu lesen? Vor einigen Jahren war das noch unvorstellbar, bis ich die “Safttante” auf dem ersten Bloggertreffen in München kennenlernen durfte.  Sie heißt Kirstin Walther und führt ein mittelständisches Unternehmen.  Für sie ist die Nutzung von Social Media “die beste und lohnenswerteste Zeit des Tages”. Nicht ohne Grund ist die Geschäftsführerin der Kelterei Walther längst ein Urgestein der Social Media-Szene und mit dem Saftblog bereits seit mehr als fünf Jahren im Social Web aktiv. Im 7. Teil unserer Social Media Management-Reihe erzählt sie dem PR-Blogger, wie sie zu ihrer Rolle als virtuelle Safttante gekommen ist und diese digital auslebt.

1.  Frau Walther, Sie twittern und networken für Ihr Unternehmen sehr intensiv, warum eigentlich? Was bringt das Social Media Management Ihrem Unternehmen?

Anfangs habe  ich immer alles nur getestet. Ich fing an zu bloggen, twittern und nutze Facebook. Dabei probierte ich alles aus, lernte und es machte immer mehr Spaß – einfach das Füllen der Kanäle. Es fand sofort Dialog statt – dann machte es noch mehr Spaß.

Irgendwann hatte es positive Auswirkungen auf die Verkaufszahlen, was ich in dieser Form gar nicht erwartet hatte. Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Social Media unser direktester und schnellster Draht zu Kunden und vor allem Fans ist und das in allen Facetten: Produktinnovationen, Verbesserungen durch Kritik, Service usw. Wir müssen nur zuhören und umsetzen, was uns die Konsumenten auf direktem Weg mitteilen.

Und, … das mag jetzt seltsam klingen – aber jeden einzelnen Tag bin ich aufs Neue verblüfft, wie gern mit und über uns kommuniziert wird und vor allem wie! Und das eben ohne ausgeklügelte Konzepte oder Projekte, sondern einfach dadurch, dass ich/wir die User an unserem Alltag teilhaben lassen. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich!

2. Welche ersten persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Social Media gemacht?

Es sind ausschließlich positive Erfahrungen. Ich glaube, dass es ein guter Weg ist, auszuprobieren, zu lernen und seinen eigenen Weg zu finden, ohne große Erwartungen. Auch wenn es den Eindruck macht, man wäre nicht up-to-date, wenn man heute noch nichts mit Social Media macht, sollte man ganz in Ruhe erst einmal herausfinden, ob es einem überhaupt liegt und in welcher Form. Ziele kann man auch später noch festlegen, wenn man ein paar Erfahrungen gesammelt hat. Das war bei uns ähnlich: Wir haben in den vergangenen Jahren mit geringsten Mitteln Social Media betrieben und weil die Erfahrungen so gut waren, haben wir in unsere neue Website richtig viel Aufwand reingesteckt, weil wir wussten, dass es funktioniert und wir uns auf unsere Fans verlassen können. Seit die neue Website online ist, passiert unglaublich viel. Neue Endkunden, aber auch sehr viele neue Händler, die durch unsere Fans von den Produkten überzeugt werden – nicht von uns.

3. Welche Voraussetzungen benötigt ein guter Social Media Manager? Was sollte er unbedingt beherrschen?

In erster Linie sollte es sich um einen „Menschen“ handeln. Jemanden, der gern mit Menschen im Gespräch ist, respektvoll und zuvorkommend ist und bleibt – auch wenn es einmal schwierig wird. Der nicht zu stolz ist, um andere um Rat zu fragen, wenn er nicht weiter weiß.

4. Wie nutzen Sie Twitter, Facebook und Blogs für Ihre Arbeit? Wie viel Zeit verbringen Sie damit?

Ich verbringe damit so viel Zeit wie ich kann. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich am liebsten nichts anderes machen, aber leider hat man ja noch andere Aufgaben. Ich schätze, dass es im Schnitt irgendwas zwischen 1 bis 2 Stunden am Tag sind – aber es ist die beste und lohnenswerteste Zeit des Tages. Am meisten nutze ich Twitter, weil es am einfachsten ist und am schnellsten geht. Durch die Zusatzprogramme, die es gibt, kann man extrem schnell agieren oder reagieren, ohne den ganzen Tag auf den Bildschirm zu starren. Ich gebe zu, dass Twitter für mich quasi ein 7/24-Ding ist, aber das lasse ich zu, weil es einfach Spaß macht und mir viel Energie gibt. Ich schreibe worauf ich Lust habe, was mich gerade bewegt und das hat eher selten mit Saft zu tun. Über unsere Produkte poste ich nur etwas, wenn es wirklich Neuigkeiten gibt. Der Hauptanteil ist aber das Reagieren auf Tweets von anderen. Bedanken für 140 Zeichen lange Lobeshymnen auf unsere Produkte und unseren Service, Auskünfte geben und Fragen beantworten. Deswegen sieht man in meiner Timeline überwiegend Replies. Das war so nicht geplant – hat sich aber so ergeben.

Eine Facebookseite haben wir noch nicht so lange. Dort bin ich noch am Lernen und Ausprobieren. Facebook fühlt sich für mich irgendwie anders an als Twitter. Facebook wird eher dafür genutzt, um mit Freunden in Kontakt zu stehen und weniger als Output-Kanal wie bei Twitter. Aber vielleicht ändert sich das noch. Auf die über 1.000 Fans bin ich allerdings stolz und dass die Kommentare immer am Post dranhängen finde ich auch besser. Erstaunlich ist für mich der zusätzliche Traffic, der durch Facebook generiert wird. Der Verteilungseffekt scheint dort stärker als bei Twitter zu sein, vermutlich weil es so viel leichter ist, manchmal nur auf einen „Gefällt mir“ Button zu drücken.

Unser Corporate Blog nutze ich inzwischen eher selten – eigentlich nur für Dinge, die nicht in 140 Zeichen reinpassen und auch zu umfangreich für einen Facebook-Post sind. Worüber ich froh bin, ist allerdings der Fakt, dass wir schon jede Menge drinstehen haben im Blog nach fast fünf Jahren und ich somit immer wieder bereits bestehende Artikel zum Beantworten von Fragen bei Twitter & Co. verwenden kann.

Prinzipiell muß ich sagen, dass das Blog alleine – ohne Twitter und Facebook wahrscheinlich nicht  mehr sehr viel Bedeutung hätte. Seit 2006 und mit den anderen Kanälen hat sich doch einiges verändert.

5. Wie viele Personen sind bei Ihnen insgesamt in Social Media aktiv? Welche Social Media Projekte gibt es?

Im Moment bin nur ich aktiv – weiß aber, dass Familie und Mitarbeiter durchaus mitlesen. Projekte? Ja, da liegen schon noch einige Dinge an, z. B. werden wir in Kürze allen unseren Safthändlern die Möglichkeit bieten auf unserer Seite oder auch extern, alle Funktionen zu nutzen, die wir selbst haben. Bloggen, Facebooken – einfach mit ihren Endkunden in Dialog zu kommen usw. auf ganz einfache Art und Weise. Und andere Sachen kommen auch, um unseren Fans und Kunden noch mehr Einkaufserlebnis und Service zu bieten.

6. Was hat sich für Sie persönlich am meisten durch Social Media verändert?

Ganz persönlich hilft mir Social Media, einen besonderen Weg für mich zu finden. Ich gehörte früher zu denen, die schlaue Marketingbücher lesen und PR-Leute manchmal etwas zu ernst nehmen. Denn die sagten unter anderem: Unternehmer haben so und so zu sein, so zu reden, diese und jene Botschaft permanent zu vermitteln, so und so auszusehen, stellen ihr Unternehmen ausschließlich in den schillerndsten Farben dar – egal ob das nun der Wahrheit entspricht usw. Ich glaubte immer, diese Leute hätten Recht und war mir sicher, dass nur dieser Weg funktionieren wird – auch wenn mir das verdammt schwer fallen würde.

Durch die Nutzung der Social Media Kanäle und den intensiven Kontakt mit vielen Menschen durfte ich allerdings lernen, dass es der beste Weg ist, sich selbst zu sein und zu bleiben. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen – so wie jeder andere auch. Du magst es nicht zu verkaufen? Dann tu es nicht. Heute erlaube ich mir das und seitdem führe ich die Firma viel entspannter. Und was dazu kommt: Es funktioniert natürlich auch im „richtigen Leben“ mit Kunden und Lieferanten. Sowohl bei (Verkaufs-) Gesprächen, als auch im normalen Postverkehr. Beispiel: Seitdem ich E-Mails so beantworte, wie mir der Schnabel gewachsen ist und nicht mit irgendwelchen Standardfloskeln, ist das Feedback ganz anders. Viel persönlicher und herzlicher und das wird honoriert mit absoluter Treue, aber auch Verständnis für Fehler oder Nachlässigkeiten, die in jedem Unternehmen vorkommen können.

Im Umkehrschluß bedeutet das für mich, dass man es nennen kann, wie man möchte – aber im Endeffekt geht es um Menschen bei der Nutzung von Social Media. Deswegen gelten auch Regeln, die es eigentlich schon immer gab.

Der PR-Blogger sagt herzlichen Dank!